PPIs nicht zu lang einnehmen

Die langfristige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren – auch Magensäureblocker genannt – verursacht womöglich mehr Nebenwirkungen als gedacht.

Frau hat Tablette in der Hand © iStock
(Berlin – 01.02.2017) Protonenpumpeninhibitoren (PPI) – umgangssprachlich auch Magensäureblocker oder Magenschutz genannt – gehören zu den Medikamenten, die hierzulande am häufigsten eingenommen werden. Nach Angaben des aktuellen Arzneimittelverordnungs-Reports hat sich ihre Verordnung in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Protonenpumpeninhibitoren sind wichtige Medikamente, so die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Vielfach werden sie jedoch auch bei Beschwerden eingesetzt, für die sie nicht geeignet sind.

PPI nur unter ärztlicher Betreuung und bei sicherer Diagnose

In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte, als bislang bekannt. Eine Dauermedikation sollte deshalb nur unter ärztlicher Betreuung und bei klar abgesicherter Diagnose erfolgen, empfiehlt die DGVS.

Protonenpumpeninhibitoren reduzieren die Bildung von Magensäure. „Diese Medikamente sind wirksam und wichtig zur Behandlung und Vorbeugung bestimmter säureassoziierter Magenerkrankungen wie der Refluxkrankheit, der gastroduodenalen Ulkuskrankheit, des Barrett-Ösophagus oder des Zollinger-Ellison-Syndroms“, erklärt Prof. Dr. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik, Universitätsmedizin Mannheim. „In manchen Fällen ist auch ihr Einsatz als ‚Magenschutz‘ – also als Vorsorge von Magenblutungen ausgelöst durch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Acetylsalicylsaure oder nichtsteroidale Antirheumatika – sinnvoll und wichtig“, so der Gastroenterologe.

PPIs werden oft langfristig eingenommen

Zu häufig aber werden laut dem Experten Protonenpumpeninhibitoren auch bei Beschwerden angewandt, bei denen ihr Nutzen nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist. Hierzu zählt vor allem der Reizmagen. „Das Reizmagensyndrom ist nicht ganz leicht zu behandeln, denn seine Symptome und die Ursachen sind vielfältig. Aus Mangel an effizienten Therapien wird dann nicht selten auf PPIs zurückgegriffen“, so Ebert.  

Die unkritische Einnahme von PPIs bei unspezifischen und teils auch ernährungsbedingten Magenbeschwerden – etwa Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit – werde zudem dadurch begünstigt, dass die Medikamente auch freiverkäuflich in Apotheken erhältlich sind. Aus dem gelegentlichen Griff zu den PPIs kann schnell eine Dauereinnahme werden. Der Grund: Beim abrupten Absetzen eines PPI kann es bei manchen Patienten zu einer überschießenden Produktion von Magensäure kommen – dann treten die Symptome, gegen die das Medikament ursprünglich eingenommen wurde, eine gewisse Zeit lang sogar noch verstärkt auf. „Das führt nicht selten dazu, dass Patienten das Medikament dann weiter einnehmen und langfristig dabei bleiben“, so der Gastroenterologe.

Langfristige Einnahme hat möglicherweise Nebenwirkungen

In jüngster Zeit mehren sich Hinweise und Studien, dass eine langfristige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren – über mehrere Monate oder sogar Jahre – mit möglichen Nebenwirkungen assoziiert ist. Zu den unter Wissenschaftlern diskutierten möglichen Risiken zählen insbesondere ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und eine Veränderung der Darmflora. Verschiedene Untersuchungen zeigten auch, dass bei langfristiger Einnahme von PPIs die Rate an Darminfektionen mit Erregern wie Clostridium difficile oder Campylobacter zunahm. „Hier muss man jedoch betonen: Bei vielen der vermuteten Nebenwirkungen ist die Studienlage bislang noch dürftig und teils auch widersprüchlich“, sagt Prof. Dr. Christian Trautwein vom DGVS. Gesicherte Erkenntnisse gebe es bislang kaum – es brauche weitere, aussagekräftige Studien, um die aktuellen Hinweise zu belegen oder zu widerlegen.

„Dennoch müssen die aktuellen Hinweise Anlass dazu geben, die bislang recht unkritische Verschreibung und Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren zu überdenken“, so Trautwein. „Bislang waren PPIs für ein sehr gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis bekannt, weshalb die Verordnung oft sehr großzügig und die Indikationsstellung recht weit gefasst war – das muss sich ändern.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Magensäureblocker: Ohne eindeutige Diagnose nicht langfristig einnehmen