Schnitt mit Nebenwirkungen

Immer mehr Schwangere wünschen sich einen Kaiserschnitt. Doch diese Art der Entbindung kann sowohl für die Mutter als auch für das Kind Folgen haben.

Schwangere © Thinkstock
(Aachen – 21.06.2013) In Deutschland kommt heute etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt. „Oft sind es medizinische Gründe, die einen Kaiserschnitt unumgänglich machen“, erklärt Prof. Dr. Matthias Kopp, Sprecher der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe „Prävention“ der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und Vorsitzender des Präventions- und Informationsnetzwerks Asthma und Allergie (PINA e.V.). „In zunehmendem Maße wünschen sich Mütter aber eine Schnittentbindung auch ohne medizinische Indikation.“ Im Englischen gibt es eine griffige Formulierung für diese Mütter, denen unterstellt wird „too posh to push“, also „zu fein zum Pressen“ zu sein.

Risiken für Mutter und Kind

Dabei sind Kaiserschnittentbindungen keineswegs nebenwirkungsfrei. Abgesehen von akuten Risiken für Mutter und Kind wie Narkoseproblemen, Schmerzen und Infektionsgefahren drohen den Kindern auch Spätfolgen. „Ärzte sollten bei der Beratung von Schwangeren die Vor- und Nachteile einer Schnittentbindung immer gründlich abwägen. Sie sollten gerade darauf hinweisen, dass ein Kaiserschnitt ungewollte Langzeitfolgen haben kann und zum Beispiel das Risiko für ein späteres Asthma erhöht“, so Prof. Kopp.

Mittlerweile sind verschiedene kurz- und langfristige Folgen des Geburtsmodus „Kaiserschnitt“ bekannt. Kurzfristige Veränderungen sind an den Atemwegen, im Stoffwechsel, beim Blutdruck, in der Temperaturregula­tion und im Trinkverhalten zu beobachten. Langzeiteffekte betreffen zum Beispiel das Immunsystem.

Babys haben nach einem Kaiserschnitt eine andere Darmflora

Obwohl die zugrundeliegenden Mechanismen noch nicht aufgeklärt sind, scheint die Besiedelung des Darms mit Bakterien nach der Geburt eine große Rolle für die Immunantwort und die Barrierefunktion des Darms zu spielen. Bei der Geburt ist der Darm zunächst „steril“, wird dann aber sehr rasch mit verschiedenen Bakterienstämmen besiedelt. Bei vaginal entbundenen Kindern überwiegt die vaginale Bakterienflora der Mutter. Kaiserschnitt-Babys haben keinen natürlichen Kontakt mit der Vaginalflora der Mutter. Die Vielfalt der Darmflora ist nach einem Kaiserschnitt deutlich geringer im Vergleich zur natürlichen Geburt.

Höheres Risiko für Allergien und Asthma bronchiale

Zahlreiche Studien haben auch einen Zusammenhang zwischen der Entbindungsart und dem Allergierisiko aufgezeigt: Wer per Kaiserschnitt auf die Welt kam, ist signifikant häufiger gegen Nahrungsmittel und Inhalationsallergene sensibilisiert. Zusätzlich hatten Kaiserschnitt-Babys ein erhöhtes Risiko für obstruktive Atemwegserkrankungen, bei denen die Atemwege verengt sind. Weitere Studien zeigen, dass Kinder nach einem Kaiserschnitt ein um etwa 20 Prozent erhöhtes Risiko haben, Asthma bronchiale zu entwickeln.

PD Dr. Christian Vogelberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Pneumologie und Allergologie (APPA) und stellvertretender Sprecher der AG „Prävention“, stellt daher fest: „Eine Kaiserschnittentbindung ohne medizinische Indikation ist weiterhin nicht wünschenswert.“ Wie Prof. Kopp plädiert auch er für weitere Forschungen in diesem Bereich: „Wir wollen in Zukunft besser verstehen, warum Kinder nach einem Kaiserschnitt ein höheres Allergierisiko haben. Langfristig wollen wir dieses Allergierisiko senken, wenn eine Kaiserschnittentbindung aus medizinischen Gründen unumgänglich ist.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.06.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V.
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung