Alte Väter, gesunde Kinder?

Männer können auch im Alter noch risikolos Kinder zeugen – so die weitverbreitete Meinung. Doch das ist falsch. Welche Risiken für das Kind bestehen.

Älterer Vater mit seiner Tochter © Thinkstock
(Würzburg – 16.04.2014) Frauen sollten ihre Kinder nicht allzu spät im Leben bekommen. Männer dagegen können auch mit 60 noch ohne Probleme Vater werden – diese Meinung ist zwar weitverbreitet, aber falsch. Wenn Frauen im Alter ab 35 Jahren schwanger werden, steigt das Risiko, dass ihr Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt – etwa mit dem Down-Syndrom. Diese Problematik ist mittlerweile vielen bewusst. Was weniger bekannt ist: „Die Keimzellen der Väter werden mit zunehmendem Alter auch nicht besser“, sagt Professor Thomas Haaf, Humangenetiker von der Universität Würzburg. Dass auch ältere Männer risikolos Kinder zeugen können, sei ein Mythos, der sich hartnäckig hält.  

Die Forschung weiß schon länger um das Problem der „alten Väter“. Erst vor Kurzem haben Wissenschaftler aus Schweden und den USA im Fachmagazin „JAMA Psychiatry“ wieder eine einschlägige Studie veröffentlicht. Ihr zufolge tragen Kinder von älteren Vätern – damit sind Männer ab 45 Jahren gemeint – rein statistisch ein erhöhtes Risiko für ADHS, Autismus und andere psychische Erkrankungen. Bekannt ist auch, dass ihr Intelligenzquotient leicht verringert sein kann.

Woher kommt das erhöhte Risiko für bestimmte Krankheiten?

„Der epidemiologische Zusammenhang zwischen alten Vätern und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krankheiten bei den Kindern ist seit Längerem klar. Wir wissen aber nicht, wodurch er zustande kommt“, sagt Professor Haaf. Allein mit einer altersbedingten Häufung von Gen-Mutationen in den Spermien sei der Effekt nicht zu erklären. Stattdessen geht der Würzburger Humangenetiker – wie auch andere Wissenschaftler – davon aus, dass hier andere Faktoren wichtig sind: Unter Verdacht stehen epigenetische Veränderungen.  

Epigenetische Veränderungen sind keine echten Mutationen, denn sie betreffen nicht direkt die Abfolge der DNA-Bausteine. Oft bestehen sie darin, dass kleine Moleküle (Methylgruppen) an die DNA gekoppelt werden und die Verpackung der DNA geändert wird. „Das passiert im Lauf des Lebens rein zufällig, aber auch durch Umwelteinflüsse“, so der Experte. Man vermutet, dass solche Veränderungen am Erbgut durch Tabakrauch und Chemikalien, aber auch durch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus oder starkes Übergewicht entstehen können.  

Der Knackpunkt dabei: Die epigenetischen Veränderungen bleiben nicht ohne Folgen – sie verändern die Aktivität einzelner Gene. Werden sie mit einem Spermium an ein Kind weitergegeben, beeinflussen sie durch ihre genregulierende Aktivität womöglich die Entwicklung des Embryos. „Epigenetische Veränderungen in der frühen Entwicklung legen die Grundlagen für die Gesundheit beziehungsweise Krankheit im späteren Leben“, erklärt Haaf.

Was ältere Männer mit Kinderwunsch beachten sollten

„Es wäre gut, wenn Männer ab 45, die Vater werden wollen, sich darüber informieren, welche Krankheitsrisiken für das Kind mit einem erhöhten Alter des Vaters verbunden sind und welche Vorsorgemaßnahmen es gibt – das ist zum Beispiel eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung des Kindes im Mutterleib“, sagt der Experte.  

Dabei müsse sich aber jeder darüber im Klaren sein, dass es bei keiner Schwangerschaft eine Garantie für ein gesundes Kind gibt – auch nicht bei jungen Eltern. „Ein hohes Alter des Vaters oder auch der Mutter ist kein Grund, sich gegen ein Kind zu entscheiden, aber man sollte um die möglichen medizinischen Probleme wissen“, so Haaf.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.04.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung