Kurze Bewusstlosigkeit

Ohnmachtsanfälle, sogenannte Synkopen, sind nicht selten und oft harmlos – aber beängstigend. Häufig sind Kinder oder Ältere betroffen. Was dann zu tun ist.

Mann hilft Mädchen nach einem Ohnmachtsanfall © iStock
(Frankfurt am Main – 21.04.2017) Es beginnt mit Schwindel, Schwächegefühl oder Benommenheit – und plötzlich schwinden Kraft und Sinne: Jeder Dritte erlebt im Laufe seines Lebens eine Synkope. Häufig sind Kinder betroffen. Für Eltern sind die kurzen Momente der Bewusstlosigkeit, die im Volksmund oft Ohnmachtsanfälle genannt werden, meist beängstigend – dabei ist ein Großteil der Synkopen bei Kindern harmlos. In einigen Fällen steckt allerdings eine Organstörung hinter der Bewusstlosigkeit. Wie Eltern im Ernstfall handeln und wann die Vorfälle beim Arzt abgeklärt werden sollten.

Häufiger Auslöser: langes Stehen und Flüssigkeitsmangel

Eine Synkope entsteht, wenn das Gehirn kurzzeitig schlecht durchblutet wird. Es kommt zu Bewusstseinsverlust und einem akuten Verlust der Muskelspannung. „40 Prozent aller Synkopen im Laufe des Lebens ereignen sich vor dem 18. Lebensjahr – vorzugsweise bei Jugendlichen mit durchschnittlich zwölf Jahren“, sagt der Kinderkardiologe Prof. Dr. Herbert E. Ulmer vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Bei Kindern und Jugendlichen ist in der Mehrzahl der Fälle eine harmlose Herz-Kreislauf-Störung die Ursache. Auslöser sind häufig langes Stehen in Menschenansammlungen – oft auch in Verbindung mit Flüssigkeits- oder Schlafmangel. Meist dauert die Bewusstlosigkeit nur wenige Minuten, gelegentlich wird sie von Krämpfen begleitet. Kehrt das Bewusstsein zurück, sind die Betroffenen noch kurz benommen, erholen sich aber meist wieder schnell.

Auch ältere Menschen öfter betroffen

Der zweite Gipfel des Auftretens von Synkopen liegt bei älteren Erwachsenen über 65 Jahren. Ursachen und Mechanismen unterscheiden sich in den beiden Gruppen jedoch ganz erheblich. Die Prognose ist bei jugendlichen Betroffenen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – deutlich besser als bei den älteren Patienten. „Für Synkopen in jedem Lebensalter gilt, dass das Ereignis selbst – so dramatisch es auch ablaufen mag – keine eigenständige Krankheit, sondern ein wichtiges Symptom ist, das auf vielfältige unterschiedliche Grunderkrankungen oder verschiedene Funktionsstörungen hinweisen, die der Abklärung durch einen Arzt bedarf“, sagt Ulmer. Grunderkrankungen, bei denen Synkopen als Symptom auftreten, können zum Beispiel ein angeborener Herzfehler, eine erworbene Herzkrankheit wie Herzrhythmusstörungen oder eine neurologische Erkrankung wie Epilepsie sein. Bei den Funktionsstörungen handelt es sich um Fehlregulationen des Kreislaufs, bei denen der Körper nicht angemessen auf Außenreize wie Hitze oder langes Stehen reagieren kann.

Bei welchen Anzeichen Sie den Notarzt rufen sollten

In seltenen Fällen treten zusätzlich zur Bewusstlosigkeit anhaltende Krämpfe, Atemnot oder ein zu schneller oder zu langsamer Herzschlag auf. In diesen Fällen sollten Eltern oder andere Anwesende sofort mit der Notrufnummer 112 den Notarzt rufen – und entsprechende Notfallmaßnahmen einleiten. Auch wenn die Bewusstlosigkeit während körperlicher Belastung oder im Schlaf auftritt, einen Sturz verursacht oder nach mehr als zwei Minuten das Bewusstsein nicht wiederhergestellt ist, sollte sofort ein Notarzt informiert werden. Bei einem bekannten Herzfehler des Betroffenen oder wiederholtem Auftreten ist ebenfalls notärztliche Hilfe erforderlich.

Wie Sie bei einem Kreislaufkollaps helfen können

Bahnt sich der „Kreislaufkollaps“ an oder ist er schon eingetreten, sind folgende Maßnahmen wichtig: 
  • Vermeiden Sie – falls möglich –, dass der Betroffene stürzt und legen Sie ihn flach auf den Rücken.
  • Prüfen Sie Atmung und Herzschlag.
  • Bringen Sie den Betroffenen nur bei andauernder Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage.
  • Heben Sie die Beine gestreckt über Herzniveau an.
  • Führen Sie eine Wiederbelebung nur bei Herzstillstand durch.
  • Lockern Sie einengende Kleidung und sorgen Sie für frische Luft.
  • Geben Sie dem Betroffenen akut nichts zu trinken und keine Medikamente.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.04.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung: Synkopen bei Kindern: Plötzlich bewusstlos – was tun?
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung