Bluthochdruck bei Kindern

Auch immer mehr Kinder leiden mittlerweile an Bluthochdruck. Woran das liegt, wie der Hochdruck sich äußert und wie er behandelt wird.

Ärztin misst bei Kind den Blutdruck © iStock
(München – 04.10.2017) Hoher Blutdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung der Arteriosklerose und ihrer gefährlichen Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen sowie für das Entstehen eines chronischen Nierenversagens. Das Tückische am Bluthochdruck – medizinisch Hypertonie – ist, dass er oft lange Zeit keine Beschwerden bereitet und deshalb häufig viel zu spät erkannt und behandelt wird.

Hoher Blutdruck kommt laut der Stiftung Kindergesundheit heute auch bei Kindern immer häufiger vor. Schuld an dieser Entwicklung sind vor allem Übergewicht, Bewegungsmangel und offenbar auch die intensive Nutzung des Internets. „Früher galt eine Hypertonie im Kindesalter als eine seltene Erkrankung“, sagt die Kinder- und Jugendärztin PD Dr. Bärbel Lange-Sperandio. „Am ehesten betroffen waren Kinder mit angeborenen Erkrankungen der Nieren, des Herzens und der Blutgefäße. Daneben gab es seltenere Fälle, bei denen die Ursache Störungen des Hormonhaushalts oder eine familiäre Belastung war. Seit einiger Zeit wird jedoch auch bei Kindern, die nicht unter derartigen organischen Erkrankungen leiden, immer öfter ein erhöhter Blutdruck diagnostiziert. Die Erklärung liefert dann die Waage: Die meisten dieser Kinder sind zu dick“, so die Leiterin der Abteilung für Pädiatrische Nephrologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München.

Woran man Bluthochdruck erkennt

Die frühzeitige Diagnose des Bluthochdrucks ist schon bei Erwachsenen ein großes Problem und bei Kindern erst recht, so die Expertin der Stiftung Kindergesundheit. Der hohe Blutdruck verursacht im Anfangsstadium kaum Beschwerden und besonders im Kindesalter fehlen die Symptome manchmal völlig. „Die Hypertonie tut nicht weh. Das Kind fühlt sich nicht krank und macht auch keinen kranken Eindruck“, erklärt Lange-Sperandio. „Deshalb bleibt selbst ein massiv erhöhter Blutdruck eines Kindes häufig über lange Zeit unbemerkt. Nur selten geben Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten, Ohrgeräusche (Tinnitus), schnelle Ermüdbarkeit oder Schlafstörungen dem Kinder- und Jugendarzt einen Hinweis auf den bestehenden Hochdruck.“

Studien haben gezeigt, dass die Höhe des Blutdrucks in Kindheit und Jugend die Entwicklung von Bluthochdruck im Erwachsenenalter maßgeblich beeinflusst. Bei längerem Bestehen kann die Hypertonie Gefäße und Organe des Kindes schädigen. Wird sie nicht behandelt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, schon im jungen Erwachsenenalter an Herz oder Nieren zu erkranken oder einen Schlaganfall zu erleiden. Die „European Society of Hypertension“ (ESH) empfiehlt deshalb, dass Kinderärzte und Hausärzte den Blutdruck ab dem dritten Lebensjahr bei allen Kindern und Jugendlichen regelmäßig kontrollieren sollten.

Bei besonders gefährdeten Kindern sollte der Blutdruck noch häufiger gemessen werden, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Dazu zählen Kinder
  • mit Übergewicht
  • mit einem erhöhten Blutfettspiegel
  • in deren Familie hoher Blutdruck gehäuft vorkommt oder
  • deren Eltern schon vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt oder vor dem 70. Lebensjahr einen Hirnschlag erlitten haben

So wird der Blutdruck bei Kindern gemessen

Am gebräuchlichsten ist die Messung mit einer aufblasbaren Gummimanschette am Oberarm, bei kleineren Kindern auch am Unterschenkel. „Leider lässt sich der richtige Blutdruck bei Kindern wesentlich schwieriger ermitteln als bei Erwachsenen“, erklärt die Kinder- und Jugendärztin. „Umfang und Länge der Oberarme sind bei Kindern unterschiedlich und der Kinder- und Jugendarzt muss verschieden breite Druckmanschetten benutzen. Bei unruhigen und schreienden Kindern fallen die Messwerte oft zu hoch aus. Deshalb braucht der Arzt viel Geduld und meistens auch die Hilfe der Eltern. Bei einem verdächtigen Befund muss die Messung mehrere Male wiederholt werden.“

