Sensitivität oder Zöliakie?

Wenn Weizenprodukte Beschwerden verursachen, kann zum Beispiel eine Weizensensitivität oder Zöliakie dahinterstecken. Wie sie sich unterscheiden. 

Mann isst ein Brot © iStock
(Stuttgart – 19.12.2016) Immer mehr Menschen verspüren Bauchschmerzen oder ein Unwohlsein in unterschiedlicher Form nach dem Verzehr von Brot, Pasta oder anderen getreidehaltigen Lebensmitteln. Die Ursache kann die Glutenunverträglichkeit Zöliakie sein, die sich mittels Bluttest und Dünndarmbiopsie feststellen lässt. Handelt es sich nicht um Zöliakie und treten dennoch Beschwerden auf, liegt möglicherweise eine Weizensensitivität vor. Wie sich die beiden Krankheitsbilder unterscheiden und wie Betroffene die richtige Diagnose und Behandlung erhalten.

Weizensensitivität: Diagnose im Ausschlussverfahren

Das Krankheitsbild der Weizensensitivität ist bislang wenig erforscht. Seine Symptome gleichen zum Teil denen der Zöliakie. Eine Diagnose können Fachärzte derzeit nur im Ausschlussverfahren stellen. „Bei einer Zöliakie verursacht Gluten, das zum Beispiel in den Getreidesorten Weizen, Dinkel, Gerste oder Roggen enthalten ist, eine Entzündung des Dünndarms. Diese Entzündung kann Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Nährstoffmangel hervorrufen. Durch einen Bluttest mit anschließender Dünndarmbiopsie lässt sie sich eindeutig diagnostizieren. Beschreibt der Patient jedoch zöliakietypische Symptome, eine Verschlechterung seines Allgemeinzustands oder bereits vorhandener chronischer Erkrankungen, während Bluttest und Biopsie keine Zöliakie anzeigen, wird eine Weizensensitivität in Betracht gezogen. Für die Ausschlussdiagnose sollte neben der Zöliakie außerdem eine Weizenallergie als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden“, erklärt Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan, führender Experte und Forscher auf dem Gebiet der Weizensensitivität.  

Der Verdacht wird durch eine weizenfreie Ernährung des Patienten mit anschließender Weizenprovokation bestätigt. „Es ist entscheidend, dass auch dieser Teil der Diagnose nur auf Anraten und in Begleitung des Arztes erfolgt. Eine Selbstdiagnose des Patienten kann zu einer falschen Einschätzung und Behandlung führen“, so der Experte.

Glutenfreie Diät einhalten

Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Weizensensitivität betroffen sind, sollten zur Besserung ihrer Symptome eine glutenfreie Diät einhalten. „Anders als bei einer Zöliakie muss diese Diät jedoch wahrscheinlich nicht so streng eingehalten werden“, erklärt Schuppan. „Möglicherweise reicht es schon aus, besonders starke Glutenquellen wie Weizenbrot, Pizza und Pasta vom Speiseplan zu streichen und damit den Konsum glutenhaltiger Getreide um 90 bis 95 Prozent zu reduzieren.“

So unterscheiden sich Zöliakie und Weizensensitivität

Zöliakie Weizensensitivität
Krankheitsbild Gluten verursacht Entzündungen des Dünndarms Natürliche Proteine im Getreide – sogenannte Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) – sind primäre Auslöser
Symptome Zahlreiche vielfältige Symptome wie Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Nährstoffmangel, Gedeihstörungen, Osteoporose, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Depressionen, Unfruchtbarkeit In der Regel Verschlechterung des Allgemeinbefindens und bereits vorliegender chronischer Erkrankungen – aber auch Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
Diagnose Nur durch den Facharzt: Bluttest auf zöliakietypische Antikörper – anschließend Dünndarmbiopsie Ausschlussverfahren durch den Facharzt: Zöliakie und Weizenallergie müssen ausgeschlossen werden, Symptome verschwinden bei weizenfreier beziehungsweise glutenfreier Ernährung
Therapie/ Behandlung Strikte, lebenslange glutenfreie Ernährung. Kleinste Spuren von Gluten führen zu erneuter Schädigung des Dünndarms Nach aktuellem Kenntnisstand muss die glutenfreie Ernährung nicht so strikt eingehalten werden wie bei Zöliakie
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.12.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der DZG – Deutsche Zöliakie-Gesellschaft: Weizensensitivität oder Zöliakie?
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