Screening soll Leben retten

Neugeborene sollen künftig nicht nur flächendeckend auf Stoffwechseldefekte, sondern auch auf angeborene Immundefekte untersucht werden.

Neugeborenes © Thinkstock
(Hannover – 05.09.2013) In Deutschland werden Neugeborene seit mehr als 30 Jahren flächendeckend auf angeborene Stoffwechseldefekte untersucht. Nun soll die Suche auf angeborene Störungen der Immunabwehr ausgeweitet werden. Die betroffenen Kinder leiden durch ihre gestörte Immunabwehr an oft lebensbedrohlichen Infektionen, zum Beispiel Lungenentzündungen. In Berlin trafen sich kürzlich Vertreter der großen Immundefekt-Zentren weltweit, um das in den USA mit großem Erfolg praktizierte neue Screening-Programm auch europaweit zu etablieren. Ein Pilotprojekt läuft bereits seit 2012 erfolgreich in Leipzig.

Dort können Eltern ihre Neugeborenen kostenlos auf angeborene Immundefekte untersuchen lassen. „Angeborene Immundefekte werden heutzutage immer noch nicht oder viel zu spät diagnostiziert, sodass die kleinen Kinder, die betroffen sind, schon früh unerkannt versterben. Die Einführung des Screenings in den USA hat bereits gezeigt, dass Immundefekte sehr häufig sind und diese Kinder mit frühzeitiger Stammzelltherapie gerettet werden können", betont Professor Dr. Reinhold E. Schmidt, Direktor der Klinik für Immunologie und Rheumatologie.

Früh erkennen, optimal behandeln

Die Idee hinter dem Screening für Immundefekte ist ähnlich der beim Neugeborenen-Screening auf Stoffwechseldefekte: Nur wenn betroffene Kinder rechtzeitig entdeckt werden, bestehen bestmögliche Behandlungschancen. „Mit einem Screening müssten wir nicht warten, bis die Kinder schwer krank werden, um ihnen zu helfen. Ihnen und auch den Eltern könnte viel Leid erspart werden“, erklärt Professor Dr. Ulrich Baumann, geschäftsführender Oberarzt in der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie. Da Neugeborene von der Mutter eine „Leihimmunität“ während der Schwangerschaft übertragen bekommen, wirken die Kinder bei der Geburt zunächst gesund. Weil erkrankte Kinder selbst aber Krankheitserreger kaum oder gar nicht bekämpfen können, kommt es zu schwersten Infektionen, sobald diese Leihimmunität aufgebraucht ist.

Durch das neue Screening-Programm bekommen die Kinder mit schweren angeborenen Immundefekten größere Überlebenschancen dank einer frühzeitigen Diagnose und einer optimal an ihre Erkrankung angepassten Behandlung. Auf diese Weise können für das Kind und die Eltern langwierige und psychisch belastende Krankenhausaufenthalte vermieden werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.09.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Medizinische Hochschule Hannover
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