Zu viele Untersuchungen

Laut einer Studie nehmen fast alle Frauen in der Schwangerschaft Zusatzuntersuchungen wahr. Experten sehen diese Überversorgung nicht unbedingt positiv.

Schwangere bei der Untersuchung © Thinkstock
(Gütersloh – 28.07.2015) Nahezu alle Schwangeren – 99 Prozent – erhalten mehr Untersuchungen als die Mutterschaftsrichtlinien vorsehen. Ob sie eine Risikoschwangerschaft haben oder einen völlig unauffälligen Schwangerschaftsverlauf: Werdende Mütter erfahren stets die nahezu gleiche Behandlung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung.  

Befragt wurden knapp 1.300 Mütter, die im vergangenen Jahr ihr Baby zur Welt gebracht haben. Weil viele der von Ärzten angebotenen oder von den Schwangeren gewünschten Leistungen nicht routinemäßig vorgesehen sind, mussten 80 Prozent der werdenden Mütter Zuzahlungen leisten. „Mehr ist nicht zwingend besser. Es gibt eine klare Überversorgung während der Schwangerschaft“, sagt Uwe Schwenk, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.

„Überangebot an Untersuchungen schürt Angst“

Fast alle Schwangeren wurden abweichend von den offiziellen Richtlinien behandelt. Beim sogenannten CTG – der Kardiotokographie, die die Herztöne des Kindes und Wehen der Mutter erfasst – und bei der Ultraschalluntersuchung wurden Risikoschwangerschaften genauso versorgt wie Frauen mit einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf. „Die Ausnahme Risikoschwangerschaft ist inzwischen zur Regel geworden“, so Schwenk.  

Die Autorinnen der Studie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Prof. Rainhild Schäfers von der Hochschule für Gesundheit in Bochum sagt: „Das Überangebot an Untersuchungen schürt die Angst der Frauen vor der Geburt und möglicherweise auch ihren Wunsch nach einer vermeintlich sicheren Kaiserschnittentbindung.“

Fast jede Schwangere bekommt ein CTG

Jede zweite Frau gab an, von ihrem Arzt sehr gut beraten worden zu sein. Weitere 30 Prozent antworteten mit gut. Allerdings bedeutet dies auch, dass sich durchschnittlich nur die Hälfte der Befragten über die Aussagekraft beziehungsweise die Wirkungsweise einer Maßnahme sehr gut aufgeklärt fühlte. 95 Prozent der Frauen glauben, dass ein CTG zu den Routinemaßnahmen in der Schwangerschaft gehört – dabei ist es als solche in den Mutterschaftsrichtlinien nicht vorgesehen.  

Nahezu jede Schwangere bekommt ein CTG, auch wenn die Schwangerschaft unauffällig verläuft. Bei Ultraschalluntersuchungen erhalten 49 Prozent der Frauen mit normaler Schwangerschaft mehr als fünf Ultraschalluntersuchungen. Laut Studie hatten weder das Alter als Risikofaktor noch Einkommen oder Bildungsabschluss der Schwangeren einen Einfluss darauf, ob Zusatzleistungen in Anspruch genommen wurden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.07.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung: Zu viele Untersuchungen in der Schwangerschaft
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