Kein Zöliakie-Schnelltest

Wer Symptome zeigt, die auf eine Zöliakie hinweisen können, will rasch Gewissheit haben. Vom Griff zum Schnelltest raten Experten jedoch ab.

Frau isst belegtes Baguette © iStock
(Stuttgart – 04.05.2017) Rund ein Prozent der Deutschen ist von Zöliakie, einer Unverträglichkeit des Klebereiweißes Gluten, betroffen und muss lebenslang Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen oder Gerste meiden. Die Unverträglichkeit geht oft mit unterschiedlichen Symptomen – von Durchfall und Bauchschmerzen bis hin zu Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Unfruchtbarkeit – einher und kann lange unentdeckt bleiben. Verunsichert durch diese unterschiedlichen Symptome vertrauen immer mehr Menschen auf Zöliakie-Schnelltests.

Schnelltests bieten keine sichere Diagnose

Die Schnelltests sind rezeptfrei in der Apotheke oder im Internet erhältlich und stellen anhand eines aus der Fingerspitze entnommenen Bluttropfens die Konzentration an zöliakietypischen Transglutaminase-IgA-Antikörpern fest. Eine sichere Diagnose bieten diese Schnelltests jedoch nicht. „Falsch positive Ergebnisse können ebenso auftreten wie eine voreilige Entwarnung“, erklärt Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG). „Zum einen sind nicht bei allen Betroffenen die im Test herangezogenen IgA-Antikörper nachweisbar, denn einer von 1.000 Menschen bildet diese Abwehrstoffe genetisch bedingt nicht aus. Zum anderen produzieren manche Menschen Transglutaminase-IgA-Antikörper, ohne von Zöliakie betroffen zu sein.“ Vertrauen diese Personen auf das Ergebnis des Schnelltests, bleibt die Zöliakie unerkannt und es wird weiterhin glutenhaltig gegessen, was Folgeerkrankungen begünstigt. Oder es wird lebenslang eine aufwändige, strikte Diät eingehalten, die medizinisch nicht nötig ist.

Sichere Diagnose durch zweistufiges Diagnoseverfahren

Zuverlässig diagnostizieren lässt sich eine Zöliakie nur durch den Facharzt – einen Gastroenterologen. Er überprüft neben der Konzentration an Transglutaminase-IgA-Antikörpern im Blut noch weitere Parameter, um Fehldiagnosen auszuschließen. Bei einem positiven Ergebnis führt er zudem eine Dünndarmbiopsie durch. Die bei einer Zöliakie auftretende Entzündung der Darmschleimhaut lässt sich so zuverlässig erkennen. „In Deutschland ist dieses zweistufige Verfahren der vorgegebene Standard für eine sichere Diagnose der Zöliakie“, so Baas. „Der Patient muss sich allerdings bis zur Diagnose glutenhaltig ernähren. Denn eine vorsorgliche glutenfreie Ernährung verfälscht das Ergebnis der Untersuchungen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft: Zöliakie: Keine sichere Diagnose durch Schnelltests