Verschluckte Gegenstände

Immer wieder kommt es vor, dass Kinder Gegenstände verschlucken. Gelangen sie in Luftröhre oder Lunge, wird es gefährlich. Was dann zu tun ist.

Baby spielt © Thinkstock
(Berlin – 19.10.2012) Babys und Kleinkinder stecken so ziemlich alles in den Mund, was ihnen in die Quere kommt. Nicht selten geht der Forscherdrang der Kleinen so weit, dass sie kleine Teile verschlucken. Gelangen sie in die Atemwege, handelt es sich um einen Notfall. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erklärt, was Eltern und Ärzte tun müssen, um den Kindern schnell und sicher zu helfen.

Husten auslösen oder fördern

Kleine Kinder und Babys erkunden ihre Welt über den Mund. Dabei kann es vorkommen, dass sie etwas verschlucken. Gelangt der Fremdkörper in die Luftröhre oder die Lunge, führt das meist zu heftigen Hustenattacken. „Der Hustenstoß ist in diesem Fall ein echter Segen. Das Kind sollte angehalten werden, weiter zu husten, um den Gegenstand auszuspucken“, sagt Dr. Michael Sasse, Präsidiumsmitglied der DIVI und leitender Oberarzt der Intensivstation der Kinderkardiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.  

„Wenn das Kind allerdings nicht ausreichend stark hustet, müssen Eltern schnell aktiv werden. Am besten helfen wirklich kräftige Schläge auf den Rücken, um einen künstlichen Hustenstoß zu erzeugen“, so Sasse. Gleichzeitig sollte man sofort den Notarzt rufen. Gelingt es nicht, den Fremdkörper zu beseitigen und der Zustand des Kindes verschlechtert sich, kann es notwendig werden, bis zum Eintreffen des Arztes eine Herzdruckmassage durchzuführen.

Gegenstand nicht mit den Fingern entfernen

„Liegt der Fremdkörper im tiefen Rachenbereich, sollten die Eltern nicht nach dem Gegenstand fingern“, rät der Experte. „Das führt entweder zu gefährlichem Erbrechen oder dazu, dass man das Stück noch tiefer in den Körper hineindrückt.“ Vorsicht ist aber auch geboten, wenn ein verschluckter Gegenstand nur geringe Symptome verursacht. „Das kann ein leichterer Husten sein oder Atemprobleme, die als Bronchitis oder Asthma fehlgedeutet werden“, sagt Sasse. „Auch Würgen oder pfeifende Einatemgeräusche sind ein Hinweis. In allen Fällen ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.“

Verschluckte Teile können zu Lungenentzündung führen

Wichtig ist, dass der Arzt alle verschluckten Teile entfernt. „Vor allem die beliebten Nüsse oder ungekochte Karotten können zerbröseln oder in kleine Teile zerfallen“, sagt Professor Thomas Nicolai, Oberarzt der Kinderchirurgie am Klinikum der Universität München. „Denn wenn sie die Atemwege weiter reizen, kann es zu einer Lungenentzündung kommen. Außerdem können sich dort Bakterien ansiedeln, die sich zu einer echten Gesundheitsgefahr entwickeln können.“

Mithilfe einer Bronchoskopie können Ärzte alle Gegenstände aufspüren und gleichzeitig entfernen. Diese wird unter einer kurzen Narkose durchgeführt. „Je nach Befund führen wir ein starres oder biegsames Endoskop durch den Mund ein“, sagt der Kinderchirurg. „Es verfügt über eine Lichtquelle und eine Betrachtungslupe. Wenn wir fündig werden, kommt immer ein starres Endoskop zum Einsatz. An dessen unterem Ende befindet sich eine Zange, mit der wir eventuell vorhandene Gegenstände dann greifen und entfernen können.“

Die meisten Gegenstände nehmen natürlichen Weg

Glücklicherweise gelangen die meisten verschluckten Gegenstände jedoch nicht in die Luftröhre, sondern in den Magen und nehmen einen natürlichen Weg. Dinge, die kleiner sind als zwei Zentimeter, wandern meist problemlos durch den Verdauungstrakt und werden nach spätestens vier bis fünf Tagen ausgeschieden. „Ist das nicht der Fall, müssen wir ebenfalls mit dem Endoskop tätig werden“, sagt Prof. Nicolai. Immer problematisch sind allerdings Knopfbatterien. Sie können sich im Inneren des Körpers entladen und giftige Inhaltsstoffe freigeben. In diesen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.10.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: dapd
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