Kurzsichtigkeit vorbeugen

Viel Licht setzt den Neurotransmitter Dopamin in der Netzhaut frei. Deshalb kann Spielen im Freien Kinder möglicherweise vor Kurzsichtigkeit schützen.

Mädchen spielt auf der Wiese © Thinkstock
(Bochum/München – 01.06.2015) Etwa jeder dritte Bundesbürger ist kurzsichtig – Tendenz steigend. Die sogenannte Myopie nimmt in vielen Staaten Europas, Amerikas und besonders stark in Südostasien geradezu epidemische Züge an. Dabei lässt sich der Fehlsichtigkeit womöglich relativ einfach vorbeugen: Mehrere Studien haben ergeben, dass Kinder umso seltener eine Kurzsichtigkeit entwickeln, je häufiger und länger sie sich im Freien aufhalten.

Ursachen der Kurzsichtigkeit seit vielen Jahren Thema der Forschung

Bei der Kurzsichtigkeit ist in der Regel der Augapfel zu lang und damit die Entfernung der Hornhaut und Linse von der Netzhaut größer als normal. Kurzsichtige Menschen sehen weiter entfernte Gegenstände verschwommen, nahe Dinge können sie dagegen problemlos erkennen. Warum bei einigen Menschen Kurzsichtigkeit entsteht und bei anderen nicht, ist seit vielen Jahren Thema der Forschung.  

„Immer wieder werden Erbfaktoren genannt – Zwillingsstudien deuten darauf hin“, sagt Prof. Dr. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). „Dies kann aber nicht der einzige Grund sein“, sagt der Experte und verweist auf eine bereits 1969 veröffentlichte Studie, in der Inuit im Norden Alaskas untersucht wurden. Bei den noch in isolierten Gemeinschaften aufgewachsenen Erwachsenen waren nur zwei von 131 kurzsichtig. Bei ihren Kindern und Enkeln mit verändertem Lebensstil waren hingegen bereits mehr als die Hälfte betroffen. „So schnell kann sich das Erbgut kaum verändert haben“, sagt Schatz.  

Viele Studien haben gezeigt, dass Kurzsichtigkeit eng mit dem Ausbildungsstand verknüpft ist. Ausbildung beinhaltet mehr Lesen und mehr Aufenthalt in geschlossenen Räumen. Obwohl die meisten epidemiologischen Studien einen Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und „Naharbeit“ gefunden haben, ist nach Meinung von Prof. Dr. Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen immer noch schwer zu fassen, was genau beim Lesen die Kurzsichtigkeit auslöst.

So viel wie möglich im Freien spielen

Eine besondere Rolle nimmt hingegen der Faktor Tageslicht ein. „Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass der Aufenthalt im Freien bei Kindern einer Kurzsichtigkeit entgegenwirkt – vermutlich wegen der besseren Lichtverhältnisse“, erklärt der Experte von der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Denn helles Licht fördert laut DOG und DGE die Freisetzung von Dopamin in der Netzhaut und verhindert so das Längenwachstum des Augapfels. Im Tiermodell konnte der Zusammenhang von Licht mit Dopamin gezeigt werden. Bei Versuchen an Küken hob eine Injektion des Dopamin-Hemmstoffs Spiperone ins Auge den schützenden Effekt des Lichts wieder auf. Für Schatz und Schaeffel ist die Konsequenz aus diesen Forschungsergebnissen klar: „Kinder sollten so viel wie möglich im Freien spielen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.06.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG): Hormon- und Augenexperten raten: Spielen im Freien schützt Kinder vor Kurzsichtigkeit
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