Vergiftung – was tun?

Ein kurzer Blick aufs Handy und schon hat das Kind das Reinigungsmittel in der Hand. Wie Eltern bei einer Vergiftung handeln sollten.

Kleines Kind nimmt Reinigungsmittel aus dem Schrank © iStock
(München – 09.03.2017) In den meisten Familien wird großer Wert auf Sauberkeit gelegt. Damit es überall blitzt und blinkt, werden hierzulande allein für den Kauf von Haushaltsprodukten zum Waschen, Pflegen und Reinigen jedes Jahr rund vier Milliarden Euro ausgegeben. Für kleine Kinder birgt die blitzeblanke Wohnung allerdings auch gesundheitliche Gefahren, warnt die Stiftung Kindergesundheit: Jedes Jahr müssen etwa 20.000 Kinder wegen Vergiftungen oder Verätzungen medizinisch behandelt werden. Betroffen sind vor allem Kleinstkinder im Alter von zehn Monaten bis zu zwei Jahren. Als Ursache solcher Unfälle haben Haushaltschemikalien mittlerweile Medikamente überholt.

Besonders gefährliche Substanzen für Kinder

Als besonders gefährliche Substanzen gelten nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) folgende Produkte: Abbeizer, Abflussreiniger, Ammoniakzubereitungen, Backofen- und Grillreiniger, Benzin, Chemikalien, Entkalker, Essigessenz, Lampenöle, flüssige Grillanzünder, Methanol, methanolhaltige Brennstoffe für Heizkamine, Brennstoffzellen, Puder, Rohrreiniger, Schädlingsbekämpfungsmittel (zum Beispiel Wühlmausgifte), Unkrautvernichter, Kühlerfrostschutz, Bremsflüssigkeit sowie Steinreiniger. Auch verschluckte Knopfzellenbatterien sind gefährlich. Von neuen Produkten kann ebenfalls Gefahr ausgehen: Die bunten, glänzenden Flüssigwaschmittel – „Liquid Caps“ genannt – werden von Kindern oft mit Süßigkeiten verwechselt. Sie können schon in kleinen Mengen zu Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot führen.

Welche Vergiftungen am häufigsten vorkommen, ist von Alter zu Alter verschieden: In der Zeit, in der Kinder laufen lernen, sind Vergiftungen mit Zigaretten besonders häufig. Danach geht die Hauptgefahr von Haushaltschemikalien aus, die häufig in Bodennähe – zum Beispiel in Unterschränken – gelagert werden. Wenn Kinder dann auch noch lernen, auf Stühle und Bänke klettern können, gibt es noch mehr Vergiftungsmöglichkeiten. Im dritten und vierten Lebensjahr spielen Medikamente die wichtigste Rolle. Mit zunehmender Selbständigkeit des Kindes nach dem vierten Lebensjahr steigt die Zahl der Vergiftungen durch Pflanzen an.

Das Kind nicht erbrechen lassen

Wenn ein Kind in einem unbeaufsichtigten Augenblick eines der riskanten Produkte zu sich genommen hat, sollten Sie sofort versuchen, seinen Mund mit Wasser auszuspülen, um die Reste aus dem Mund zu entfernen. Geben Sie dem Kind außerdem sofort viel zu trinken – am besten ein Glas Leitungswasser, Tee oder Saft. Damit wird das Gift zumindest stark verdünnt. Wichtig: Keine Milch geben – sie beschleunigt unter Umständen die Giftaufnahme durch den Darm.

Kinder, die Haushaltchemikalien zu sich genommen haben, sollten auf keinen Fall zum Erbrechen gebracht werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass der dabei entstehende Schaum in die Lungen gerät und zu einer chemischen Lungenentzündung führt.

Mit dem Giftnotruf nicht zögern

Selbst beim leisesten Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollte man auf keinen Fall erst auf eventuelle Anzeichen einer Vergiftung warten, sondern sofort handeln. Das heißt: Sich so schnell wie möglich mit einem Arzt oder mit einer der Giftinformationszentren in Verbindung setzen. Diese können meist sofort sagen, ob eine akute Gefahr besteht und was gegebenenfalls zu unternehmen ist. Sie geben auch Auskunft darüber, ob ein Arzt- oder Krankenhausbesuch notwendig ist.

Die deutschen, österreichischen und schweizerischen Giftnotrufzentren sind unter folgenden Telefonnummern erreichbar:
  • Berlin: 030/19240
  • Bonn: 0228/19240
  • Erfurt: 0361/730730
  • Freiburg: 0761/19240
  • Göttingen: 0551/19240
  • Homburg/Saar: 06841/19240
  • Mainz: 06131/19240
  • München: 089/19240
  • Wien: +43/1/4064343
  • Zürich: +41/44/2515151

Auf Augenhöhe des Kindes begeben

Damit es erst gar nicht zu einem Vergiftungsunfall kommt, sollten Medikamente für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden – am besten in einem abschließbaren Schrank. Das gilt auch für die Antibabypille: Sie sollte nicht offen auf dem Nachttisch oder auf der Ablage im Badezimmer herumliegen. Zudem sollten Medikamente im Beisein von Kleinkindern niemals als Bonbons oder Fruchtsaft erklärt oder als wohlschmeckend bezeichnet werden.  

Auch Putz- und Reinigungsmittel sollten Eltern immer außer Reichweite von Kindern aufbewahren – und am besten wegschließen. Außerdem sollten Haushaltschemikalien nicht im selben Schrank oder Regal wie Lebensmittel aufbewahrt werden. Als besonders riskant erweist sich immer wieder das Umfüllen von Chemikalien in Getränkeflaschen oder Lebensmittelbehälter.  

Die Stiftung Kindergesundheit verweist auf eine praktische Empfehlung der Spezialisten beim Giftnotruf Berlin: „Wenn Ihr Kind mobil wird, begeben Sie sich einmal in gleicher Höhe wie Ihr Kind auf eine Entdeckungsreise durch Ihre Wohnung: Sie werden erstaunt sein, was plötzlich alles in Reichweite Ihres Kindes ist.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.03.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit: Giftalarm in der Küche
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