Gespräche gegen Angst

Fast jede dritte Geburt ist ein Kaiserschnitt. Schwangere können Ängste vor einem ungeplanten Eingriff durch Vorab-Gespräche mit dem Arzt vermeiden.

Eine schwangere Frau © Thinkstock
(Berlin/Düsseldorf – 06.11.2012) Alles soll normal ablaufen und das Kind gesund zur Welt kommen – das wünscht sich jede Frau. Eine gesunde Schwangere denkt in der Regel kaum an einen ungeplanten Kaiserschnitt, sondern bereitet sich lieber im Geburtsvorbereitungskurs mit Atemübungen und Sitzhaltungen auf eine natürliche, vaginale Geburt vor. „Kommt es dann während der Geburt unerwartet zu Komplikationen, platzt dieser Traum“, sagt Katrin Mikolitch, ganzheitliche Ärztin und Gründerin des Kaiserschnitt-Netzwerkes aus Düsseldorf. Und das kann für die betroffene Frau und ihren Partner psychisch sehr belastend sein. Denn: Plötzlich muss alles schnell gehen und die Schwangere wechselt vom Kreissaal in den OP. Ängste und Gefühle von Hilflosigkeit können dabei entstehen.

Fast jede dritte Geburt operativ

Beim Thema Geburt klaffen in Deutschland Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Eine große Umfrage der Gmünder Ersatzkasse (GEK) in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen hat ergeben, dass fast alle Frauen ihr Baby bei einer natürlichen Geburt auf die Welt bringen möchten. Nur zwei Prozent der befragten Frauen sprechen sich für einen „Wunschkaiserschnitt“ aus.  

Die Realität spricht jedoch andere Zahlen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben im Jahr 2010 rund 32 Prozent aller Kinder das Licht der Welt per Kaiserschnitt erblickt. Fast jede dritte Geburt verläuft damit operativ. „Die Wahrscheinlichkeit, mittels Kaiserschnitt zu gebären, ist demnach relativ hoch und sollte von Schwangeren auf jeden Fall in der Geburtsvorbereitung berücksichtigt werden“, rät Mikolitch.

Es gibt viele Gründe für einen Kaiserschnitt

Ist eine natürliche Geburt plötzlich nicht mehr möglich, kann das viele Ursachen haben: „Frauen werden heute häufig in einem höheren Lebensalter schwanger, das kann Geburten riskanter machen“, sagt Professor Franz Kainer von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. in Berlin. Auch Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Adipositas verstärken häufiger das individuelle Risikoprofil von Schwangeren. Dabei gilt bei jeder Schwangerschaft: „Wenn eine medizinische Indikation besteht, ist der Kaiserschnitt immer eine sinnvolle und lebensrettende Maßnahme“, so Mikolitch. Und auch wenn der Gedanke an eine Operation Angst macht: „Der Kaiserschnitt gilt dank verfeinerter Operations- und Narkoseverfahren heute als ein relativ harmloser Eingriff.“ Zumindest körperlich. Seelisch kann er durchaus Spuren hinterlassen.

Im Notfall keine Zeit zum Erklären

Besteht das Risiko für einen Kaiserschnitt, zum Beispiel aufgrund der gesundheitlichen Situation der Mutter, wird in der Regel schon frühzeitig mit den Eltern über diesen Eingriff gesprochen. „Auch während der Geburt werden Risikofaktoren meistens schon sehr früh erkannt, sodass der Arzt mit den werdenden Eltern noch in Ruhe besprechen kann, warum ein Kaiserschnitt gemacht werden sollte“, erklärt Kainer.  

Doch eine Garantie für umfassende Aufklärung gibt es nicht. „Ungefähr zehn Prozent aller Kaiserschnitte sind Notfall-Operationen“, so der Professor. Notfall, das bedeutet: Es muss sehr schnell gehen. Für ausführliche Aufklärungsgespräche ist keine Zeit, wenn die Gesundheit der Mutter oder des Kindes in Gefahr ist. Kainer sagt: „In solchen Situationen ist es tatsächlich so, dass wir oft erst im Nachhinein mit den Eltern ausführlich über die Entscheidung reden können.“

Vorab-Aufklärung über Kaiserschnitte wichtig

„Viele Kaiserschnitt-Mütter, die an den psychischen Folgen ihres Kaiserschnittes leiden, berichten mir, dass sie sich über den Eingriff nicht ausreichend aufgeklärt gefühlt haben“, sagt Mikolitch. Damit spricht sie ein Problem an, dass auch die GEK-Studie belegt: Nur die Hälfte der befragten Frauen, die einen sekundären, also einen nicht geplanten Kaiserschnitt bekamen, fühlten sich ausreichend in die ärztliche Entscheidung einbezogen. Nur 16 Prozent der Frauen gaben an, sich bereits während der Schwangerschaft überhaupt mit dieser Entbindungsform auseinandergesetzt zu haben. Für die meisten Schwangeren kam der Schnitt hingegen eher überraschend und unvorbereitet.  

„Hier besteht noch viel Informations- und Veränderungsbedarf“, meint Mikolitch. Sie wünscht sich, dass sich Frauen mit Hebammen oder Ärzten schon während der Schwangerschaft intensiver über einen möglichen Kaiserschnitt austauschen würden. Kainer ermutigt werdende Eltern, mit ihren Fragen offen an Ärzte und Hebammen heranzutreten: „Lassen Sie sich beraten, fragen Sie nach. Viele Ängste können auf diese Weise gemindert werden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.11.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung