Vitamin D für Schwangere

Eine Studie zeigt: Viele Schwangere sind unzureichend mit Vitamin D versorgt – nicht nur im Winter. Welche Risiken das birgt und was zu tun ist.

Schwangere © Thinkstock
(Gießen – 07.06.2013) Schwangere sind nur unzureichend mit Vitamin D versorgt – und das nicht nur im Winter. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit 261 Schwangeren und 328 Neugeborenen von Prof. Dr. Clemens Kunz und seiner Arbeitsgruppe am Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) sowie Dr. Peter Gilbert und seinem Team vom Gießener St. Josefs-Krankenhaus. Die Studie wurde nun im „British Journal of Nutrition" veröffentlicht. 98 Prozent der untersuchten Schwangeren hatten in den Wintermonaten einen Vitamin-D-Status, der unterhalb der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Versorgung lag. Doch auch im Sommer, wenn Vitamin D durch die Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet werden kann, waren die Werte häufig zu niedrig.

Wichtigster Einflussfaktor: die Jahreszeit

Der wichtigste Einflussfaktor auf den Vitamin-D-Status war laut der Studie erwartungsgemäß die Jahreszeit, denn die Versorgung mit Vitamin D über die Nahrung ist sehr niedrig. Der weitaus größere Teil wird durch die UV-B-Strahlen der Sonne in der Haut produziert, also vom Körper selbst. Von Oktober bis März ist die Intensität der Sonneneinstrahlung in Deutschland jedoch zu gering, um ausreichend Vitamin D bilden zu können.

Empfehlungen wurden von fünf auf 20 Mikrogramm erhöht

Die DGE und andere Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfehlen, sich für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung täglich fünf bis 30 Minuten im Freien aufzuhalten, um die körpereigene Vitamin-D-Produktion in der Haut anzuregen. Die DGE hatte zudem aufgrund der generell schlechten Vitamin-D-Versorgung der Bevölkerung in Deutschland vor Kurzem die Empfehlungen auch für schwangere Frauen erhöht: Sie rät jetzt, statt fünf Mikrogramm (200 Internationale Einheiten, IE) 20 Mikrogramm (800 IE) pro Tag aufzunehmen, wenn keine körpereigene Vitamin-D-Synthese in der Haut erfolgt.

Zu wenig Vitamin D: Risiken für Schwangere und Neugeborene

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig für Mutter und Kind: Viele Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen einer schlechten Vitamin-D-Versorgung in der Schwangerschaft und dem Auftreten von Schwangerschaftskomplikationen hin. Hierzu gehören Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Infektionen und Frühgeburten. Risiken für das Neugeborene betreffen einen ungenügenden Knochenaufbau, Lungenerkrankungen und ebenfalls Diabetes mellitus.

Aufgrund der besorgniserregenden Daten der Gießener Studie plädiert Prof. Kunz für eine routinemäßige Bestimmung des Vitamin-D-Status im Rahmen der Schwangeren-Vorsorgeuntersuchungen. Diese sollte durch die Messung von 25-Hydroxy-Vitamin D im Blut erfolgen – das ist die Speicherform von Vitamin D, die sich für die Bestimmung des Vitamin-D-Status am besten eignet. Wenn dabei eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung diagnostiziert wird, sollten Schwangere nach Ansicht von Prof. Kunz Vitamin-D-haltige Präparate einnehmen. Aufgrund der Studienergebnisse rät er Schwangeren in den Wintermonaten generell zu solchen Präparaten.

Überdosierung nicht zu befürchten

Oft sind Schwangere jedoch verunsichert, da in den Beipackzetteln der Vitamin-D-Tabletten häufig vor einer zu hohen Zufuhr in der Schwangerschaft gewarnt wird. Hier sind nach Ansicht von Prof. Kunz die zuständigen Zulassungsbehörden gefordert: „Ohne Änderung der Vorschriften ist ein besserer Vitamin-D-Status und damit ein geringeres Risiko für Schwangere und deren Kinder kaum zu erreichen." Eine Überdosierung sei nicht zu befürchten: „Vitamin D, entweder als Tablette zugeführt oder in der Haut produziert, ist nicht als solches wirksam. Die aktive Form wird vom Körper selbst in der Niere hergestellt – aber nur dann, wenn tatsächlich ein Bedarf besteht. Ist das nicht der Fall, dann bleibt Vitamin D inaktiv, wird im Körper abgebaut und wieder ausgeschieden", so Prof. Kunz.  

In Gießen soll nun im Rahmen einer Beobachtungsstudie bei schwangeren Frauen überprüft werden, ob nach einem ärztlich diagnostizierten Vitamin-D-Mangel die tägliche Aufnahme von 1.000 IE Vitamin D während der gesamten Schwangerschaft genügen, um ausreichend versorgt zu sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.06.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Gießen: Vitamin D-Versorgung in der Schwangerschaft nicht ausreichend
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