Glück, Missmut oder Reflex?

Dank 4D-Ultraschall können Eltern Ihr Baby mit etwas Glück schon im Bauch lächeln sehen. Doch was verrät die Mimik von Ungeborenen wirklich?

Gesichtsausdrücke von Ungeborenen beim Ultraschall © DEGUM
(Berlin – 08.06.2015) Gegen Ende des zweiten Drittels der Schwangerschaft haben Eltern gute Chancen, ihr Kind auf dem Ultraschallbild lächeln zu sehen. Mitunter verzieht es auch die Mundwinkel, runzelt die Stirn und schaut missmutig oder traurig aus. Unabhängig vom Gesichtsausdruck sollten Eltern in diese Momente jedoch nicht zu viel hineininterpretieren, rät die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Veränderungen des Gesichtsausdrucks spiegelten nicht etwa die Gefühle des Ungeborenen wieder, sondern sind vielmehr das Ergebnis unwillkürlicher, reflexhafter Bewegungen, berichten die Experten im Fachmagazin „Ultraschall in der Medizin“.

4D-Ultraschall zeigt live, wie sich das Kind bewegt

Wenn Ärzte ein Ungeborenes mit 4D-Ultraschall untersuchen, schließen sie nicht nur mögliche Fehlbildungen aus. Sie können auch live beobachten, wie das Kind Körper und Gesicht bewegt. „Mit der 4D-Sonografie, die Bewegungen des Ungeborenen räumlich sichtbar macht, können wir die Mimik des Kindes besonders gut beobachten“, sagt Prof. Dr. Eberhard Merz, Leiter des Zentrums für Ultraschall und Pränatalmedizin am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. Die Technik ermöglicht es den Ärzten heute auch, das Farbspektrum der menschlichen Haut anzupassen und mit einer beweglichen virtuellen Lichtquelle Effekte von Licht und Schatten an der Oberfläche des Kindes zu erzeugen.

Erst Ende des zweiten Lebensmonats lächeln Babys bewusst

„Die Bilder erscheinen sehr lebensecht und es ist kein Wunder, dass sie uns innerlich berühren“, so Merz. Dennoch bedeute ein Lächeln nicht, dass ein Baby glücklich ist und eine traurige Mine verrate nichts über schlechte Gefühle des Ungeborenen. „Die Bewegungen sind eher eine Art Training“, erklärt der Experte. Die Entwicklung komplexer Gesichtsbewegungen vor der Geburt sei für viele Funktionen nach der Geburt wichtig. Denn von Anfang an kommuniziert das Baby auch über seine Gesichtsausdrücke mit den Eltern und weint zum Beispiel, wenn es unzufrieden ist. Das erste echte Lächeln allerdings lässt etwas auf sich warten: Das „Engelslächeln“ von Neugeborenen stufen Entwicklungspsychologen noch als reflexhaft ein. Erst gegen Ende des zweiten Lebensmonats lächeln Babys ihre Mitmenschen bewusst an.

Gesichtsausdruck liefert Informationen über neurologische Entwicklung

Pränatalmediziner wie Eberhard Merz können am Gesicht des Ungeborenen dennoch etwas ablesen: „Die Beobachtung der fetalen Gesichtsstrukturen und des fetalen Gesichtsausdrucks liefert zusätzliche Erkenntnisse über die neurologische Entwicklung des Ungeborenen und ermöglicht es, die fetalen Gehirnfunktionen besser vorauszusehen“, erklärt der Experte. Unabhängig von der Mimik sei das Gesicht eine grundlegende Informationsquelle. „Durch dessen Beurteilung ist die Diagnose verschiedener fetaler Erkrankungen und Syndrome möglich. Ergänzend zum 2D-Ultraschall lassen sich die Strukturen mit der drei- und vierdimensionalen Sonografie noch genauer bewerten und Informationen über mögliche Fehlbildungen gewinnen“, so Merz.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.06.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM): Was Gesichtsausdrücke des Ungeborenen im Ultraschall verraten
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