Schwanger mit Zyklus-App?

Wer schwanger werden möchte, kann es mit Zyklus-Apps versuchen. Zur Verhütung sollten jedoch besser andere Methoden eingesetzt werden.

Frau liegt auf dem Bett und schaut auf ihr Smartphone © iStock
(Mainz – 27.09.2016) Zyklus-Apps für Smartphones sollen jungen Frauen helfen, ihre fruchtbaren Tage zu erkennen. Für die Planung einer Schwangerschaft können die Programme nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ebenso wie Zyklus-Computer durchaus hilfreich sein. Frauen, die eine Schwangerschaft verhindern wollen, sollten besser auf bewährte Verhütungsmethoden wie Kondom, Antibabypille, Spirale oder Methoden der natürlichen Familienplanung zurückgreifen, rät die DGE.

Am hilfreichsten sind Hormon-Computer

Zyklus-Computer werden bereits seit den 1980er Jahren angeboten. Einige messen die Temperatur in der Scheide, andere erleichtern die Beurteilung des Zervikalschleims. Selbst die Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit im Speichel oder die Menge an Kohlendioxid in der Atemluft liefern Hinweise für einen bevorstehenden Eisprung. „Die Interpretation der Daten ist für medizinische Laien jedoch schwierig und bei Zyklusunregelmäßigkeiten oder einer unsachgemäßen Bedienung sind die Zyklus-Computer nicht besser als ein normales Fieberthermometer, Bleistift und Kalender“, erklärt Privatdozentin Dr. Vanadin Seifert-Klauss von der Frauenklinik der Technischen Universität München.   

Am besten evaluiert und am hilfreichsten sind nach Ansicht der Expertin noch Hormon-Computer, die mittels Teststreifen den Harn untersuchen. Diese Geräte könnten die fruchtbaren Tage mit hoher Sicherheit erkennen – eine Garantie zur Vermeidung einer Schwangerschaft oder eine Sicherheit, ob der Eisprung stattfindet oder nicht, bieten sie jedoch nicht. „Hormon-Computer werden häufig von Frauen verwendet, die eine Schwangerschaft anstreben“, sagt Dr. Seifert-Klauss. Zur Empfängnisverhütung könnten sie nur Frauen empfohlen werden, deren Zyklus und Lebensweise sehr regelmäßig ist, und die nicht unbedingt – zum Beispiel auch aus medizinischen Gründen – eine Schwangerschaft verhindern müssen.

Zyklus-Computer und –Apps nicht zur Verhütung geeignet

Seit einiger Zeit verdrängen sogenannte Fertility-Apps die Zyklus-Computer vom Markt, berichtet Prof. Dr. Matthias Weber, Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Verkaufszahlen von Google und Apple zeigen, dass solche Anwendungen millionenfach auf Smartphones geladen wurden. Ob sie tatsächlich halten, was sie versprechen, ist nach Einschätzung des Experten völlig unklar. „Die Hersteller geben meistens nicht einmal an, welche Algorithmen sie verwenden“, so Weber. Eine benutzerfreundliche Bedienung und die Werbeversprechen, die Zuverlässigkeit durch die Auswertung der Daten von Millionen von Usern zu erhöhen, überzeugen den Hormonexperten nicht. „Wir brauchen klinische Studien, die uns zeigen, ob die Frauen durch die Anwendung der Apps ihr persönliches Ziel erreichen.“  

Bei einem Kinderwunsch hat Weber keine Einwände gegen die Apps. Das einzige Risiko bestehe ja darin, dass die Frau (vorerst) nicht schwanger werde. Möchte die Frau aber eine Schwangerschaft verhindern, sollte sie nach Ansicht des Experten Weber lieber nicht auf Zyklus-Computer und -Apps zurückgreifen. „Die Sicherheit ist nicht ausreichend gewährleistet“, sagt Weber.

Natürliche Familienplanung

Dr. Seifert-Klauss rät Frauen, die andere Verhütungsmethoden vermeiden wollen, zur symptothermalen Methode, die die Sektion Natürliche Familienplanung (NFP) der Deutschen Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin seit den 1980er-Jahren entwickelt hat. Dabei werden drei Methoden kombiniert: Temperaturmessung, Zervikalschleimuntersuchung und Kalendermethode. „Frauen, die einen Kurs besucht haben, erzielten einen Pearl-Index von 0,4, der der Zuverlässigkeit der Antibabypille nahekommt“, sagt die Expertin, die auch eine Hormonsprechstunde leitet. Inzwischen gibt es auch Apps, die auf den NFP-Regeln basieren. Ob sie allerdings einen Kurs ersetzen können, ist noch offen. Weber ergänzt: „Auch diese Apps müssten sich klinischen Prüfungen stellen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.09.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Hormonexperten informieren: Zyklus-Apps nur bedingt geeignet zur Empfängnisverhütung
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