So wird der hohe Blutdruck behandelt

An erster Stelle stehen Maßnahmen zur Veränderung des Lebensstils – vor allem eine Verringerung des Übergewichts. Die wichtigsten Empfehlungen zur Umstellung der Ernährung lauten: Getränke, Brot, Getreide und Getreideflocken, Kartoffeln, Reis, Gemüse und Obst sollten betroffene Kinder reichlich zu sich nehmen, Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst sowie Fisch und Eier mäßig, Öle und Fette sowie Salz nur sparsam. Getränke mit hohem Zuckergehalt wie Limonaden und Colagetränke, Energydrinks, aber auch unverdünnte Fruchtsäfte sollten sie meiden – und Leitungswasser bevorzugen.

„Besonders wichtig ist auch eine Verbesserung der körperlichen und seelischen Kondition der Kinder und Jugendlichen durch intensive, tägliche Bewegung – mindestens 60 Minuten am Tag“, sagt Lange-Sperandio. Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland mittlerweile nur noch 27,5 Prozent – also nur etwas mehr als ein Viertel – der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten körperlich aktiv. Durch zu wenig Bewegung steigt aber das Risiko für Fettsucht (Adipositas) und Bluthochdruck. Eine Studie mit 5.221 Kindern zeigte: Kinder, die sich weniger als 60 Minuten am Tag bewegt hatten, entwickelten zu 53 Prozent häufiger einen erhöhten Blutdruck.

Für die Behandlung des hohen Blutdrucks steht außerdem eine Reihe von Medikamenten – sogenannte Antihypertensiva – zur Verfügung, die prinzipiell auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden können. Die meisten Medikamente gegen Bluthochdruck sind gut verträglich und bei Kindern und Jugendlichen ebenso effektiv wie bei Erwachsenen. Es ist allerdings meist notwendig, die Mittel auf Dauer und sehr zuverlässig einzunehmen. Mit der notwendigen Therapietreue hapert es jedoch oft bei Erwachsenen wie bei Kindern.

Weiteres Problem: die intensive Medien- und Internetnutzung

Als weiteren Übeltäter für Übergewicht und Bluthochdruck haben internationale Studien die intensive Nutzung von Bildschirmmedien und des Internets ausgemacht. Sie hat nachweisliche Auswirkungen auf das Körpergewicht der Kinder, so Prof. Dr. Wolfgang Ahrens vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie Bremen. Die von seinem Institut koordinierte IDEFICS-Studie untersuchte bei über 11.000 Kindern in acht europäischen Ländern die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Lebensstil und sozialen Determinanten und der Entwicklung von Übergewicht bei zwei- bis neunjährigen Kindern. Das Ergebnis: Mit jeder zusätzlichen Stunde, die ein Kind am Tag vor dem Fernseher verbrachte, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit um 22 Prozent, zur Gruppe mit Übergewicht zu gehören. Diese Gefahr wuchs um 33 Prozent, wenn das Fernsehgerät im Kinderzimmer stand, und um 22 Prozent, wenn auch während des Essens ferngesehen wurde.

Den Einfluss von Smartphones auf Übergewicht und Blutdruck nahmen Gesundheitsforscher in Detroit (US-Bundestaat Michigan) unter die Lupe. Dr. Andrea Cassidy-Bushrow und ihre Kollegen befragten 335 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren nach ihrer Internetnutzung und setzten die Angaben anschließend mit den Blutdruckwerten in Beziehung. Die Fragen betrafen unter anderen das Versenden von Mails, den Besuch von Webseiten, das Herunterladen von Software, das Einkaufen, das Spielen mit Games, aber auch das Erledigen von Hausaufgaben. Ein intensiver Internetkonsum (heavy Internet use) war definiert als eine Nutzung von mehr als zwei Stunden am Tag. Als moderat galten weniger als zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen in der Woche und als leichte Nutzung wurden weniger als zwei Stunden am Tag an weniger als vier Tagen angesehen. Als „schwere“ User stellten sich 134 Jugendliche heraus. Unter ihnen fanden sich 26 Probanden mit einem für ihr Alter zu hohem Blutdruck. Bluthochdruck trat in dieser Gruppe 3,25-mal häufiger auf als bei Teenagern mit einer leichteren Mediennutzung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.10.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Stiftung Kindergesundheit: Bluthochdruck bei Kindern – die unterschätzte Gefahr
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