Depressionen bei Kindern

Schon bei Vor- und Grundschulkindern sind Depressionen heutzutage keine Seltenheit. Was auf diese Erkrankung hindeuten kann.

Kind mit Depressionen © Thinkstock
(Bochum – 21.07.2014) Grundsätzlich können Kinder jeden Alters Depressionen entwickeln. Während die Erkrankung bei Säuglingen und Kleinkindern jedoch sehr selten auftritt, leiden Kinder im Vor‐ und Grundschulalter schon öfter an einer Depression. „Typisch für Depressionen bei Kindern ist der Verlust des Antriebs. Oft ist ihre Stimmung gedrückt und sie entwickeln Ängste vor neuen Aufgaben und der Zukunft“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP). „Betroffene Kinder ziehen sich von Freunden und Aktivitäten zurück und neigen dazu, zu Hause bleiben zu wollen. Kleinere Kinder suchen oft die Nähe der Mutter. Kindergartenkinder klagen häufig über Kopfschmerzen und Bauchschmerzen und möchten an Gruppenaktivitäten nicht mehr teilnehmen, Schulkinder zeigen oft nachlassende Schulleistungen.“  

Behandlungsbedürftig ist eine Depression dann, wenn sie länger als zwei Wochen anhält. Zunächst sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen, um abzuklären, ob nicht körperliche Ursachen hinter dem Verhalten und den Beschwerden stecken.

Auslöser für Depressionen in der Pubertät: Hormone und Überforderung

Ab der Pubertät steigt die Häufigkeit von Depressionen deutlich an. „Insbesondere bei Mädchen dieser Altersklasse hat sich in den letzten Jahren das Risiko für leichtere Formen depressiver Störungen erhöht. Die Ursachen hierfür sind noch unklar – es werden unter anderem hormonelle Faktoren sowie gesellschaftliche Anforderungen an deren Autonomieentwicklung und letztlich Überforderungssituationen als Auslöser diskutiert“, ergänzt der Experte.  

„Typische Symptome, die im Pubertäts‐ und Jugendalter bei einer depressiven Erkrankung auftreten, sind Ein‐ und Durchschlafstörungen, Appetit‐ und Gewichtsverlust sowie tageszeitliche Schwankungen des Befindens mit einem „Tief“ am Morgen. Aber auch Verhaltensveränderungen wie Stimmungsanfälligkeit, Lustlosigkeit oder auch Alkohol‐ und Drogenkonsum können darauf hinweisen.“ Typisch ist, dass die Betroffenen für sich keine Zukunftsperspektive sehen, sich wertlos fühlen und das Selbstvertrauen vermindert ist. Auch Selbstmordgedanken treten in dieser Altersklasse häufig auf. Bei solchen Gedanken sollte umgehend ein Kinder‐ und Jugendpsychiater aufgesucht werden.

Ambulante, stationäre und teilstationäre Therapie möglich

Als Ursache für die Entwicklung einer Depression wird das Zusammenwirken verschiedener Faktoren angenommen – darunter eine genetische Komponente, belastende Lebensereignisse und individuelle Faktoren. „Depressive Episoden sollten auf jeden Fall behandelt werden. Je nach Ausprägung und Schweregrad kommen ambulante, stationäre oder teilstationäre Therapien infrage“, erläutert Spitczok von Brisinski. „Bei mittelschweren und schweren Depressionen können Medikamente sehr hilfreich sein, bei leichteren Formen sind meist psychotherapeutische Verfahren alleine wirksam.“  

Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, dass Eltern und das Umfeld ausführlich informiert werden, damit sie dazu beitragen, das Selbstbewusstsein der Betroffenen nachhaltig zu stärken. Für Eltern kann es hilfreich sein, eine spezielle Elterngruppe zu besuchen, in der sie lernen, das Kind richtig zu unterstützen und in der ein Austausch mit anderen Betroffenen möglich ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.07.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP): Antriebslosigkeit und Ängste können bei Kindern auf Depressionen hinweisen
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