Der passende Kinderschuh

Kinderfüße entwickeln sich noch – deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinderschuhe optimal passen. Worauf Sie beim Schuhkauf achten sollten.

Vater bindet Kind die Schuhe © iStock
(München – 03.11.2017) Im Handel und im Internet bieten viele Hersteller ihre Kinderschuhe unter der Bezeichnung „Lauflernschuhe“ an. Dabei benötigten Kinder zum Laufenlernen gar keine Schuhe. „So zart sie auch aussehen mögen – Babyfüße sind stark genug, das Gewicht des Körpers zu tragen“, sagt Prof. Dr. Berthold Koletzko von der Stiftung Kindergesundheit. „Für ihre gesunde Entwicklung sind Schuhe nicht erforderlich – eher im Gegenteil: Schuhe hindern die Füße am Tasten und Greifen. Dadurch bleiben dem Kind wichtige sensorische Reize und Empfindungen und damit zusätzliche Wahrnehmungsimpulse für sein Gehirn vorenthalten. Schuhe braucht der Mensch nur zum Schutz gegen Kälte, Hitze und Verletzungen.“ Schuhe sind demnach auch erst dann angebracht, wenn ein Kind schon so gut laufen gelernt hat, dass es auch draußen auf eigenen Beinen vorankommen möchte.

Am besten laufen Babys barfuß

Am besten beginnt das Kind auf eigenen Sohlen zu laufen, also barfuß. Oder – zum Beispiel bei kalten Fußböden in der Wohnung – auf Socken oder in biegsamen Hausschuhen, die gegen das Rutschen mit Gumminoppen ausgerüstet sind.

„Beim Barfußlaufen erschließt sich dem Kind eine neue Welt – besonders im Sommer. Es erlebt zum ersten Mal, wie sich Sand, Gras, Kies, warmer oder nasser Boden anfühlt. Es lernt, mit seinem Fuß die unterschiedliche Beschaffenheit des Untergrunds zu ertasten. Das Laufen über Unebenheiten kräftigt die Muskulatur, festigt das Knochengerüst, trainiert die Gleichgewichtsempfindung und macht damit den Gang sicherer“, so Koletzko.

Kinderfüße brauchen Bewegungsfreiheit

Früher glaubte man, man müsse der gesunden Entwicklung des Kinderfußes durch Stützmittel nachhelfen – etwa durch Einlagen, extra feste, hohe Schnürstiefeln oder verlängerte Hinterkappen. „Heute wissen wir, dass derartige Hilfsmittel einen gesunden Kinderfuß nicht fördern, sondern sogar behindern“, sagt der Kinder- und Jugendarzt. „Kinderfüße brauchen Bewegungsfreiheit und eine Belastung, für die das Kind mit seinem natürlichen Bewegungsdrang schon selber sorgt. Kinderschuhe müssen deshalb weich und biegsam sein. Sie dürfen die Füße auf keinen Fall einengen. Nicht der Fuß soll sich dem Schuh anpassen, sondern der Schuh dem Fuß.“

Sind die Schuhe zu kurz und sind ihre Sohlen steif, können sie den Bewegungen des Fußes nicht folgen. Es kommt zur Senkung der Fußmitte und zur Schiefstellung der des großen Zehs. So entstehen Vorfußschäden bereits im Kleinkindesalter, so die Stiftung Kindergesundheit. Passende Schuhe beugen solchen Schäden vor.

Trend: Kinder tragen zu große Schuhe

Frühere Untersuchungen kamen immer wieder zum Ergebnis, dass die Hälfte der Kinder hierzulande in zu kleinen Schuhen herumläuft. Umso überraschender fielen die Ergebnisse des jüngsten „Deutschen Kinderfuß-Reports“ aus. Die Untersuchung der Füße und Schuhe von 10.773 Kindern im Alter zwischen null und 18 Jahren ergab: Heute tragen viele Kinder nicht zu kleine, sondern zu große Schuhe. Über 40 Prozent der Kinder laufen in Schuhen herum, die teilweise um ein bis drei Nummern größer sind als die gemessene Fußgröße.

Dafür kann es laut Stiftung Kindergesundheit mehrere Erklärungen geben: So könnte die jahrelange Diskussion über zu kleine Kinderschuhe nun gefruchtet haben und viele Eltern achten darauf, dass ihre Kinder nicht in zu kleinen Schuhen herumlaufen. Eine weitere Rolle dürfte auch der oft hohe Preis guter Kinderschuhe spielen: Während früher mehr Eltern versucht haben, ein Paar Kinderschuhe einzusparen, indem sie die Kinder eine Weile mit zu kleinen Schuhen herumlaufen ließen, versuchen viele Eltern heute eine Schuhgröße zu sparen, indem sie zu große Schuhe kaufen.

