Pille: Nutzen und Risiko

Die Antibabypille hat viele Vorteile: Sie ist kostengünstig, zuverlässig und beugt Regelschmerzen vor. Doch sie ist nicht für alle Frauen geeignet.

(Hamburg/Heidelberg – 20.09.2011) In Deutschland ist die Pille auch 50 Jahre nach ihrer Einführung das mit Abstand beliebteste Verhütungsmittel. Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge verhüten 53 Prozent der Frauen mit der klassischen Pille, also einem Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat. 37 Prozent benutzen (oft als Ergänzung zur Pille) ein Kondom. An dritter Stelle der Verhütungsmethoden folgen mit jeweils 10 Prozent die Spirale und die Sterilisation.

Die Pille hat viele Vorteile

„Deutschland ist ein absolutes Pillen-Land“, sagt Anneliese Schwenkhagen, Gynäkologin aus Hamburg. Die klassische Pille ist bequem anzuwenden, kostengünstig und zuverlässig. Einem Kinderwunsch stehe die Pille nicht im Weg: „Die Pille schädigt die Fertilität nicht“, sagt Schwenkhagen. Im Gegensatz zu den sogenannten Depot-Spritzen. Sie können, über einen langen Zeitraum hinweg gegeben, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Die regelmäßige Einnahme der Pille hat zudem positive Effekte auf starke Regelblutungen und einen unregelmäßigen Zyklus. Sie schwächt Regelschmerzen ab, kann Endometriose vorbeugen und lindert Beschwerden des prämenstruellen Syndroms. „Außerdem minimiert die Pille das Risiko, an Gebärmutterschleimhautkrebs und Eierstockkrebs zu erkranken“, sagt Schwenkhagen. Doch bei allen Vorzügen wird oft vergessen, dass die Pille nicht für jede Frau gleichermaßen geeignet ist.

Keine Pille bei Thrombose-Risiko

Bestimmte Faktoren können in Verbindung mit der Pille zu einer Thrombose führen. Anneliese Schwenkhagen hat in ihrer Praxis für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin die Erfahrung gemacht, dass viele Patientinnen wenig oder gar nichts über ihre eigene Familiengeschichte erzählen können. „Gerade junge Frauen wissen oft nicht, welche Krankheiten in ihrer Familie vorkommen und ob und wie sie selbst vorbelastet sind.“ Diese Unwissenheit kann dazu führen, dass Frauen mit der Pille verhüten, obwohl sie damit ein hohes gesundheitliches Risiko eingehen.

„Zu den Risikofaktoren gehören das Rauchen, Bluthochdruck, Migräne, Übergewicht oder Thrombosen in der Familie“, sagt Schwenkhagen. Wer familiär vorbelastet ist, sollte sich unbedingt für eine andere Verhütungsmethode entscheiden. Ohne die Pille bekommt im Mittel jede vierte bis fünfte von 10.000 Frauen eine Thrombose. Mit der Pille verdoppelt sich dieses Risiko.

„Verhütung ist aber immer eine individuelle Abwägung von Risikofaktoren auf der einen Seite und dem psychosozialen Kontext auf der anderen Seite“, sagt Schwenkhagen. Vergesslich oder nicht? Unregelmäßiger Tagesablauf oder nicht? In den nächsten ein bis zwei Jahren ein Kinderwunsch oder nicht? All diese Fragen spielten eine Rolle. „Ist die Patientin dann über ihre Familiengeschichte informiert und sich selbst gegenüber ehrlich, findet man die ideale Verhütungsmethode“, sagt Schwenkhagen. Die Alternativen reichen von östrogenfreier Pille und Vaginalring bis zur Spirale.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.09.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cw
  • Quellen: dapd
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