Schutz durch Rohmilch

Trinken Säuglinge rohe Kuhmilch, leiden sie seltener an Atemwegsinfekten, Schnupfen und Fieber als Kinder, die H-Milch bekommen.

Baby trinkt Milch © Thinkstock
(München – 22.10.2014) Säuglinge, die rohe Kuhmilch bekommen, werden seltener krank als H-Milch-Trinker. Das zeigt eine europaweite Studie unter der Leitung von Professor Erika von Mutius, Professorin für Pädiatrische Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz am Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU. Da Rohmilch jedoch auch krankmachende Mikroorganismen enthalten kann und ihr Verzehr daher ein hohes gesundheitliches Risiko birgt, plädieren die Forscher für neue schonende industrielle Verfahren, bei denen die schützenden Inhaltsstoffe der unbehandelten Milch erhalten bleiben.

Geringeres Risiko für Schnupfen, Atemwegsinfekte und Fieber

Im Rahmen der Langzeitstudie PASTURE hielten rund tausend Mütter Ernährung und Gesundheit ihres Kindes bis zum ersten Lebensjahr wöchentlich fest. „Kinder, die unbehandelte Kuhmilch tranken, hatten ein deutlich niedrigeres Risiko für Schnupfen, Atemwegsinfekte, Fieber und Mittelohrentzündungen als Kinder die kommerziell hocherhitzte Milch tranken“, sagt Dr. Georg Loss vom Dr. von Haunerschen Kinderspital und Erstautor der Studie. Ihr Risiko, etwa an Atemwegsinfekten zu erkranken, sank um bis zu 30 Prozent. Dieser Effekt schwächte sich etwas ab, wenn die Milch von den Eltern erwärmt wurde. Pasteurisierte Milch, die industriell erhitzt wird, schützte noch vor fieberhaften Erkrankungen, während dieser Effekt bei H-Milch gar nicht mehr bestand. Die Ergebnisse sind der Studie zufolge unabhängig von anderen möglichen Einflussfaktoren wie der Ernährung der Kinder.

Schutz im Blut nachweisbar

„Die unterschiedlich schützenden Effekte der Milchtypen beruhen vermutlich auf bestimmten hitzeempfindlichen Inhaltsstoffen der Milch. Vor allem bei Atemwegsinfekten und Mittelohrentzündung scheinen Inhaltsstoffe, die in Rohmilch vorkommen, aber nicht in erhitzter Milch, eine tragende Rolle zu spielen“, so Loss.  

Im Alter von zwölf Monaten wurde den Kindern Blut abgenommen, das immunologisch untersucht wurde. Säuglinge, die Rohmilch tranken, hatten niedrigere Normalwerte des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein), der Ärzten Auskunft über Entzündungen im Körper gibt. „Höhere Entzündungswerte hängen mit der Entwicklung chronischer Erkrankungen wie Asthma und Übergewicht zusammen, wie aus anderen Studien bekannt ist. Der Konsum von Rohmilch könnte also das Risiko senken, später an Asthma zu erkranken“, erklärt der Experte.

Rohmilch kann bakteriell belastet sein

Bei der industriellen Verarbeitung wird Milch erhitzt – beim Pasteurisieren auf Temperaturen zwischen 72 und 75 Grad Celsius, bei der Herstellung von H-Milch auf Temperaturen um 135 Grad Celsius. Zudem wird die Milch homogenisiert, damit sich das Fett verteilt und sich kein Rahm bildet. „Beim Verzehr von Rohmilch ist Vorsicht geboten“, warnt Loss. Da sie unbehandelt ist, kann sie bakteriell belastet sein und verschiedene Krankheiten wie Listeriose, Tuberkulose und EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli) basierte Durchfallerkrankungen und schwere Niereninsuffizienz auslösen.  

Die Forscher regen daher an, neue Verfahren bei der industriellen Milchverarbeitung zu entwickeln: „Durch neue schonende Verfahren könnte ein gesundheitlich unbedenkliches Milchprodukt erzeugt werden, das noch die schützenden Inhaltsstoffe von Rohmilch enthält, aber nicht die krankmachenden Mikroorganismen“, sagt Loss.

Schützende Effekte von Kuhmilch bisher noch ungeklärt

Kuhmilch liefert neben Fett und Kohlenhydraten Proteine, die das Immunsystem beeinflussen können. „Die Zusammensetzung von Kuhmilch und Muttermilch ist in vielen Aspekten sehr ähnlich“, erklärt der Experte. Es ist schon länger bekannt, dass Stillen Kinder vor Infektionen schützt. Die Mechanismen, wie Mutter- oder Kuhmilch das Immunsystem des Kindes beeinflussen, um vor Infektionen zu schützen, sind noch ungeklärt. Möglich ist zum Beispiel, dass Inhaltsstoffe direkt mit Viren agieren oder einen Einfluss auf die Darmflora haben, wodurch sich das Immunsystem positiv entwickelt.  

Die Gabe von Kuhmilch ist heute umstritten, weil Säuglinge und Kleinkinder auch allergisch darauf reagieren können. In der PASTURE-Studie hatten bis zum ersten Geburtstag jedoch nur zwei Prozent aller Kinder Allergien auf Kuhmilch oder andere Nahrungsmittel.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.10.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Ludwigs-Maximilians-Universität München: Schutz vor Infektionen – Rohmilch macht den Unterschied
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