Hilfe bei Kopfläusen

Läuse sind vor allem bei Kindern keine Seltenheit – und kein Zeichen mangelnder Hygiene. Doch wie wird man die Plagegeister wieder los?

Bei einem Kind werden Läuse ausgekämmt © iStock
(München – 27.02.2017) Läusealarm gibt es in Kindergärten und Schulen oft: Der Befall mit Kopfläusen ist die häufigste Parasitenerkrankung im Kindesalter und nach den Atemwegsinfektionen die zweithäufigste Infektionskrankheit in der Alterstufe der Sieben- bis Elfjährigen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

„Die winzigen Parasiten sind seit Jahrtausenden treue Begleiter des Menschen“, sagt Prof. Dr. Johannes Liese, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Kindergesundheit. „Wenn Kinder beim Lernen, Kuscheln oder Spielen die Köpfe zusammenstecken, ergreifen die zwei bis dreieinhalb Millimeter langen Parasiten die Gelegenheit, von Schopf zu Schopf zu kriechen. In langen Haaren können sie sich besonders gut verstecken.“

Bei Kleinepidemien in Kitas und Schulen ist in aller Regel fast jedes dritte Kind in der Gruppe oder in der Klasse betroffen. Mangelnde Hygiene ist dabei nicht schuld am Läusebefall: „Läuse sind zwar unappetitlich, jedoch kein Beweis für Unsauberkeit: Jedes Kind und jeder Erwachsene kann sich irgendwoher eine Laus einfangen, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche“, sagt der Kinder- und Jugendarzt.

Wo sich Läuse besonders wohl fühlen

Besonders wohl fühlen sich Kopfläuse im Nacken, an der Schläfe und hinter den Ohren, gelegentlich aber auch in den Augenbrauen der Kinder. Bei Erwachsenen verweilen sie auch unter den Achseln und zwischen den Barthaaren. Sie saugen alle zwei bis drei Stunden Blut und können dabei hochrote, oft stark juckende Stichstellen hinterlassen.

Läuse können nicht fliegen und auch nicht springen. „Übertragen werden die sechsbeinigen Plagegeister ausschließlich von Mensch zu Mensch, von Haar zu Haar. Haben die Haare engen Kontakt, findet die Ansteckung in wenigen Augenblicken statt. Besteht der Kontakt längere Zeit – zum Beispiel wenn die Kinder in einem Bett schlafen –, können die Läuse auch mehrfach hin und her wechseln“, so Liese. Die Befürchtung, man könnte auch durch Kopfpolster in Bussen und Bahnen mit Läusen angesteckt werden, ist ebenso grundlos wie die Annahme, dass eine Übertragung durch Haustiere erfolgen kann. Auch Mützen sind höchstens in Einzelfällen eine Ansteckungsquelle: Australische Wissenschaftler fanden bei der Untersuchung der Kopfbedeckungen von 1.000 Kindern keine einzige Laus, während sich in den Haaren dieser Kinder 5.000 Läuse befanden.

Ohne Wirt sterben Läuse innerhalb von zwei bis drei Tagen

Der Lebenszyklus der Kopflaus verläuft in drei Stadien: Ei, Larve beziehungsweise Nymphe (ein bis zwei Millimeter groß) und erwachsene (adulte) Laus. Erwachsene Läuse leben zwischen drei und vier Wochen. Die befruchteten Weibchen produzieren in dieser Zeit bis zu 140 Eier. Die Eier werden mit einer wasserunlöslichen Substanz in einem schrägen Winkel nah am Haaransatz an ein Haar gekittet. Nach dem Schlüpfen der Nymphen können die leeren sichtbaren Eihüllen – die sogenannten Nissen – noch monatelang im Haar verbleiben. Getrennt vom ihrem menschlichen Wirt sterben Kopfläuse innerhalb von zwei bis drei Tagen – bereits nach wenigen Stunden sind sie nicht mehr infektiös.

Mit der Leselupe auf Nissensuche

Läuse benötigen alle drei bis vier Stunden Blut. Die Stichstellen der Läuse jucken meist stark, das Kind kratzt sich deshalb oft intensiv am Kopf – jedoch nicht immer: Haben sich nur wenige Läuse auf dem Kopf eingenistet, werden die Eltern oft nur durch die weißlichen Nissen auf den Befall aufmerksam. Nissen unterscheiden sich von Kopfschuppen oder Haarspraypartikeln dadurch, dass sie fest am Haar haften und nicht abgestreift werden können. Beim Nachsehen sollte das Strich für Strich gescheitelte Haar genau untersucht werden. Eine Leselupe kann dabei sehr nützlich sein.

Zum Auffinden der Läuse muss das Haar systematisch Strähne für Strähne gekämmt werden. Führen Sie den Kamm dabei so, dass er von der Kopfhaut aus fest zu den Haarspitzen heruntergezogen wird. Besonders geeignet, um die Läuse oder Nissen zu erfassen, sind spezielle Läusekämme, deren lange Zinken nicht mehr als 0,2 bis 0,3 Millimeter voneinander entfernt sind. Nach jedem Kämmen sollte der Kamm sorgfältig nach Läusen untersucht und diese entfernt werden.

