Kaffee nach dem Essen

Warum tut ein Espresso nach dem Essen dem Magen gut? Forscher sind nun der verdauungsfördernden Wirkung von Kaffee auf den Grund gegangen.

Frau trinkt Kaffee © iStock
(Bonn – 08.08.2017) Aus verbreiteten Ernährungsgewohnheiten lassen sich manchmal wissenschaftliche Zusammenhänge erahnen, die noch nicht umfassend erforscht sind. Zum Beispiel der Espresso nach dem Essen, der irgendwie gut tut – aber warum?

Durch Kaffeetrinken verzögert sich die Magensäureausschüttung

Ein Team aus Wissenschaftlern unter der Leitung der Universität Wien ist nun – unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke (DIfE) – dem Phänomen auf die Spur gekommen: Nicht nur im Mund, sondern auch im Magen befinden sich beim Menschen Rezeptoren für Bitterstoffe. Eine wichtige Funktion der Rezeptoren: Die Warnung vor giftigen, weil häufig bitteren Inhaltsstoffen in der Nahrung. Eine andere wichtige Funktion ist die nun erforschte Stimulierung der Magensäureausschüttung – und zwar durch beide Arten von Bitterrezeptoren, im Mund wie im Magen. Mit dem Unterschied, dass es bei der Passage durch den Mund – also etwa beim Kaffeetrinken – zu einer Verzögerung der Magensäureausschüttung kommt, während die Ausschüttung nach der Einnahme von Magenkapseln lediglich nach etwa dreißig Minuten auftritt. Je bitterer der Stoff empfunden wurde, desto mehr Magensäure wurde faktisch ausgeschüttet.

Therapeutika gegen Magenübersäuerung?

Fest steht: Bitterstoffe spielen eine generelle Rolle bei der Regulierung der Magensäureproduktion. „Es wäre daher denkbar, dass sich Bitterstoffe oder Bitterblocker zukünftig als Therapeutika einsetzen ließen, um eine Übersäuerung des Magens zu behandeln“, sagt Studienleiterin Veronika Somoza von der Universität Wien.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.08.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Bundeszentrum für Ernährung (Friederike Heidenhof): Kaffee als Magenbitter. Ursachenforschung zur verdauungsfördernden Wirkung
  • Pressemitteilung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke: Bitterrezeptoren in Mund und Magen wirken regulierend auf die koffeinbedingte Magensäureausschüttung