Schwangerschaft und Sport

Schwangerschaft und Entbindung belasten den Beckenboden – und führen oft vorübergehend zu Blasenschwäche. Ist Sport dann empfehlenswert?

Schwangere macht Sport © Thinkstock
(Bonn – 27.11.2015) Eine Schwangerschaft belastet die Beckenbodenmuskulatur und führt bei vielen Frauen zumindest vorübergehend zu einer Blasenschwäche. Verstärkt Sport in der Schwangerschaft das Problem? Oder ist körperliche Aktivität sogar zu empfehlen?

Ein Viertel aller jungen Mütter betroffen

Etwa 25 Prozent aller Frauen zwischen 25 und 35 Jahren leiden vorübergehend an Blasenschwäche als Folge von Schwangerschaft und Entbindung. Der Grund ist, dass der Beckenbodenmuskel, der auch als Verschlussapparat der Blase dient, durch das zusätzliche Gewicht und den Geburtsvorgang stark strapaziert wird. Viele junge Mütter verlieren daher in den ersten Wochen hin und wieder ungewollt ein paar Tropfen Urin – vor allem bei Belastung durch Lachen, Husten oder Treppensteigen.

Gemäßigter Sport kann helfen

Alles, was den Beckenboden zusätzlich schwächt, sollte während der Schwangerschaft vermieden werden. Dazu gehören Sportarten, die mit vielen Sprüngen und Stößen verbunden sind – zum Beispiel Tennis, Trampolinspringen oder Leichtathletik. „Moderater Sport ist dagegen sehr zu empfehlen“, sagt Marion Sulprizio vom Arbeitskreis „Sport und Schwangerschaft“ der Sporthochschule Köln. „Körperlich fitte Frauen kommen oft besser durch die Schwangerschaft und haben es leichter, mit den Anstrengungen der Entbindung fertig zu werden.“

Ideal für Schwangere sind sanfte Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walken oder die Bewegung auf dem Crosstrainer. Sinnvoll sind außerdem muskelstärkende Disziplinen wie Gymnastik und Pilates. Auch das Joggen will Marion Sulprizio nicht ganz ausschließen: „Geübte Läuferinnen dürfen ihren Sport auch während der Schwangerschaft praktizieren.“ Astrid Landmesser, Physiotherapeutin und ebenfalls im Arbeitskreis „Sport und Schwangerschaft“ der Sporthochschule Köln, empfiehlt: „Allerdings sollten Schwangere darauf achten, dass ihr Beckenboden aktiv mitschwingt. Das heißt: Sie sollten den Beckenboden im Atemrhythmus von vier bis sechs Schritten während des Ausatmens mäßig anspannen und im selben Rhythmus während des Einatmens wieder entspannen.“ Vielen Frauen fällt es nicht leicht, ihren Beckenbodenmuskel zu spüren, geschweige denn gezielt anzuspannen und zu entspannen. Dies können sie in einem Geburtsvorbereitungskurs lernen.

Rückbildung nach der Schwangerschaft

Die stärkste Belastung für den weiblichen Beckenboden ist die Entbindung. Damit es aufgrund der überdehnten und schlaffen Beckenbodenmuskulatur nicht zu einer ausgeprägten Blasenschwäche kommt, ist eine konsequente Rückbildungsgymnastik wichtig. Die Hebamme oder auch eine spezialisierte Physiotherapeutin kann Übungen zur Stärkung des Beckenbodenmuskels vermitteln, die direkt nach der Geburt zum Einsatz kommen sollten. Später bietet es sich an, einen Rückbildungskurs zu besuchen. Wann der richtige Zeitpunkt ist, um wieder Sport zu treiben, hängt von den Umständen der Entbindung ab. Frauen sollten ihren Arzt darauf ansprechen, bevor sie die Sportschuhe schnüren. Er kann außerdem weiterhelfen, wenn die Blase noch für eine Weile Probleme macht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.11.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Bundesverbands für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz: Sport in der Schwangerschaft – so bleiben auch Beckenboden und Blase fit
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