Übergewichtige Kinder

Eine gute Nachricht: Die Zahl übergewichtiger Kinder nimmt nicht weiter zu – allerdings gilt das nicht uneingeschränkt.

Kind auf der Waage © Thinkstock
(Ulm – 30.04.2014) Nachdem die Zahl übergewichtiger Kinder in den Industrieländern seit den 80er Jahren massiv zunahm, zeigt sich nun eine Verlangsamung oder sogar ein Rückgang. Diese überraschende Entwicklung belegten jetzt Ulmer Wissenschaftler um Prof. Dr. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie an der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, in einer der ersten internationalen Übersichtsstudien. Einen wichtigen Grund dafür sehen die Wissenschaftler darin, dass Aufklärung und bessere Ernährungs- und Bewegungsangebote tatsächlich wirken. Entwarnung können die Forscher aber nicht geben, denn Kinder sind heute im Vergleich zu den 80er Jahren immer noch rund dreimal so häufig übergewichtig.

Deutlichkeit des Trends überrascht selbst die Wissenschaftler

Das Team von Professor Wabitsch am Universitätsklinikum Ulm begab sich in die Vogelperspektive und wertete Einzelstudien aus verschiedenen Industrieländern aus. „Die Deutlichkeit des Trends für Deutschland und viele vergleichbare Länder wie die Schweiz, Frankreich, die USA oder Australien hat uns selbst erstaunt“, sagt Wabitsch. Für Deutschland analysiert er mit seiner Kollegin Dr. Anja Moss seit Jahren die Daten aus Schuleingangsuntersuchungen mit jährlich mehr als einer halben Million Kinder und wurde so auf die Trendwende aufmerksam, die seit dem Jahr 2000 immer deutlicher wird. „Die positive Entwicklung ist dabei international bei Mädchen ausgeprägter als bei Jungen, im Vorschulalter deutlicher als bei Schulkindern“, erklärt Moss.

Aufklärung und bessere Ernährungs- und Bewegungsangebote wirken

Doch woher kommt die Trendwende? „Erste Studienergebnisse legen nahe, dass Aufklärung, bessere Ernährungs- und Bewegungsangebote tatsächlich wirken. Das ist für alle, die sich für gesünderes Essen in Kitas und Schulen, für mehr Sportunterricht, Grünflächen und Radwege einsetzen, eine gute Nachricht – denn ihr Einsatz lohnt sich“, betont Wabitsch. Moss ergänzt: „Tatsächlich gehen der Konsum zuckerhaltiger Getränke und die Fernsehnutzung in vielen Industrieländern offensichtlich leicht zurück, der Verzehr von Obst und Gemüse sowie die Dauer aktiver Freizeitgestaltung steigen dagegen.“

Ausnahme: Die Zahl der Kinder mit extremem Übergewicht steigt weiter

Die positiven Ergebnisse gelten allerdings nicht uneingeschränkt. Professor Wabitsch: „Die dauernde weitere Gewichtszunahme unserer Kinder scheint gestoppt, aber wir haben bereits ein erschreckendes Niveau erreicht: Unsere Kinder haben heute doppelt so viel Fettmasse wie in den 80er Jahren. Und unsere Übersichtsstudie zeigt, dass der positive Trend geringerer Gewichtszunahmen nur für Kinder mit vergleichsweise geringem Übergewicht gilt – die Zahl der Kinder mit extremem Übergewicht steigt hingegen weiter.“  

Die Botschaft der Ergebnisse ist für Wabitsch daher klar: „Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, damit die offensichtlich möglichen positiven Effekte von besserer Ernährung und mehr Bewegung eines Tages zu einem wirklichen Rückgang von Übergewicht führen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.04.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Universitätsklinikum Ulm
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung