Dick durch Proteine

Enthält Säuglingsnahrung zu viele Proteine, haben Babys ein höheres Risiko, später übergewichtig zu werden. Das zeigt eine aktuelle deutsche Studie.

Baby mit Flasche © Thinkstock
(München – 31.03.2014) Die Ernährung während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit hat Folgen für das ganze Leben. Sie wirkt sich auf das kindliche Wachstum aus und beeinflusst lebenslang den Stoffwechsel. „Einer der besten Indikatoren, um das spätere Risiko vorherzusagen, übergewichtig zu werden, ist die Gewichtszunahme während des ersten Lebensjahres“, sagt Professor Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.  

Wie entscheidend dabei der Proteingehalt der Nahrung im Säuglingsalter ist, konnte Koletzko nun mit seinem Forscherteam in einer Studie nachweisen. Die Wissenschaftler verfolgten den Body-Mass-Index (BMI) und die Gewichtszunahme zweier Kindergruppen, die als Babys Säuglingsnahrung mit unterschiedlichem Proteingehalt erhielten. „Kinder, deren Säuglingsnahrung einen höheren Proteingehalt hatte, hatten im Alter von sechs Jahren einen deutlich höheren BMI. Ihr Risiko, übergewichtig zu werden, war fast zweieinhalbmal höher als das jener Kinder, die proteinärmere Nahrung erhielten“, erklärt Koletzko.

Langfristige Folgen für den Stoffwechsel

Koletzko hat die Kinder erstmals im Jahr 2002 untersucht. In früheren Studien konnte Koletzko bereits zeigen, welche Folgen Säuglingsnahrung mit einem höheren Proteingehalt für die ersten beiden Lebensjahre hat: Die Kinder legten im ersten Jahr mehr an Gewicht zu und waren im Alter von zwei Jahren schwerer als Kinder, die Nahrung mit weniger Protein erhielten.  

Die Folgeuntersuchung mit den Kindern, die inzwischen sechs Jahre alt waren, zeigte nun, wie langfristig die Ernährung im Säuglingsalter das Gewicht der Kinder bestimmt. „Das erhöhte Risiko, im Alter von sechs Jahren übergewichtig zu sein, deutet daraufhin, dass die höhere Proteinzufuhr bei Babys nicht nur zu einer schnelleren Gewichtszunahme führt. Offenbar sind damit auch langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel verbunden“, so der Experte.  

Die Entwicklung der Säuglinge beider Gruppen wurde mit der Entwicklung gestillter Babys verglichen. Kinder, deren Nahrung dem Proteingehalt von Muttermilch entsprach, waren später auch in der Gewichtszunahme und bei der Entwicklung des BMI mit gestillten Kindern vergleichbar.

Ernährung von Säuglingen ist Grundlage für die spätere Gesundheit

„Eine optimale Ernährung von Säuglingen ist enorm wichtig, da sie die Grundlagen für die künftige Gesundheit legt“, sagt Koletzko. Die Studienergebnisse sind deshalb auch für die öffentliche Gesundheitsvorsorge von Bedeutung: „Momentan führen Säuglingsnahrung und ergänzende Nahrung für Babys zu Proteineinnahmen, die höher sind als empfohlen“, so der Forscher. „Die Empfehlung an Mütter zu stillen und eine Reduktion des Proteingehalts in der Säuglingsnahrung sind wichtige Präventionsmaßnahmen, damit Kinder nicht übergewichtig werden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Ludwig-Maximilians-Universität München
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