Stillen macht schlank

Stillen und die Anzahl der Kinder wirken sich auf den Body-Mass-Index von Frauen nach den Wechseljahren aus, aber ganz gegensätzlich.

Stillen © Thinkstock
(London – 11.07.2012) Schwangerschaften und Stillen wirken sich noch Jahrzehnte später auf das Körpergewicht einer Frau aus. Das zeigt eine Studie1) britischer Forscher mit fast 750.000 Teilnehmerinnen. Wie die Wissenschaftler feststellten, reduziert jedes halbe Jahr des Stillens den Body-Mass-Index (BMI) langfristig um ein Prozent. Allerdings steigt der BMI von Frauen nach den Wechseljahren mit jedem Kind, das sie zuvor geboren haben. Diese Unterschiede im Körpergewicht sind bei über 50-Jährigen noch deutlich messbar. Sie seien zudem unabhängig von anderen Risikofaktoren, berichten die Forscher im Fachmagazin „International Journal of Obesity“. Das zeigt, dass die Reproduktionsgeschichte von Frauen einen langfristigen Effekt auf ihr Körpergewicht hat.

Gegensätzliche Wirkung

Die Forscher stellten fest, dass Geburtenzahl und Stillen das Körpergewicht der Frauen auf einander entgegengesetzte Weise beeinflussen. Mit jedem Kind stieg der BMI der Studienteilnehmerinnen leicht an. Frauen, die vier oder mehr Kinder geboren hatten, hatten nach den Wechseljahren einen im Durchschnitt um 1,7 Punkt höheren BMI als kinderlose Frauen. Bei den Studienteilnehmerinnen, die insgesamt mindestens sechs Monate lang gestillt hatten, lag der Body-Mass-Index nach den Wechseljahren um rund 0,22 Punkte niedriger als bei nicht stillenden Frauen, berichten Kirsty Bobrow von der University of Oxford und ihre Kollegen. Bei einem durchschnittlichen BMI der Studienteilnehmerinnen von 26,2 entspreche dies knapp einem Prozent. Hatten die Frauen insgesamt zehn Monate gestillt, erhöhte sich der Spareffekt beim BMI sogar auf 0,5 Punkte.

Eine Reduktion des BMI um ein Prozent allein durch das Stillen klingt zunächst nicht viel. „Aber wenn der durchschnittliche Body-Mass-Index in der westlichen Welt nur ein Prozent geringer wäre, könnte dies die Häufigkeit der durch Übergewicht ausgelösten Krankheiten deutlich reduzieren“, schreiben Bobrow und ihre Kollegen. Denn Übergewicht gilt als entscheidender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und in geringerem Maße auch für Krebs.

Effekt unabhängig von anderen Risikofaktoren

Die Effekte von Stillen und Geburten seien voneinander unabhängig und auch nicht durch andere Faktoren wie Ernährung, Rauchen oder soziales Umfeld beeinflusst, schreiben die Forscher. Frauen mit höherem Einkommen hatten zwar im Durchschnitt einen niedrigeren BMI als Frauen aus weniger guten Verhältnissen. Dennoch ist der Einfluss der Geburten und des Stillens bei beiden Gruppen klar erkennbar und vergleichbar hoch. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese beiden Faktoren das Körpergewicht langfristig ähnlich stark beeinflussen wie die sozioökonomische Gruppe, das Rauchen oder andere bekannte Risikofaktoren“, erklären Bobrow und ihre Kollegen.

Für ihre Studie hatten die Forscher Daten der sogenannten Million Women Study ausgewertet. Dafür hatte der britische National Health Service in den Jahren 1996 bis 2001 rund eine Million Frauen zwischen 50 und 64 Jahren befragt und untersucht. Sie wurden dabei unter anderem nach der Zahl ihrer Geburten und ihren Stillgewohnheiten gefragt, aber auch nach Ernährungsgewohnheiten, Einkommen, Bildung, Tabakkonsum und anderen gesundheitlich wichtigen Faktoren. Alle Teilnehmerinnen wurden zudem gewogen und medizinisch untersucht. Die Daten von 740.628 Frauen gingen in die Studie von Bobrow und ihren Kollegen ein.  



1)Persistent effects of women’s parity and breastfeeding patterns on their body mass index: results from the Million Women Study

http://www.nature.com/ijo/journal/vaop/ncurrent/full/ijo201276a.html
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.07.2012
  • Autor/in: vitanet.de-mp
  • Quellen: dapd
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