Partnerschaft und Schlaf

Stress, Aufregung, Sorgen – all das kann den Schlaf stören. Doch welchen Einfluss haben Liebeskummer, Paarschlaf und der Chronotyp des Partners?

Frau liegt neben ihrem Partner im Bett und kann nicht schlafen © iStock
(Berlin – 02.02.2017) Dass man schlechter schläft, wenn man Liebeskummer hat, wissen die meisten aus eigener Erfahrung. Bei anderen Fragen gibt es dagegen mehr Klärungsbedarf: Schläft man schlechter mit dem Partner im Bett – und leidet sogar die Beziehung darunter? Und welche Rolle spielt der angeborene Chronotyp für die Partnerschaft?

Bessere Beziehung dank gleichem Chronotyp?

Der Schlaf ist entscheidend für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden. Studien belegen aber auch einen Zusammenhang zwischen Schlaf, Paarverhalten und Partnerzufriedenheit, so Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter der Schlafmedizinischen Abteilung am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Es ist der sogenannte Chronotyp, der die Qualität der Beziehung beeinflusst. Festgelegt wird dieser weitgehend durch individuelle Erbanlagen. Man unterscheidet zwischen Frühtypen (Lerchen) und Spättypen (Eulen). Tendenziell sind die Eulen in Mitteleuropa in der Überzahl: Es gibt mehr Spät- als Frühtypen.  

Paare mit ähnlichem Chronotyp zeigten in einzelnen Studien bessere Problemlösefähigkeiten bei partnerschaftlichen Konflikten. Wenn Lerchen und Eulen zusammenleben, haben diese oft weniger Zeit füreinander und auch weniger Sex. Gilt also „Gleich und gleich gesellt sich gern“? „Die Ergebnisse sind nicht eindeutig“, erklärt Schlafforscher Weeß. Maike Bulian von der Universität in Landau ging unter seiner Leitung der Frage nach, ob es sich günstig auf die Zufriedenheit in Partnerschaften auswirkt, wenn Lerchen und Eulen mit hohem Autonomiestreben zusammenleben – unterschiedliche Schlafrhythmen bedeuten schließlich auch mehr Zeit beider Partner für eigene Interessen oder Hobbys.  

Zur Überprüfung der Fragestellungen wurde eine Onlinebefragung durchgeführt, an der 588 Personen teilnahmen. Die Annahme bestätigte sich jedoch nicht: „Ob unterschiedliche oder gleiche Chronotypen in einer Beziehung zusammenleben, entscheidet nach dieser neuen Studie nicht über die Partnerzufriedenheit“, sagt Weeß. „Wenn man nur die Beziehungen betrachtet, in denen beiden Partnern die eigene Autonomie und Unabhängigkeit sehr wichtig ist, war die Partnerzufriedenheit unabhängig davon, ob gleiche oder unterschiedliche Schlaftypen zusammenleben.“

Wie beeinflusst Paarschlaf die Beziehung und den Schlaf?

„Grundsätzlich sagt man Frauen einen schlechteren Schlaf nach, wenn ihr Partner mit ihnen zusammen in einem Zimmer schläft. Evolutionsbiologische Theorien erklären dies mit der Sozialisation von Mann und Frau“, erklärt der Schlafforscher. „Frauen waren in der Evolution stets für die Gruppe zuständig – auch nachts. So bildet die Frau im gemeinsamen Schlafzimmer mit ihrem Mann eine ‚Kleingruppe‘, schläft quasi an ihrem Arbeitsplatz.“ Studien belegen aber auch, dass sich Männer häufiger bewegen, eher schnarchen und so den Schlaf der Frauen weiter beeinträchtigen können.  

Frauen neigen auch viel eher zu Schlafstörungen als Männer. Im Vergleich zum Mann sind sie die schlechteren Verdränger, können sich also in der nächtlichen Bettsituation nicht so gut vom Alltag lösen. „Dies führt zu einer erhöhten psychophysiologischen Anspannung, die den Schlaf verhindert“, sagt Weeß. „Männer hingegen erlebten unter evolutionsbiologischen Gesichtspunkten die Gruppe als Hort der Sicherheit. Schließlich war man beim Jagen in der Gruppe erfolgreicher und auch vor Fressfeinden sicherer. Darüber hinaus sind sie im Vergleich zu Frauen die besseren Verdränger. Alles Faktoren, die den Mann unter Anwesenheit seiner Frau in der Kleingruppenerfahrung im gemeinsamen Schlafzimmer entspannter machen – und Entspannung ist der Königsweg zum erholsamen Schlaf.“

Schlafkiller Liebeskummer

Jetzt ist es auch wissenschaftlich erwiesen – Liebeskummer raubt einem den Schlaf. Eine Studie von Merle Claasen unter der Leitung von Prof. Dr. Angelika Schlarb, Leiterin der Schlafambulanz und des Schlaflabors der Universität Bielefeld, konnte dies belegen. Ziel der Studie war es, den Einfluss von Verliebtheit und Liebeskummer auf Schlafqualität und Träume im Jugendalter zu untersuchen. In einem Onlinefragebogen wurden der Grad der Verliebtheit, des Liebeskummers, die Schlafqualität und die Träume erfasst. Insgesamt wurden 630 Jugendliche – davon 76,2 Prozent weiblich – im Alter von 16 bis 21 Jahren in die Untersuchung eingeschlossen.  

Verliebtheit war nicht generell mit Schlafqualität und Träumen assoziiert. Dennoch berichteten verliebte Jugendliche von mehr Schlafproblemen. Jugendliche, die unter Liebeskummer litten, hatten eine signifikant schlechtere Schlafqualität, mehr negative Träume und mehr Albträume. Außerdem gaben sie an, dass Alpträume mehr Einfluss auf den nächsten Tag hätten. Der Zusammenhang zwischen Liebeskummer und schlechter Schlafqualität sollte laut der Forscher deshalb bei der Behandlung von Schlaflosigkeit im Jugendalter berücksichtigt werden. „Verliebtheit und Liebeskummer sind Schlafräuber. Liebeskummer kann in der Tat zum Albtraum werden“ so Prof. Angelika Schlarb.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Ob Paarschlaf oder Liebeskummer – Das Gefühlsleben beeinflusst unsere Schlafqualität
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