Trend Baby-led Weaning

Beim Baby-led Weaning sollen Babys ohne Brei an feste Kost herangeführt werden – sozusagen durch „Fingerfood“. Kinderärzte warnen jedoch vor dem Trend.

Baby isst eine Karotte © iStock
(Köln – 05.04.2017) Baby-led Weaning – also vom Baby gesteuertes allmähliches Abstillen – heißt ein neuer Trend unter Eltern. Der Säugling wird nicht wie bisher mit Brei und Babynahrung aus dem Gläschen gefüttert, sondern greift zu in Stücke geschnittenen Lebensmitteln, die er sich selbst vom Familientisch nimmt und in den Mund führt. Der „stressfreie Beikostweg“, wie ihn viele Hebammen derzeit empfehlen, soll Vorteile für die langfristige Entwicklung eines gesunden Essverhaltens haben. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät jedoch vom Baby-led Weaning ab.

Baby-led Weaning kann dazu führen, dass das Kind nicht satt wird

„Wenn im zweiten Lebenshalbjahr der Energie- und Nährstoffbedarf des Säuglings steigt, reicht Muttermilch oder Säuglingsmilch allein nicht mehr aus. Die Milch muss durch feste Lebensmittel ergänzt werden. Damit beginnt die Beikostzeit. Den Säugling dabei liebevoll zu begleiten, sich Zeit für die Mahlzeiten zu nehmen, die Signale des Kindes wahrzunehmen, richtig zu interpretieren und angemessen zu beantworten – all das fördert ein gesundes Essverhalten und ist wünschenswert. Ebenfalls wünschenswert ist, dass das Kind lernt, Lebensmittel eigenständig zum Mund zu führen und einen Becher zu halten“, sagt Dr. Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. „Für eine gute Versorgung ist aber auch ein ausgewogenes Nahrungsmittelangebot wichtig. Dieses kann bei Säuglingen, die ‚von der Hand in den Mund‘ leben, auf der Strecke bleiben. So kann es zum Beispiel sein, dass das Kind nicht genug Eisen aufnimmt. Denn die Eisenspeicher der Babys sind schon kurze Zeit nach dem Abstillen praktisch leer. Wenn das Kind dann nur an einem Stück Fleisch saugt, bekommt es kaum Eisen. Außerdem kann es sein, dass ein motorisch ungeschicktes Kind bei dem Fingerfood-Konzept nicht richtig satt wird – oder dass es sich an einem Stück Gemüse oder Obst verschluckt.“

Eltern sollten sich an bewährtem Ernährungsplan orientieren

Eltern sollten sich in der Beikost laut des Experten deshalb weiterhin an dem bewährten und sicheren Ernährungsplan orientieren, wie ihn etwa das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfiehlt. Unter dem Schutz der Muttermilch sollen demnach ab Beginn des fünften Monats nach und nach zunächst Brei, dann neue Nahrungsmittel wie Getreide, Gemüse, Obst und Fleisch eingeführt werden. Das Risiko, eine Allergie zu entwickeln oder eine Zöliakie zu bekommen, bei der man das in verschiedenen Getreidesorten enthaltene Klebereiweiß Gluten nicht verträgt, lässt sich dadurch senken.

Diese Form der Ernährung schließt „Fingerfood“ nicht aus: „Eltern können ihrem Kind zusätzlich zur Beikost Brot, Gemüse oder Obst in Stückchen anbieten, sobald es sie kauen kann – so kann es Lebensmittel mit allen Sinnen erfahren und spielerisch entdecken. Und ab dem zehnten Lebensmonat sollten Eltern dazu übergehen, das Kind an den Familienmahlzeiten teilnehmen zu lassen. Wenn es dabei noch die Hilfe der Eltern braucht, können sie es dabei ruhig noch füttern“, so der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.04.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (www.kinderaerzte-im-netz.de): Kinder- und Jugendärzte: Baby-led Weaning kann schaden!
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung
  • afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2015/11: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über vitapublic GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.vitanet.de
  • Logo der Health On the Net Stiftung. das Gesundheitsportal vitanet.de ist von der Health On the Net Stiftung (HON) akkrediert. Zur Prüfung klicken Sie hier.
  • Logo der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW)
  • Logo der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.v. (AGOF)