Schwanger und „dement“?

Viele Schwangere klagen darüber, vergesslicher und verwirrter zu sein. Doch gibt es „Schwangerschaftsdemenz“ wirklich? Das wurde jetzt untersucht.

Schwangere Frau denkt über etwas nach © iStock
(Stuttgart – 26.05.2017) Entgegen einer weitverbreiteten Annahme nehmen im Verlauf der Schwangerschaft die kognitiven Fähigkeiten nicht ab. Erst in den ersten Wochen nach der Geburt fällt vielen Frauen das Denken schwerer, zeigt eine aktuelle Studie.

Viele Schwangere klagen über Vergesslichkeit

Viele Frauen klagen in der Schwangerschaft über zunehmende Vergesslichkeit, Verwirrtheit oder Wortfindungsstörungen – oft als „Schwangerschaftsdemenz“ bezeichnet. Im Englischen spricht man von „pregnancy brain” oder „placenta brain”. Lynn Yee von der Feinberg School of Medicine in Chicago und ihr Team wollten herausfinden, ob Schwangere deshalb schlechter in der Lage sind, gesundheitsrelevante Entscheidungen für sich und ihr Baby zu treffen.

Lesefähigkeit, Gedächtnis und Denkgeschwindigkeit getestet

77 Schwangere und 24 Wöchnerinnen – also Frauen in den ersten Wochen nach der Geburt – nahmen an der Studie teil. In kognitiven Tests überprüften die Wissenschaftler ihre Lesefähigkeit, ihr Arbeits- und Langzeitgedächtnis, ihre Denkgeschwindigkeit sowie ihre Fähigkeit, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ihr Ergebnis: Bei der Denkgeschwindigkeit ließ die Fähigkeit mit fortgeschrittener Schwangerschaft tatsächlich nach. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant, sodass ein Zufall nicht auszuschließen ist. Auch bei allen weiteren Tests konnten keine Unterschiede abhängig vom Schwangerschaftstrimester festgestellt werden. Die Existenz einer „Schwangerschaftsdemenz“ konnte Yee deshalb nicht belegen.

Nach der Geburt schlechtere kognitive Fähigkeiten

Nach der Entbindung kam es jedoch zu einem Einbruch der kognitiven Fähigkeiten. Fast die Hälfte der Frauen erzielte im Test zur Denkgeschwindigkeit ein niedriges Ergebnis. Und auch beim Test zum schlussfolgernden Denken schnitten viele Wöchnerinnen gegenüber den Schwangeren schlechter ab. Yee vermutet, dass die kognitiven Defizite eine Folge der Erschöpfung infolge der Geburt und des Schlafmangels danach sind. Auch Stimmungsschwankungen und fehlende soziale Unterstützung könnten ihrer Ansicht nach eine Rolle spielen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung von Thieme: Studie: „Schwangerschaftsdemenz“ beginnt erst im Wochenbett
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