Taille mit Aussagekraft

Schon bei Kindern und Jugendlichen gilt: Ein großer Taillenumfang ist Anlass zur Besorgnis. Es drohen Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Jugendliche misst Taillenumfang © Thinkstock
(Leipzig – 17.07.2013) Je größer der Taillenumfang eines übergewichtigen Kinds oder Jugendlichen, umso höher ist das Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies gilt vor allem während der Pubertät und stärker für Jungen als für Mädchen. Das ergab eine Untersuchung von Dr. Susann Blüher vom Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen, für die die Daten von 1.278 Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren ausgewertet wurden. Die Studie wurde kürzlich im „Journal of Clinical Endocrinology and Metabolsim“ veröffentlicht.

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen verschiedenen Maßen wie Taillenumfang, Body-Mass-Index oder Taille-Körpergröße-Quotient und dem Risiko für Erkrankungen, die mit starkem Übergewicht einhergehen. Für Kinder und Jugendliche war dieser Zusammenhang bisher noch weitestgehend unklar.

Hohe Leberwerte, wenig HDL-Cholesterin

Hauptsächlich für pubertierende Jungen mit erhöhtem Taillenumfang ergab die Studie ein größeres Risiko, bereits erhöhte Leber- und Harnsäurewerte oder erniedrigte Werte für das „gute“ HDL-Cholesterin zu haben. Erhöhte Leberwerte weisen zum Beispiel auf eine beginnende Lebererkrankung hin. Außerdem war ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) mit einem größeren Risiko für eine Insulinresistenz verbunden, die darauf hindeutet, dass sich eine Störung im Zuckerstoffwechsel entwickelt. Das galt vor allem während der Pubertät. Die Messung des Taille-Körpergröße-Quotienten hatte gegenüber BMI und Taillenumfang keine zusätzliche Aussagekraft über das individuelle Erkrankungsrisiko.

Taillenumfang messen

Für die standardmäßigen pädiatrischen Untersuchungen empfiehlt Studienleiterin Dr. Blüher deshalb, „den Taillenumfang bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, vor allem ab dem Pubertätsalter, immer zu messen, weil ein erhöhter Umfang bereits in diesem Alter Hinweise auf bestehende Begleiterkrankungen liefern kann.“ Wie bei Erwachsenen ist also auch bei Jugendlichen das bauchbetonte Übergewicht am schädlichsten.

In Deutschland sind über sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen adipös. Bekannt ist bereits, dass rund 70 Prozent dieser jungen Menschen in körperlichen Untersuchungen oder Labortests Risikofaktoren für spätere Herz- und Gefäßerkrankungen aufweisen. Über 30 Prozent leiden schon an einer beginnenden Insulinresistenz, die zu einem Typ-2-Diabetes führen kann. Da etwa 80 Prozent der übergewichtigen Mädchen und Jungen auch als Erwachsene dick bleiben, ist abzusehen, dass die Zahl adipositasbedingter Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Fettleber, Arteriosklerose oder Bluthochdruck weiter ansteigt. Die bereits in der Jugend auftretenden Krankheitszeichen sind also alarmierend und unterstreichen, wie wichtig geeignete Präventions- und Therapie-Programme sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.07.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Universität Leipzig
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