Plötzlich Langschläfer

In der Pubertät fällt es vielen Jugendlichen auf einmal ziemlich schwer, morgens aus dem Bett zu kommen. Schuld daran ist ihre innere Uhr.

Frau schläft Schlafstörungen © Thinkstock
(Regensburg – 03.01.2012) Die Zeit am Morgen rennt, doch der Schulbus wartet nicht. Für die Eltern Pubertierender sind die morgendlichen Weckaktionen einfach nur anstrengend: „Dabei können Teenager überhaupt nichts dafür, dass sie morgens nicht aus dem Bett kommen“, sagt Prof. Jürgen Zulley, Psychologe am Schlafmedizinischen Zentrum in Regensburg.

Die Wissenschaft der Chronobiologie benennt Frühaufsteher und Langschläger nach Vögeln: Lerchen stehen gerne früh auf, Eulen ziehen sich lieber noch mal die Decke über die Ohren. „Während der Pubertät werden die meisten Jugendlichen zumindest phasenweise zu Eulen“, erklärt der Schlafforscher. Und das führt oft zu Streit zwischen Eltern und Kind. Während viele Eltern glauben, dass spätes Fernsehen, Lesen oder Partys die Wurzel allen Übels ist, weiß Zulley aus Untersuchungen, dass sich während der Pubertät die innere Uhr verstellt: „Die Jugendlichen ticken einfach anders.“ Warum das so ist, können die Wissenschaftler nicht genau erklären. Zulley vermutet, dass hinter den veränderten Schlafgewohnheiten die Hormone stecken. „Im Körper finden während der Pubertät viele Umbauprozesse statt, die vermutlich auch den Schlafrhythmus betreffen.“

Licht hilft beim Aufstehen

Während es am Wochenende nicht so wichtig ist, wann sich die Tochter oder der Sohn aus dem Bett erheben, erfordert der Schulalltag zumindest einigermaßen pünktliches Aufstehen. Zulley empfiehlt sanfte Weckvarianten, etwa die Mobilisierung durch Licht. Im Sommer können Eltern zum Beispiel einfach frühzeitig die Rollos oder Jalousien aufziehen. Im Herbst und Winter hilft ein Lichtwecker, die Produktion des Schlafhormons Melatonin rechtzeitig vor dem Aufstehzeitpunkt zu beenden.

„Oft müssen Jugendliche zu einem Zeitpunkt aufstehen, zu dem sie noch im Tiefschlaf sind. Das macht es natürlich nicht leichter“, gibt der Schlafforscher zu bedenken. „Ich empfehle immer, einfach mal mit den Aufstehzeiten zu experimentieren, sie ein wenig zu verschieben.“

Generell bleibe Eltern aber häufig nichts anderes übrig, als die Langschläfer-Marotte ihres Kindes gelassen als vorübergehendes Phänomen zu betrachten, sagt Zulley: „Früher oder später geht auch das wieder vorüber.“

Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: dapd
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