Stresstest fürs Mutterherz

Eine Schwangerschaft belastet das Herz der werdenden Mutter zusätzlich – manchmal zu sehr. Dann sind Herzschwäche oder Bluthochdruck die Folge.

Schwangere beim Arzt © Thinkstock
(Wiesbaden – 18.02.2016) Eine Schwangerschaft bedeutet für das Herz eine zusätzliche Belastung, der es nicht immer gewachsen ist. Die Zahl der Frauen, die während oder nach der Schwangerschaft eine Herzschwäche oder Bluthochdruck entwickeln, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Ursachen dafür können Übergewicht und höheres Alter der werdenden Mutter sein. Auch bei einer künstlichen Befruchtung steigt das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Eine frühzeitige Diagnose erhöht die Chancen, dass Mutter und Kind die Krise ohne Spätschäden überstehen. Entscheidend ist laut Deutscher Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), dass betroffene Frauen von Spezialisten betreut werden – vor, während und nach der Geburt.

Herzschwäche beginnt schleichend

Eine Herzschwäche in der Schwangerschaft beginnt schleichend. Wenn das Herz nicht in der Lage ist, die vom Körper benötigte Blutmenge zu befördern, fühlen die Frauen sich über das normale Maß hinaus müde und abgeschlagen – es stellt sich zunehmend Atemnot ein, die sich beim Liegen verstärkt. Es kann Herzrasen auftreten und das Gewicht nimmt durch Wassereinlagerungen im Gewebe zu. „Ein Teil dieser Symptome wie die Wassereinlagerungen treten häufig bei Schwangerschaften auf und sind in der Regel unbedenklich“, erklärt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Wichtig sei, dass der behandelnde Arzt im Zuge der Voruntersuchungen Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Übergewicht ermittelt, regelmäßig den Blutdruck der werdenden Mutter kontrolliert und die Patientin gegebenenfalls engmaschig betreut.

Häufigste Ursache ist eine Hochdruckerkrankung

Die häufigste Ursache für eine Herzschwäche ist eine Hochdruckerkrankung, die bei acht Prozent aller Schwangeren auftritt. Wenn sie mit Eiweißverlust über die Niere verbunden ist, liegt eine Präeklampsie vor, die bleibende Schäden beim Ungeborenen verursachen kann. „Eine frühzeitige Entbindung ist dann häufig die einzige Lösung, um die Gesundheit von Mutter und Kind nicht zu gefährden“, sagt Prof. Hasenfuß. Die meisten Frauen erholen sich von der Herzschwäche. Sie haben jedoch im späteren Leben ein drei- bis achtmal höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Nierenversagen zu leiden. „Diese Frauen sollten nach der Entbindung ärztlich weiter betreut werden“, so der Experte. „Die Schwangerschaft ist ein Stresstest für das Herz. Dessen Ergebnis sollte ernst genommen werden.“  

Eine Herzschwäche in der Schwangerschaft kann aber auch auf vorbestehende Erkrankungen hinweisen. „Es ist keineswegs selten, dass während der Schwangerschaft ein angeborener Herzfehler entdeckt wird“, sagt Hasenfuß. Bei anderen Frauen liegen Herzklappendefekte oder andere Herzkrankheiten vor. Für sie kann der Stresstest Schwangerschaft tödlich enden. In einem internationalen Register betrug die Sterberate ein Prozent. „Es kann deshalb ratsam sein, das Kind vor dem Termin per Kaiserschnitt zu holen“, so der Experte.

Zunahme vermutlich durch späte Schwangerschaften

Die Zunahme von Herzschwächen in der Schwangerschaft führen Experten darauf zurück, dass immer mehr Frauen in höherem Alter Kinder bekommen. Weitere Risikofaktoren sind Fettleibigkeit und auch Schwangerschaften, die durch eine künstliche Befruchtung entstanden sind. Manchmal erkranken Schwangere ohne erkennbare Risiken an einer Herzschwäche. Diese peripartale Kardiomyopathie ist selten. Die Zahl der Diagnosen ist jedoch gestiegen, seit die Medizinische Hochschule Hannover ein deutschlandweites Register für die Erkrankung eingerichtet hat. „Wir schätzen, dass eine von 1500 bis 2000 Schwangeren an einer peripartalen Kardiomyopathie erkrankt“, so Hasenfuß. Viele Patientinnen müssen auf einer Intensivstation behandelt werden. Einige Kliniken haben Task Forces aus Kardiologen, Geburtshelfern, Neonatologen, Anästhesisten und Herzchirurgen gegründet, um den Frauen über die Krise hinwegzuhelfen – häufig mit Erfolg. Laut dem Patientenregister erholen sich etwa 85 Prozent von der Herzschwäche.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.02.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: Schwangerschaft als Stresstest für das Mutterherz
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung
  • afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2015/11: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über vitapublic GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.vitanet.de
  • Logo der Health On the Net Stiftung. das Gesundheitsportal vitanet.de ist von der Health On the Net Stiftung (HON) akkrediert. Zur Prüfung klicken Sie hier.
  • Logo der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW)
  • Logo der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.v. (AGOF)