So finden Sie den richtigen Schuh für Ihr Kind

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt Eltern beim Schuhkauf folgende Punkte zu beachten:
  • Lassen Sie Ihr Kind Schuhe beim Kauf immer anprobieren. Fachkundige Beratung funktioniert im Geschäft besser als bei Bestellung im Internet.
  • Die Länge muss stimmen: Durch Drücken auf die Schuhspitze – die sogenannte Daumenprobe – lässt sich das nicht genau feststellen. Basteln Sie deshalb für den Kauf am besten einen Fußabdruck: Zeichnen Sie den Kinderfuß auf Pappe nach und geben Sie beim Ausschneiden etwa zwölf Millimeter Länge hinzu. Passt diese Attrappe in den Schuh, hat er die richtige Länge.
  • Auch die Weite muss stimmen: In guten Schuhgeschäften lässt sich mit dem WMS-System (Weit-Mittel-Schmal) messen, ob die Füße des Kindes breit, mittel oder schmal sind.
  • Ihr Kind sollte die Schuhe am Nachmittag probieren, wenn die Füße durch das Laufen und Stehen etwas angeschwollen sind. Die Gefahr, zu kleine Schuhe zu erwischen, wird dadurch geringer.

Wie oft braucht ein Kind neue Schuhe?

Da Kinderfüße oft in Schüben wachsen, sollten Sie alle zwei bis drei Monate überprüfen, ob die Schuhe noch passen. Im Alter von zwei bis vier Jahren wachsen die Füße zwei bis drei Schuhlängen im Jahr. Bekommt ein Kleinkind nur einmal im Jahr neue Schuhe, trägt es die meiste Zeit zu kleine Schuhe. Auf die Angaben des Kindes ist kein Verlass: Weil sie so weich sind, lassen sich Kinderfüße auch in Schuhe zwängen, die im Extremfall bis zu fünf Nummern zu klein sind. Dadurch werden die Zehen zu Fehlstellungen gezwungen, die Füße und Beine dauerhaft schädigen können.  

Gegen die Weitergabe wenig getragener Kinderschuhe ist laut der Stiftung Kindergesundheit nichts einzuwenden. Die „vererbten“ Schuhe müssen jedoch lang genug sein und sollten nicht verformt oder einseitig abgelaufen sein.

Auffällige Füße: harmlos oder Grund zur Sorge?

Die flache Fußform der Säuglinge hat mit einem Plattfuß nichts zu tun. Babyfüße haben zwar eine etwas flachere Wölbung, da sich das Fußgewölbe erst mit dem Laufenlernen richtig entwickelt. Sie sehen jedoch vor allem deshalb so flach aus, weil ein dickes Fettpolster die Knochen verdeckt. Es schützt die Füße des Babys vor Auskühlung, aber auch vor Überbelastung. Ein echter Plattfuß – auch als Schaukelfuß oder Tintenlöscherfuß bezeichnet – ist dagegen extrem selten.

Manche Kinder kommen mit einem oder zwei Sichelfüßen zur Welt. Dabei sind die Zehen nach innen gerichtet. Eine Behandlung ist meist unnötig oder es reicht eine leichte Fußmassage zur „Redression“ aus: Dabei wird der Fußaußenrand täglich ein paar Mal sanft gestreichelt. Ebenfalls harmlos ist der Hackenfuß – dabei zeigt der Vorfuß steil nach oben. Er verschwindet fast immer von allein. Eine echte Fehlhaltung ist dagegen der Klumpfuß. Er kommt dreimal unter tausend Babys vor – bei Jungen doppelt so häufig wie bei Mädchen – und er lässt sich manuell nicht korrigieren.

Der wichtigste erworbene Fußschaden ist der Spreizfuß. Er kommt mit zunehmendem Alter immer häufiger vor. Der Spreizfuß entsteht durch Einengung oder anhaltende Stauchung der Zehen in zu kleinen oder zu weiten Schuhen. Eine besondere Form dieses Fußfehlers sind die Schiefzehen, aber auch die Krallen- und Hammerzehen. Die Neigung dazu kann übrigens auch erblich sein: Spreizfuß und Schiefzehe kommen in bestimmten Familien häufiger vor als in anderen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit: Kleine Kinder gut zu Fuß
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