Kombination aus Insektizid und nassem Auskämmen

Leider ist es oft nicht einfach, die lästigen Tierchen wieder loszuwerden. Mit häufigem Waschen der Haare allein ist das jedenfalls nicht zu schaffen: Durch das Waschen der Haare werden die Läuse keineswegs beseitigt, sie werden lediglich sauberer. Eine radikale Rasur des Kopfes gilt zwar nach wie vor als die sicherste Läuseentfernung, wird aber von den Kindern und ihren Eltern meist nicht gewünscht und ist in der Regel auch nicht notwendig. Erfolg verspricht nur eine gründliche und geduldige lokale Behandlung. Ziel der Therapie ist es, sowohl geschlechtsreife Läuse als auch ihre Larven wirksam abzutöten. Günstig ist es, wenn auch die Eier erreicht werden, was nicht immer der Fall ist. Das Robert Koch-Institut Berlin empfiehlt dazu die Kombination von nassem Auskämmen und Insektiziden nach folgendem Schema:
  • Tag 1: Mit einem Insektizid behandeln und anschließend nass auskämmen
    Tag 5: Mit einem Läusekamm nass auskämmen, um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind
  • Tag 8, 9 oder 10: Erneut mit dem Insektizid behandeln, um spät geschlüpfte Larven abzutöten
  • Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen
  • Tag 17: Eventuell letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen
Gute Läusekämme sind aus Metall. Sie kosten in Apotheken, Drogerien und Sanitätshäusern zwischen zwei und zwölf Euro. Oft liegen sie auch den Verpackungen von Läusemitteln bei.

Verschiedene Läusemittel – unterschiedliche Vor- und Nachteile

Die als Medikament zugelassenen Läusemittel sind Insektizide, also Insektenvertilgungsmittel. Da sie potentielle Nervengifte sind und außerdem Allergien und Hautirritationen hervorrufen können, muss man sie streng nach Vorschrift anwenden – nicht häufiger als wirklich nötig. Es besteht außerdem das Risiko, dass sich unter den Läusen Resistenzen entwickeln und die Mittel in vielen Fällen nicht mehr wirken.

Nicht chemisch, sondern physikalisch wirken als Medizinprodukt zugelassene Läusemittel, die Dimeticone enthalten. Das sind synthetische Silikonöle. Sie verkleben die winzigen Atemöffnungen der Läuse und töten damit die Insekten ab. Dimeticone gelten als sicher ungiftig, sind jedoch mit einem anderen Risiko behaftet: Sie sind extrem leicht entflammbar. Die Haare müssen deshalb nach dem Auftragen des Mittels von offenen Flammen wie Zigaretten, Gasboilern oder Kerzen und starken Wärmequellen – zum Beispiel einem heißen Haartrockner – unbedingt ferngehalten werden.

Als „natürliche“ Mittel werden Produkte aus Kokosöl, Teebaumöl oder Neem-Extrakten angeboten. Ihre Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen.

Ganz gleich mit welchem Mittel: Babys und kleine Kinder sollten nur unter Anleitung eines Kinder- und Jugendarztes behandelt werden, so die Stiftung Kindergesundheit. In der Schwangerschaft und Stillzeit müssen die Gegenanzeigen der einzelnen Mittel genau beachtet werden.
Die Einrichtung informieren
Eltern sind nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) verpflichtet, der Gemeinschaftseinrichtung, also dem Kindergarten oder der Schule, die ihr Kind besucht, Mitteilung über einen Kopflausbefall zu machen. Auch andere Personen, die in letzter Zeit engen Kontakt mit dem Kind hatten – zum Beispiel Nachbarn oder Sportkameraden – sollten informiert werden. Dies ist wichtig, denn nur so lassen sich eine weitere Verbreitung der Läuse und auch eine Wiederansteckung des eigenen Kindes verhindern. Wird das befallene Kind mit einem der zugelassenen Läusebehandlungsmitteln nach dem obenstehenden Schema behandelt, darf es am Tag darauf wieder in die Kita oder zur Schule, auch wenn die Therapie noch nicht abgeschlossen ist. Es befinden sich dann keine lebenden Läuse mehr in seinen Haaren.

Persönliche Gegenstände reinigen

Damit die Plage nicht nach kurzer Zeit erneut losgeht, sollten zum einen auch die Köpfe der übrigen Familienmitglieder nach Läusen abgesucht werden. Zum anderen sollten die persönlichen Gegenstände der Familie einer Temperatur von über 50 Grad ausgesetzt werden. Das bedeutet: Bürsten, Haarschmuck und Kämme gehören in heißes Wasser. Wäsche, Handtücher und Bettwäsche, aber auch Mützen, Schals und Kopftücher müssen bei 60 Grad gewaschen werden. Größere Reinigungsaktionen in der Wohnung sind dagegen unnötig.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit: Kopfläuse: Was wirklich hilft und nicht schadet
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