Für „Pille danach“ zum Arzt

Die „Pille danach“ kann eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Wie sie wirkt und warum sie von einem Arzt verordnet werden sollte.

Hand hält Pille © Thinkstock
(Bochum – 16.04.2013) Mit der „Pille danach“ wird nach ungeschütztem Sex eine Schwangerschaft verhindert. Das nachträglich eingenommene hormonelle Verhütungsmittel verzögert den Eisprung und kann innerhalb von fünf Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Von Fernbehandlungen mit Verschreibungen der „Pille danach“ via Internet aus Großbritannien, wie jüngst in den deutschen Medien berichtet wurde, rät die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) jedoch ab.

Eisprung wird verschoben

Mehr als 400.000 Mal pro Jahr verordnen Mediziner in Deutschland die „Pille danach“. Durch diese auch „postkoitale Kontrazeption“ genannte Methode werden zahlreiche ungeplante Schwangerschaften und eventuell folgende Schwangerschaftsabbrüche verhindert. Derzeit sind in Deutschland zwei Wirkstoffe zugelassen: Levonorgestrel und Ulipristalacetat.

Beide Stoffe wirken ähnlich: Über eine sogenannte negative Rückkopplung wird die Produktion des sogenannten Luteinisierenden Hormons (LH) in der Hypophyse, das den Eisprung auslösen kann und die Gelbkörperbildung fördert, gehemmt und so der Eisprung verschoben. Er erfolgt etwa fünf Tage später. Spermien überleben im weiblichen Genitaltrakt aber nur drei bis fünf Tage. Damit ist genug Zeit gewonnen, um das „fruchtbare Zeitfenster“ zu schließen. Es handelt sich bei der „Pille danach“ also nicht um ein Mittel, das einen Abgang eines befruchteten Eis auslöst oder dessen Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut verhindert, wie es durch das Einsetzen einer kupferbeschichteten „Spirale“ in die Gebärmutter bewirkt wird.

Ulipristalacetat Mittel der Wahl

„Beide Substanzen, sowohl das Gestagenderivat Levonorgestrel als auch der Progesteronrezeptor-Modulator Ulipristalacetat sind wirksame und sichere Substanzen“, erklärt Professor Thomas Rabe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF). Beide verzögern den Eisprung. Anders als Levonorgestrel kann Ulipristalacetat bei bereits ansteigendem LH-Spiegel und einer Follikelgröße von 18 Millimetern den Eisprung noch verschieben. „Aufgrund dieser überlegenen Wirksamkeit ist Ulipristalacetat das Mittel der ersten Wahl in der Notfallkontrazeption“, so Professor Rabe.

Vom Arzt beraten lassen

Ulipristalacetat ist generell rezeptpflichtig. In Deutschland ist auch Levonorgestrel als „Pille danach“  nicht rezeptfrei erhältlich, anders als in vielen anderen europäischen Ländern. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät dennoch entschieden davon ab, eine „Pille danach“ über das Internet im Ausland zu bestellen. Frauen sollten aus Sicherheitsgründen einen Arzt konsultieren und sich über die Anwendung und über mögliche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Menstruationsbeschwerden wie Schmierblutungen oder Unregelmäßigkeiten der Monatsblutung beraten lassen. Es gibt auch Kontraindikationen, das heißt Zustände, bei denen die „Pille danach“ erheblich schaden kann, wie etwa bei schweren Lebererkrankungen oder bei einer bereits bestehenden, bislang noch nicht bekannten Schwangerschaft.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.04.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: idw
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung