Helmtherapie bei Babys

Liegen Babys zu häufig und zu lange auf dem Rücken, kann sich ihr Schädel verformen. Dann kann die Behandlung mit einem speziellen Helm helfen.

Schlafendes Baby © Thinkstock
(Berlin – 08.09.2014) Vom leicht abgeflachten Hinterkopf bis zum asymmetrischen Schädel: Beides kommt immer häufiger vor, seit Eltern Neugeborene zum Schlafen gezielt auf den Rücken legen. Dies soll das Risiko für den plötzlichen Kindstod verringern. Doch ein verformter Kopf ist nicht nur äußerlich auffällig, er führt oft auch zu einer frühzeitigen Abnutzung der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke. Deshalb empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) diesen Patienten eine Korrektur der Kopfform mithilfe einer professionell angepassten und konsequenten Helmtherapie.

Zunächst mit Krankengymnastik und Physiotherapie versuchen

Babys, die von einer lagerungsbedingten Kopfverformung betroffen sind, liegen so lange und häufig auf dem Rücken, dass der weiche Schädelknochen nachgibt. Doch die Rückenlage verringert um 40 Prozent das Risiko eines sogenannten plötzlichen Kindstodes im Schlaf. „Deshalb sollten Eltern auch weiterhin dafür sorgen, dass ihr Säugling auf dem Rücken schläft“, sagt Prof. Dr. Guido Fitze, Chefarzt der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Dresden.  

Ist das Kind jedoch wach, sollten Eltern es von Anfang an abwechslungsreich auf beide Seiten und vor allem auf den Bauch legen und auch in dieser Lage spielen lassen. „Das fördert die Beweglichkeit des Kopfes und den Muskelaufbau, außerdem verhindert es einseitige Liegegewohnheiten“, so der Experte. Ist der Schädel dennoch verformt, sind frühzeitige Krankengymnastik und Physiotherapie zunächst die Methode der Wahl.

Helmtherapie dauert zwei bis sechs Monate

Bleibt der Kopf dennoch verformt, empfehlen Kinderchirurgen die sogenannte Helmtherapie. „In den Händen von Fachleuten ist sie eine schonende, risikoarme und wirksame Methode“, erklärt Dr. Harald Lochbihler, Leitender Oberarzt der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Augsburg. In seiner Spezialsprechstunde behandelt er jährlich 40 bis 50 schwere Fälle mit einem maßangefertigten Helm. Im ersten Schritt erfasst er die Form des Schädels dreidimensional mit einer Kamera und stellt die Abweichung vom Durchschnitt fest. „Der optimale Therapiebeginn liegt zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat“, erklärt der Experte für kraniospinale Kinderchirurgie. In dieser Zeit wachse der Kopf rasch und die Behandlungsdauer lasse sich damit auf ein Minimum reduzieren. Bis zum Abschluss der Therapie nach zwei bis sechs Monaten kontrolliert der Arzt regelmäßig den Erfolg, misst den Kopf aus und stellt den Helm gegebenenfalls neu ein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.09.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Kinderchirurgen empfehlen Helmtherapie bei verformtem Schädel
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