Trauer nach Fehlgeburt

Fehlgeburten sind keine Seltenheit. Doch die Eltern erschüttert dieses Schicksal meist sehr. Dann gibt es unterschiedliche Wege, mit der Trauer umzugehen.

Trauriges Pärchen © iStock
(München – 09.01.2016) Zurück in den Alltag nach einer Fehlgeburt, das kann ein schwieriger Weg sein. Oft begleitet der Verlust einer Schwangerschaft eine Frau ihr Leben lang. Viele Frauen lässt der Vorwurf gegen sich selbst nicht los, sie hätten irgendetwas falsch gemacht und damit den Tod ihres Kindes mitverschuldet. „Es ist völlig richtig und wichtig, dass eine Frau nach dem Verlust eines ungeborenen Babys trauert“, erklärt Dr. Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte. „Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um einen Abort in der frühen Schwangerschaft gehandelt hat oder um eine spätere Fehlgeburt. Immer fühlt die Frau den Verlust eines Lebens, und fast immer wird sie auch in späteren Jahren ab und zu an dieses Kind denken – selbst wenn andere Schwangerschaften glücklicher verlaufen sind.“

Jede dritte Schwangerschaft endet vor der zwölften Woche

Mehr als jede dritte Schwangerschaft überlebt die ersten zwölf Wochen nicht, ohne dass man dafür irgendeinen Grund findet, so der Frauenarzt. Das bedeutet, dass jede dritte Frau, die schwanger wird, das Kind im Lauf der ersten Wochen wieder verlieren wird. „Es hilft, wenn Frauen sich dieser Tatsache und dass es keine Garantie für eine glückliche Geburt gibt, bewusst sind“, so Albring. „Dann wird der Verlust nicht so sehr als persönliches Versagen erlebt, sondern umgekehrt jeder gut gelaufene Tag der Schwangerschaft als Erfolg und Geschenk.“

Es gibt unterschiedliche Wege, mit der Trauer umzugehen

Abhängig vom Naturell der Eltern ist die Trauerbewältigung unterschiedlich. Den einen hilft es, schnell zur Normalität zurückzukehren, indem sie sich mit Arbeit und anderen Aktivitäten ablenkt. Bei Anderen klappt das nicht und führt vielleicht zu einer Verlängerung der Trauerphase: Verdrängen bedeutet dann nicht überwinden – verdrängte Gedanken lassen sich nicht abschütteln und kommen möglicherweise wieder. So sollten beide sich mit dem Verlust befassen und sich innerlich und gegebenenfalls auch durch äußerliche Zeichen von dem Baby verabschieden. Das kann bei einer späten Fehlgeburt auch bedeuten, das winzige Baby zu sehen, es ins Personenstandsregister eintragen zu lassen und ihm einen Ort der Trauer auf einem Friedhof einzurichten. „Viele Friedhöfe bieten spezielle Grabfelder für diese Kinder an“, sagt der Experte.

„Manche Frauen sind vor allem nach langjährigem Kinderwunsch sehr schwer betroffen, lassen sich bodenlos in die Traurigkeit fallen und gehen in der Schwärze einer Depression verloren. Andere Gründe können sein, dass die Frau sich die Schuld für die Fehlgeburt gibt oder dass sie ihr eigenes Leben so sehr an diese eine Schwangerschaft geknüpft hat, dass sie keine Zukunft mehr für sich selbst sieht. Eine Gesprächstherapie kann in dieser Situation nützlich sein, damit die Frau nach ihrem Baby nicht auch noch sich selbst verliert“, so der Frauenarzt. Auch wenn das Umfeld kein Verständnis dafür hat, dass die Frau Zeit und Raum für ihre Trauer braucht und die Frau sich in sich selbst zurückzieht, kann das die depressive Phase verstärken.

Erneute Schwangerschaft frühestens nach drei Monaten

„Über den Verlust des ungeborenen Babys traurig zu sein ist eine ganz normale und sinnvolle Reaktion“, sagt Albring. Sie ermöglicht es, wieder ins eigene Leben zurückzufinden und einen Neustart zu wagen. Idealerweise sollte eine neue Schwangerschaft nicht vor dem Ablauf von drei Monaten eintreten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.01.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte: Fehlgeburten – warum die Trauer so wichtig ist
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