Schonende Behandlung

Während der Schwangerschaft ist es möglich, Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Sodbrennen wirksam und dennoch schonend zu behandeln.

Schwangeren ist übel © Thinkstock
(Berlin – 28.08.2014) Etwa drei Viertel aller werdenden Mütter leiden in der Schwangerschaft unter Übelkeit und Sodbrennen. Gegen diese unangenehmen Schwangerschaftsbeschwerden gibt es heute wirksame Mittel, die für das Ungeborene unbedenklich sind. Auch eine Reihe von vorbestehenden chronischen Magen-Darm-Erkrankungen können Gastroenterologen heute während der Schwangerschaft und der Stillzeit gut behandeln. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hin.

Oft reicht bei Übelkeit eine Umstellung der Essgewohnheiten

„Die meisten Schwangeren mit morgendlicher Übelkeit brauchen keine medikamentöse Therapie. Oft hilft es schon, die Essgewohnheiten umzustellen und zum Beispiel viele kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen“, empfiehlt DGVS-Experte Prof. Dr. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik III) an der Uniklinik RWTH Aachen.  

Reicht dies nicht aus, gibt es heute mehrere Mittel, die Gynäkologen Schwangeren verschreiben können. Zwar haben diese Medikamente in Deutschland häufig keine Zulassung für Schwangerschaftserbrechen, werden jedoch als unbedenklich eingestuft und nach ärztlichem Anraten und Aufklärung eingesetzt. Oft kommt eine Kombination aus Vitamin B und dem Antihistaminikum Doxylamin, das allerdings schläfrig machen kann, zum Einsatz. Weitere Alternativen sind auch die Wirkstoffe Ondansetron und Metoclopramid, wobei letzterer in Form von Zäpfchen verabreicht wird. „In sämtlichen Studien zu diesen Medikamenten fanden sich nie Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Fehlbildungen der Kinder“, so der Experte.

Bei Sodbrennen sind Antazida für Schwangere geeignet

Auch Sodbrennen lässt sich heute sicher behandeln. Die DGVS rät allerdings, nicht zu starken Säureblockern zu greifen. Denn bei hoch dosiertem Einsatz von Medikamenten aus der Gruppe der Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol beobachteten Forscher in Tierversuchen Fehlbildungen. „Das Risiko ist zwar gering, doch in der Schwangerschaft steht die Sicherheit an erster Stelle“, sagt Trautwein. Er rät Schwangeren zu sogenannten Antazida, die im Magen die Säure binden.

Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen

Insbesondere in der Schwangerschaft ist es wichtig, Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. „Nicht nur der Frauenarzt, sondern auch Haus- und Fachärzte sollten über eine bestehende Schwangerschaft Bescheid wissen“, sagt der Experte. So können Gastroenterologen auch werdenden Müttern mit chronischen Magen- oder Darmleiden wirksam helfen. „Wenn möglich ohne Medikamente, wenn nötig mit“, so Trautwein. Beim Reizdarm etwa rät die DGVS die Ernährungsgewohnheiten zu ändern: „Gegen Verstopfung hilft oft ballaststoffreiche Kost und reichliches Trinken.“ Bei Durchfällen ist es häufig hilfreich, weniger Fette und Milchprodukte zu essen.         

Schwere entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa behandeln Ärzte jedoch auch während der Schwangerschaft mit stärkeren Mitteln. Im Krankheitsschub kann sogar die Gabe von Kortison notwendig werden. Das Risiko für das Kind stufen Experten bei einigen Kortison-Varianten wie Prednison als niedrig ein. „Ohne die Medikamente kann es im Krankheitsschub zu Wehen mit dem Risiko von Früh-, Mangel- oder Totgeburten kommen“, erklärt Trautwein. Jedoch müssen in jedem Einzelfall Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden. In der Betreuung von Schwangeren mit Magen-Darm-Leiden sollten Ärzte für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten eng mit Frauenärzten zusammenarbeiten, empfiehlt die DGVS.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Schwangere mit Magen-Darm-Leiden: Wirksame und schonende Behandlung möglich
  • Deutsches Ärzteblatt online: USA: Medikamente gegen Schwangerschaftserbrechen nach 30 Jahren wieder zugelassen.
  • Pharmazeutische Zeitung online: Viele Therapieoptionen, wenig Evidenz
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