Keinen neuen Boden

In der Schwangerschaft und im ersten Jahr eines Kindes sollten Sie keinen neuen Boden verlegen. Denn das kann bei Babys zu Atemproblemen führen.

Baby krabbelt auf dem Boden © Thinkstock
(Leipzig – 16.12.2014) Neuer Fußboden im Wohnumfeld von Schwangeren erhöht deutlich das Risiko von Kleinkindern, im ersten Lebensjahr an Atemwegsbeschwerden zu leiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Städtischen Klinikums St. Georg in Leipzig, die Auswirkungen von flüchtigen organischen Verbindungen in den Monaten vor und nach der Geburt auf Atemprobleme in der frühesten Kindheit nachweisen konnte. Die Wissenschaftler empfehlen daher, zumindest während der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr nicht zu renovieren.                                                          

Grob geschätzt könnten so allein in Deutschland pro Jahr zirka 20.000 Fälle von pfeifender Atmung – sogenanntem Giemen – bei Kleinkindern, die eine ärztliche Behandlung erfordert, vermieden werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Environment International“.

Besonders gefährdet: Kinder mit erblicher Vorbelastung für allergische Erkrankungen

Ursache dieser Gesundheitsbelastungen können erhöhte Konzentrationen von flüchtigen organischen Verbindungen (kurz: VOC) wie Styrol oder Ethylbenzol in den Wohnräumen sein, die aus den neuen Fußböden ausdünsten und dann über die Atemluft aufgenommen werden. „Wir raten daher davon ab, in Wohnungen von Schwangeren Laminat, Teppichboden oder Fußbodenbelag neu zu verlegen. Zwar sind die Konzentrationen dieser flüchtigen Chemikalien geringer, wenn kein Kleber beim Verlegen verwendet wird, aber selbst dann reichen die Konzentrationen immer noch aus, um das Risiko der Kleinkinder, in den ersten Monaten an Atemwegsbeschwerden zu leiden, deutlich zu erhöhen“, erklärt Dr. Ulrich Franck vom UFZ. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Mutter oder Vater bereits unter Asthma, Heuschnupfen oder anderen allergischen Erkrankungen gelitten haben. Bei diesen Kindern verfünffacht sich das Risiko.

Chemikalienbelastung in der Schwangerschaft schwerwiegender

Frühere Studien aus Leipzig hatten bereits gezeigt, dass die Schadstoffe aus den Wohnungsrenovierungen zu Veränderungen im Immunsystem der Schwangeren führen. „So konnten wir zum Beispiel eine verstärkte Typ-2-Immunantwort feststellen, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung allergischer Reaktionen spielt. Das Design unserer Langzeitstudie mit einer umfangreichen Bewertung von Umweltbelastungen vor und nach der Geburt bietet uns die einmalige Chance, die Auswirkungen dieser Belastungen auf Erkrankungen der Kinder zu erforschen. Unseren Ergebnissen zufolge scheinen Belastungen mit flüchtigen Chemikalien in der Schwangerschaft bedeutsamer zu sein als im ersten Lebensjahr“, sagt Dr. Irina Lehmann vom UFZ, die die Studie zu Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluss auf das Neugeborenen-Allergierisiko leitet.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.12.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung: Neuer Fußboden kann zu Atemproblemen bei Babys führen
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