Konkurrenz in Mamas Bauch

Erstgeborene sind oft nicht glücklich, wenn sie ein Geschwisterchen bekommen. Doch Eltern können einiges tun, um ihr Kind positiv zu stimmen.

Kind neben Babybauch © Thinkstock
(Berlin/Fürth – 11.05.2012) Das zweite Kind ist unterwegs – jetzt geht es richtig rund im Familienleben. Denn für einen Menschen steht die radikalste Veränderung seines Lebens an: das bisherige Einzelkind. Zeit, Platz und die Aufmerksamkeit der Eltern muss das Kind nun teilen. Jetzt sind Mutter und Vater gefragt, möglichen Frust in Vorfreude zu verwandeln.

„Wenn ein neues Kind geboren wird, ist das für das ältere die gravierendste Veränderung überhaupt“, sagt Andreas Engel, Psychologe und Vizevorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. „Logisch, dass Kinder der Geburt ihres ersten Geschwisterchens mit gemischten Gefühlen entgegensehen“, meint auch Professor Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind.

Für viele Eltern mag mit der zweiten Schwangerschaft das Glück perfekt sein – doch sollten sie von ihrem Kind nicht nur Jubel erwarten, sagen beide Experten. „Wenn Eltern andere Gefühle nicht zulassen, ist das für das Kind sehr belastend“, so Maywald. Auch auf Desinteresse, Ablehnung oder gar Hassgefühle gegenüber dem Geschwisterkind sollten sich Vater und Mutter gefasst machen. „Das Baby soll zurück in den Bauch“ – laut dem Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind ist das eine durchaus typische Reaktion von älteren Geschwistern.

Das Kind in die Vorbereitungen einbeziehen

Doch Eltern können viel dafür tun, ihr Kind positiv einzustimmen. „Der Schlüssel ist die Teilhabe des Kindes an den Vorbereitungen, das Baby willkommen zu heißen“, sagt Maywald. „Kinder fühlen sich viel besser, wenn sie etwas tun können, als wenn sie das Geschehen nur passiv mitbekommen und gewissermaßen erdulden müssen.“ Zudem ist es für ein Kind spannend zu erleben, wie das Baby im Bauch der Mutter wächst und sich bewegt. Die Eltern können das Kind beispielsweise mitnehmen zur Ultraschalluntersuchung, wo es die Herztöne des Babys abhorchen kann. „Das Kind kann auch das Zimmer des Neugeborenen mitgestalten – man kann gemeinsam überlegen, wo das Bettchen stehen soll oder welche Sachen das Baby brauchen wird“, sagt Maywald. „So entsteht Verantwortung und Fürsorge – das unterstützt ein positives Geschwisterverhältnis.“

Dass die Familie ein Baby erwartet, sollten die Eltern ihrem Kind gleich von Anfang an erzählen, sagen beide Experten. Die monatelange Wartezeit sei für Kinder zwar schwer zu erdulden, aber auch ein schöner Anlass, über Schwangerschaft und Geburt zu sprechen und ein Zeitgefühl zu vermitteln.

Wenn Große wieder klein sein wollen

Ist das Baby einmal da, beginnt eine turbulente Phase. Dennoch sollten Vater und Mutter bewusst Zeit für das ältere Kind einplanen. Wenn die Mutter stillt, ist das nicht immer leicht. Aber auch das lässt sich vorbereiten, erklärt Maywald: „Eine schöne Idee ist es, Kinder eine Still-Box mit attraktiven Spielsachen zusammenstellen zu lassen. So kann sich das Kind in seiner eigenen Welt beschäftigen, wenn die Mutter stillt. Neid und Eifersucht werden so ein bisschen in Schach gehalten.“

Einige Kinder reagieren den Experten zufolge auch mit scheinbaren Entwicklungsrückschritten – etwa indem sie wieder einnässen. Problematisch ist das laut Maywald nur, wenn es andauert. Dann sei professionelle Hilfe gefragt. Engel rät Eltern, offen zu reagieren, wenn Kinder in dieser Zeit wieder klein sein wollen. Sie könnten etwa das ältere Kind fragen, ob es auch gewickelt werden will. „So stellen sie Identifikation mit dem Baby her“, sagt er. Ausschließen lassen sich Eifersucht oder Rivalität zwischen Geschwistern jedoch nie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.05.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cw
  • Quellen: dapd
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