Nicht zu viele Zusatzpfunde

Eine Studie zeigt: Nehmen Frauen in der Schwangerschaft übermäßig zu, erhöht das auch das Risiko für Übergewicht bei ihrem Kind.

Kind mit schwangerer Mutter © Thinkstock
(München – 03.03.2014) Nimmt eine Frau während der Schwangerschaft stark zu, kann das Folgen für die Gewichtsentwicklung des Kindes haben. Normalisiert sich die Gewichtszunahme der Schwangeren jedoch rechtzeitig, kann sich das wiederum günstig auf das kindliche Übergewichtsrisiko auswirken. Das konnte nun eine Forschergruppe um PD Dr. Regina Ensenauer, Oberärztin und Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare Ernährung im Dr. von Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München, feststellen.  

Die Ergebnisse stammen aus der im Rahmen des Kompetenznetzes Adipositas durchgeführten PEPO-Studie („Perinatale Prävention der kindlichen Adipositas“), die in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern in Bayern durchgeführt wurde. „Der Anteil an Frauen mit einer übermäßigen Gewichtszunahme während der Schwangerschaft nimmt stetig zu“, berichtet Ensenauer. „Daraus ergeben sich nicht nur Folgen für die Schwangeren, sondern auch für deren Kinder.“

Studie mit knapp 7.000 Kindern

Wie die PEPO-Studie zeigt, erhöht sich durch eine unangemessen hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft auch das Risiko für späteres Übergewicht und Adipositas bei den Kindern. Individuelle Präventionskonzepte können helfen. Um genauer zu untersuchen, wie sich die Gewichtszunahme der Mutter während der Schwangerschaft auf das Kind auswirkt, wurden im Rahmen der Studie Daten zum Körpergewicht von knapp 7.000 Kindern zwischen fünf und sechs Jahren erhoben, als diese eingeschult wurden. Das PEPO-Team analysierte diese zusammen mit Daten aus dem Mutterpass und dem Kinderuntersuchungsheft.  

Die Auswertung ergab, dass mehr als die Hälfte aller Mütter (53,6 Prozent) die 2009 veröffentlichten Empfehlungen (siehe Tabelle) des Institute of Medicine (IOM), die Obergrenzen für eine adäquate Gewichtszunahme während der Schwangerschaft markieren, überschritten hatte. Bei den Müttern, die bereits zu Beginn der Schwangerschaft Übergewicht oder Adipositas aufwiesen, waren es sogar etwa zwei Drittel.
Anhand von Body-Mass-Index (BMI) und Taillenumfang konnte schließlich festgestellt werden, dass unter den Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft zu viel Gewicht zugenommen hatten, fast 13 Prozent übergewichtig waren und über 17 Prozent einen erhöhten Taillenumfang hatten. „Es ist naheliegend, dass im Sinne der ‚fötalen Programmierung‘ eine vermehrte Bereitstellung mütterlicher Nährstoffe zu einer Fehlanpassung des Fötus mit einer Prägung für ein erhöhtes Adipositas-Risiko führt“, erklärt Ensenauer.  

Ein Trugschluss sei es dagegen anzunehmen, dass eine zu niedrige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft einen vorbeugenden Effekt auf das Gewicht des Kindes hätte, also zu meinen, ein Kind habe ein geringeres Risiko für Übergewicht, wenn man als Schwangere verhältnismäßig wenig an Gewicht zulege. „Dieser Zusammenhang konnte für keine der mütterlichen BMI-Gruppen festgestellt werden“, sagt die Forscherin.

Präventionsmaßnahmen können Übergewicht des Kindes vorbeugen

Eine weitere Analyse der PEPO-Daten ergibt, dass eine übermäßige Gewichtszunahme insbesondere bei übergewichtigen und adipösen Müttern bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel vorhersagbar ist. „Es können also schon zwischen dem dritten und sechsten Schwangerschaftsmonat entsprechende Präventionsmaßnahmen getroffen werden, um negativen Auswirkungen auf das Gewicht des Kindes vorzubeugen“, so Ensenauer. Das Risiko für späteres Übergewicht des Kindes kann deutlich reduziert werden, wenn es der Mutter noch in den letzten drei Monaten vor der Geburt gelingt, eine weitere übermäßige Gewichtszunahme zu vermeiden.

Gesund durch die Schwangerschaft

Doch was können werdende Mütter tun, um mit einer angemessenen Gewichtszunahme durch die Schwangerschaft zu kommen? Der Mehrbedarf an Energie in der Schwangerschaft liegt ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel bis zum Ende bei lediglich 250 Kilokalorien pro Tag. Diese stecken zum Beispiel in etwa 200 Gramm Joghurt und einem mittelgroßen Apfel. Wöchentliches Wiegen dient als Selbstkontrolle.

Ensenauer empfiehlt, auf eine besonders gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten, die reich an Vitaminen, Spurenelementen, Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten ist. Ideal für Mutter und Kind ist es, Übergewicht bereits vor der Schwangerschaft abzubauen. „Während der Schwangerschaft sollten keine Diäten gemacht werden“, warnt die Ernährungsmedizinerin und Kinderärztin. Auch Bewegung ist wichtig. Geeignete Sportarten für Schwangere sind Schwimmen und Spazierengehen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Kompetenznetz Adipositas
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