Risikofaktor Wohnort

Forscher fanden heraus: Wie hoch das Risiko für Übergewicht bei Kindern ist, hängt auch entscheidend von ihrer Wohngegend ab.

Kind auf der Schaukel © Thinkstock
(Leipzig – 14.03.2014) Kinder in benachteiligten Ortsteilen sind bis zu doppelt so häufig übergewichtig wie Kinder in privilegierten Gegenden. Das entdeckten Forscher der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Neben Schulabschluss und Haushaltseinkommen der Eltern rückt als Ursache für Übergewicht bei Kindern nun auch dieser Faktor in den Fokus: „In benachteiligten Ortsteilen zu wohnen, wirkt sich schon bei Vorschulkindern auf deren Gewicht aus“, so Brähler, der an der Studie beteiligt war und bis 2013 die Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig leitete.

Daten von 3.000 Kindern untersucht

Für die Studie sammelten die Forscher Daten von fast 3.000 Kindern im Rahmen der Einschulungsuntersuchung der Stadt Leipzig. 63 Ortsteile Leipzigs teilten sie in vier Kategorien ein. Maßgeblich dafür waren der Anteil der Personen mit niedrigem Schulabschluss, die Arbeitslosenquote und das Haushaltseinkommen. Das Ergebnis: Mit mehr als zwölf Prozent leben in benachteiligten Ortsteilen der Kategorie vier rund doppelt so viele übergewichtige Kinder wie in privilegierten Ortsteilen der Kategorie eins. „Dabei hat sich gezeigt, dass der Wohnort des Kindes neben dem elterlichen Sozialstatus zusätzlichen Einfluss auf das Übergewicht bei Kindern ausübt: Denn wohnt eine Mutter mit niedriger Bildung in einem privilegierten Ortsteil, verringert sich das Übergewichtsrisiko beim Kind“, erläutert Brähler die Forschungsergebnisse.

Für Präventionsmaßnahmen sind weitere Studien notwendig

Vorangegangene Studien im angloamerikanischen Raum zeigen eine mögliche Erklärung: Stark benachteiligte Ortsteile unterscheiden sich von privilegierten nicht nur durch die Bildung und Arbeitssituation ihrer Anwohner, sondern auch durch bauliche Strukturen, Anbindung an die Infrastruktur, Zugang zu Grünflächen, Spielplätzen und Sonneneinstrahlung. „Um mit Präventionsmaßnahmen gezielt Übergewicht bei Kindern bekämpfen zu können, muss in weiteren Studien noch genau erforscht werden, wodurch diese großen Unterschiede verursacht werden“, so Brähler. Mit diesem Wissen könnten die Kommunen Lebensräume so gestalten, dass Kindern eine gesunde Entwicklung möglich ist.

Aus übergewichtigen Kindern werden meist adipöse Erwachsene

Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, gut sechs Prozent davon gelten als adipös, leiden also unter starkem Übergewicht. Folgen können chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthockdruck und Herzkrankheiten sein. „Aus übergewichtigen Kindern werden meist adipöse Erwachsene, deren Kinder wiederum ein erhöhtes Übergewichtsrisiko haben“, sagt Brähler.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
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