Erhöhtes Thromboserisiko

Bei schwangeren Frauen besteht sowieso schon eine erhöhte Thrombosegefahr. Welche Faktoren das Risiko noch weiter steigern.

Ärztin spricht mit Schwangerer © iStock
(München – 08.12.2017) Damit es während der Geburt nicht zu schweren Blutungen und Blutverlusten kommt, wird im letzten Drittel der Schwangerschaft das System der Blutgerinnung stark aktiviert. Vor allem dann, wenn bei einer Frau das Gerinnungssystem ohnehin durch andere Ursachen aktiviert ist, kann es zu einem gefährlichen Blutgerinnsel in ihren Venen kommen – zu einer sogenannten Thrombose. Wird das Gerinnsel im System der Blutgefäße mitgeschwemmt und setzt sich danach in den feinen Kapillaren von Lungen oder Gehirn fest, spricht man von einer Lungenembolie oder einem Schlaganfall: Frauen haben während der Schwangerschaft und in der Zeit rund um die Geburt ein deutlich höheres Risiko für Thrombosen und Schlaganfälle als Frauen, die nicht schwanger sind.

Welche Faktoren das Thromboserisiko noch weiter erhöhen

Bei einer jungen, gesunden, nicht schwangeren Frau ohne Risikofaktoren ist eine Thrombose sehr selten – sie kommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 pro Jahr vor. In der Schwangerschaft liegt das Risiko zehnmal höher – nämlich bei 1:1.000. Ist eine Frau leicht übergewichtig oder älter als 30 Jahre, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Schwangerschaft eine Thrombose bekommt, noch höher – etwa bei 1:200. „Ein besonderes Risiko stellt das Rauchen in der Schwangerschaft dar“, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. „Jede einzelne Zigarette schadet nicht nur dem ungeborenen Baby, sondern fördert auch die Blutgerinnung. Rauchen erhöht das Risiko für Thrombosen nochmals um das Vierfache.“ Bettlägerigkeit und geringe körperliche Aktivität, Fieber und Infektionen steigern das Risiko weiter. Außerdem ist das Gerinnungssystem immer bei Entzündungen, Fieber und Verletzungen – also auch nach Operationen und nach einem Kaiserschnitt – aktiviert. Ebenso in Phasen von Bettlägerigkeit – und zwar schon nach wenigen Tagen.

Erhöhtes Thromboserisiko durch genetische Veranlagung

Ein besonderes Risiko tragen Schwangere, wenn bei ihnen oder ihren Familienangehörigen bereits Thrombosen, Schlaganfälle oder Lungenembolien aufgetreten sind. Man geht dann von einer genetischen Veranlagung aus. Eine aktuelle Untersuchung beziffert dieses Risiko. In den Studien, die für diese Arbeit ausgewertet wurden, wurde nicht nur nach den Erkrankungen der Schwangeren selbst und ihrer Familienangehörigen gefragt. Es wurde mithilfe von Laborwerten auch danach gesucht, ob das Gerinnungssystem tatsächlich aktiver ist als das einer gesunden Schwangeren. Bei den Schwangeren, bei denen dies der Fall war, traten Komplikationen und Erkrankungen durch das aktivierte Gerinnungssystem um zehn- bis 50-mal häufiger auf als bei gesunden Schwangeren.

„Familiär belastete Schwangere sind wirklich gefährdet“, fasst Dr. Albring die Untersuchungsergebnisse zusammen. „Jede Schwangere sollte nachforschen, ob in ihrer Familie schon Thrombosen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Lungenembolien aufgetreten sind. Dann sind nach der frauenärztlichen Beratung gegebenenfalls Labortests angesagt. Wenn sich zeigt, dass die Blutgerinnung tatsächlich im Übermaß aktiv ist, empfiehlt es sich, während der Schwangerschaft und auch noch eine Zeitlang nach der Geburt zum Beispiel Stützstrümpfe zu tragen und gegebenenfalls Gerinnungshemmer anzuwenden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.12.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte: Übergewicht, Familie, Rauchen – wann müssen Schwangere Thrombosen fürchten?
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