Unfruchtbarkeit beim Mann

Verschiedene Einflüsse können die die Zahl und Beweglichkeit der Spermien – und damit die Fruchtbarkeit des Mannes – beeinträchtigen.

Pärchen wartet auf das Ergebnis eines Schwangerschaftstests © iStock
(München – 05.01.2018) Paare mit Kinderwunsch unterschätzen oft, wie stark Genussgifte, Krankheiten und Arzneimittel die Fruchtbarkeit des Mannes beeinträchtigen können. Derartige Einflüsse können nicht nur die Zahl der Spermien schädigen, sondern auch ihre Beweglichkeit und ihre Fähigkeit, sich mit der Eizelle zu verbinden. Ein weiterer Angriffspunkt für schädigende Einflüsse kann zudem die DNA – also das Erbmaterial – sein.

Bestimmte Erkrankungen können den Spermien schaden

„Zunehmende Bedeutung als Ursachen für Störungen der männlichen Fruchtbarkeit bekommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Übergewicht – vor allem in Kombination mit einem steigenden Alter der Männer in der Kinderwunschsprechstunde", sagt der Androloge Prof. Dr. Frank-Michael Köhn. In Fettzellen wird das männliche Hormon Testosteron außerdem in Östrogen umgewandelt, sodass das Risiko für einen Testosteronmangel steigt, was die Funktion der Hoden beeinträchtigen kann. Bei sehr starken Beeinträchtigungen der Spermaqualität kann die Befruchtung auf natürlichem Weg so unwahrscheinlich werden, dass künstliche Befruchtungen notwendig sind. Mit Übergewicht und Diabetes geht zudem häufig ein Bluthochdruck einher, der die Produktion von Samenzellen in den Samenkanälchen der Hoden negativ beeinflussen kann.

Beeinträchtigungen durch Medikamente

Zusätzlich richtet sich das wissenschaftliche Interesse zunehmend auf Substanzen wie Betablocker und Kalziumantagonisten, gängige Arzneimittel gegen einen zu hohen Blutdruck, da nach Anwendung dieser Medikamente Einschränkungen bei Spermienzahl und Spermienfunktionen beobachtet wurden. Für die Phase der Familienplanung müsste deshalb in enger Absprache mit dem behandelnden Internisten gegebenenfalls über einen Wechsel der Arzneimittel nachgedacht werden, so der Experte.

Noch besser wäre es, durch eine Änderung des Lebensstils die Behandlung mit Arzneimitteln ganz unnötig zu machen. „Ein Body-Mass-Index (BMI) über 25 kann mit schlechterer Spermaqualität einhergehen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Spermien von adipösen Männern mit einem BMI über 30 schlechtere Ergebnisse bei künstlichen Befruchtungen von Frauen erreichen“, sagt Köhn.

Zu einem Stopp der Spermienproduktion führen auch Anabolika, die männliche Hormone enthalten. Dem Körper wird dadurch signalisiert, dass ausreichend Testosteron vorhanden ist. Daher wird der Hoden durch die Hirnanhangsdrüse nicht ausreichend stimuliert, sodass die Produktion von Samenzellen ausbleibt. Die Folge kann ein Verlust der Fruchtbarkeit sein.

„Bei der Abklärung der männlichen Fruchtbarkeit sollten aber auch Störungen der Sexualität wie Erektionsstörungen oder Orgasmusstörungen berücksichtigt werden. Alkohol, Drogen und Psychopharmaka können manchmal die Ursache dafür sein, dass bei einem Mann die Stärke und Dauer der Erektion nicht mehr ausreichen oder sexuelles Verlangen, Orgasmus oder Ejakulation beeinträchtigt sind“, erklärt Köhn.

DNA-Schäden durch Nikotin und Überwärmung

Gravierend sind auch die Schäden, die Nikotin an den Spermien anrichtet: Die Zahl, Beweglichkeit und Form der Spermien können gestört sein, sodass ihre Chancen, überhaupt bis zur Eizelle vorzudringen, erheblich eingeschränkt sind. Außerdem finden sich bei Rauchern häufiger Schäden in der DNA – also dem Erbmaterial, das die Spermien transportieren. Die Fähigkeit, Eizellen zu befruchten, kann dadurch deutlich herabgesetzt sein. Untersuchungen aus Deutschland haben gezeigt, dass sich diese Folgen von Nikotinkonsum teilweise erst zwei Jahre nach einem Rauchstopp zurückbilden.

Auch Überwärmung durch Infektionen mit Fieber, durch Krampfadern im Hodensack, Sitzheizungen oder Tätigkeiten, bei denen man viel sitzt, können die Spermaqualität und Fähigkeit zur Befruchtung von Eizellen beeinträchtigen. Besonders schwere Schäden der Spermienproduktion werden durch Chemotherapien verursacht, wie sie bei Krebserkrankungen oder manchmal auch bei Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden.

Weniger beweglich, weniger erfolgreich

Für eine erfolgreiche Zeugung braucht es nicht nur eine Mindestzahl an genetisch intakten Spermien – die Spermien müssen auch ausreichend vorwärts beweglich sein, um die Eizelle zu erreichen. Sogenannte Kreisläufer oder Spermien, die sich nur träge vorwärts bewegen, werden nicht an der Eizelle ankommen und sie befruchten können. Nikotin, Übergewicht, Diabetes, Fieber und Infektionen, Chemotherapie und Arzneimittel können diese wichtigen Eigenschaften von Spermien so beeinträchtigen, dass die Chance auf Befruchtung herabgesetzt ist.

„Die gute Nachricht ist, dass sich das Hodengewebe nach Beendigung schädlicher Einflüsse auch wieder erholen kann. Eindrucksvoll sieht man das, wenn bei hohem Fieber die Spermienzahlen dramatisch abfallen und nach Gesundung in den folgenden Monaten wieder ansteigen“, so der Experte. „Das erfordert aber Geduld, da die Produktion und Reifung von Samenzellen im menschlichen Hoden und Nebenhoden etwa drei Monate in Anspruch nehmen. Zudem kann man die Fähigkeit zur Erholung im Einzelfall nicht vorhersagen. So haben wir auch Patienten mit langem Missbrauch von Anabolika gesehen, deren Hoden ihre Funktion nicht wieder aufgenommen haben.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.01.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des 7. DVR-Kongress: Alltagsgifte, Krankheiten, Arzneimittel – was Männer unfruchtbar macht