Häufigere Mutationen

Spermien von Teenagern weisen unerwartet viele Mutationen auf. Das könnte ein Grund für häufige Geburtsdefekte bei Babys junger Eltern sein.

Junger Mann mit Baby © Thinkstock
(Münster – 19.02.2015) Samen von Teenager-Vätern zeigen überraschend viele Erbgutveränderungen. Außerdem finden sich bei Spermien junger Männer allgemein deutlich mehr Mutationen als bei Eizellen gleichaltriger Frauen. Das könnte erklären, warum Babys sehr junger Eltern vergleichsweise häufig von Geburtsdefekten betroffen sind. Zu dieser Annahme kommen Forscher aus Münster, Cambridge und Salzburg in einer aktuellen Studie.

30 Prozent mehr Erbgutveränderungen als bei 20-Jährigen

Eine Untersuchung von knapp 24.100 Eltern und ihren Kindern zeigt, dass die Kinder von Teenager-Vätern unerwartet viele DNA-Mutationen aufweisen. „Die Samen von Teenagern haben offenbar rund 30 Prozent mehr Erbgutveränderungen als die von 20 Jahre alten Männern“, erklärt Prof. Heidi Pfeiffer, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin an der Uniklinik Münster. „Das ist ein möglicher Grund dafür, dass Kinder von Teenager-Eltern ein höheres Risiko für Autismus, Schizophrenie, Spina Bifida (Wirbelspalt), geringes Geburtsgewicht und sonstige Geburtsdefekte haben.“

Bestimmte DNA-Sequenzen dienen als Zellzykluszähler

Für die Studie haben die Forscher Mikrosatelliten untersucht – das sind sehr kurze DNA-Sequenzen, die sich im Erbgut eines Organismus mehrfach unmittelbar hintereinander wiederholen. Veränderungen in den Mikrosatelliten treten bei der Zellteilung häufig auf, etwa eine Wiederholung der Sequenz mehr oder weniger gegenüber der Vorlage. Da die entsprechenden DNA-Abschnitte nicht als Bauplan für Proteine dienen, wirken sich Veränderungen nicht auf die Erscheinung oder Gesundheit eines Lebewesens aus. Sie können Wissenschaftlern jedoch als Zellzykluszähler dienen: Der Vergleich etwa zwischen DNA-Abschnitten in einer Ei- oder Samenzelle und den entsprechenden Abschnitten im elterlichen Erbgut ermöglicht es, abzuschätzen, wie viele Zellteilungen dazwischen stattgefunden haben.  

Ein überraschendes Ergebnis der aktuellen Studie ist, dass sich bei Teenager-Vätern fast siebenmal so viele Mutationen in den Mikrosatelliten finden wie bei Teenager-Müttern. Nimmt man an, dass die Veränderungsrate bei beiden Geschlechtern gleich ist, führt das zu einem überraschenden Schluss: Auf dem Weg von der Empfängnis eines männlichen Embryos bis zum Spermium beim Jugendlichen wären rund 150 Zellteilungen nötig, um die Mutationen zu erklären. Bisher ist die Zahl der Zellteilungen bis zu diesem Zeitpunkt auf rund 30 geschätzt worden.

Ursache noch nicht geklärt

„Dass Spermien von Teenager-Vätern nicht nur gegenüber den Eizellen gleichaltriger Frauen, sondern auch gegenüber den Spermien 20 Jahre alter Männer mehr Mutationen aufweisen, wird durch die These unerwartet vieler Zellteilungen noch nicht erklärt“, sagt Pfeiffer. „Vielleicht ist der DNA- Vervielfältigungsmechanismus zu Beginn der männlichen Pubertät besonders fehleranfällig.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.02.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster: Teenager als Väter: Studie zeigt erhöhte Zahl von Erbgutveränderungen
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