Fremdes in Magen und Darm

Verschluckte Fremdkörper können Schäden im Magen-Darm-Trakt anrichten. Deshalb sollten Betroffene zum Arzt gehen – auch ohne Beschwerden.

Frau fasst sich beim Arzt an den Hals © Thinkstock
(Berlin – 16.08.2016) Verschluckte Batterien und Magnete, aber auch spitze oder lange Objekte können den Magen-Darm-Trakt schädigen. Selbst wenn sie keine unmittelbaren Beschwerden verursachen, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dies gilt auch für große, feste Essensstücke, die in der Speiseröhre stecken geblieben sind. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hin.

Kompletter Speiseröhrenverschluss kann schwere Schäden verursachen

„Erwachsene kommen am ehesten wegen eines in der Speiseröhre festsitzenden Fleischstücks in die Notaufnahme, während bei Kindern eher verschluckte Münzen oder Spielsachen im Vordergrund stehen“, sagt Prof. Dr. Alexander Meining, Vorsitzender der DGVS-Sektion Endoskopie. Wie eine Erhebung aus den USA zeigt, suchen jährlich etwa 13 von 100.000 Erwachsenen wegen im Hals stecken gebliebenen Essens einen Arzt auf. „Bei einem kompletten Verschluss der Speiseröhre kann es zu schwerwiegenden Schäden an der Schleimhaut kommen“, so der Experte. Der Leiter der Endoskopie-Abteilung an der Klinik für Innere Medizin I der Ulmer Uniklinik empfiehlt, in solchen Fällen stets medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Ärzte können Abhilfe schaffen, indem sie das Hindernis sanft mit dem Endoskop in den Magen vorschieben und anschließend die Ursache der Verengung – meist eine Entzündung – abklären.

Nur selten ist eine Operation notwendig

Hat ein versehentlich verschluckter Gegenstand die Speisröhre bereits passiert, gilt es für die Mediziner hingegen, abzuwägen. „Ob wir eingreifen müssen oder nicht, hängt vor allem von der Größe und Form des Fremdkörpers ab“, erklärt Meining. Bei kleinen, rundlichen Dingen – etwa Münzen oder Knöpfen – ist die Gefahr eher gering. Diese passieren den Magen-Darm-Trakt meist, ohne Schäden anzurichten, und verlassen ihn dann in den nächsten Tagen auf natürlichem Weg wieder. „Rund 80 bis 90 Prozent der Fremdkörper finden gemeinsam mit dem Nahrungsbrei den Weg ins Freie“, so der Experte. „Etwa ein Fünftel können wir mithilfe eines Endoskops bergen und nur selten – bei weit weniger als einem Prozent – ist tatsächlich eine Operation notwendig.“ Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Arzt einen festsitzenden Gegenstand mit dem Endoskop nicht erreichen kann oder dieser bereits Schäden verursacht hat.

Bestimmte Gegenstände sollten unbedingt entfernt werden

Spitze, scharfe oder lange Gegenstände sollten – wenn möglich – per Röntgenaufnahme lokalisiert und innerhalb von 24 Stunden endoskopisch entfernt werden. Auch Knopfbatterien, aus denen ätzende Flüssigkeiten austreten können oder die durch lokalen Stromfluss im feuchten Milieu die Schleimhaut schädigen, dürfen nicht im Körper verbleiben. Dasselbe gilt für Magnete, die sich – sofern es mehrere sind – über eine Darmschlinge hinweg anziehen und so die Darmwand schädigen können.  

Bei der endoskopischen Untersuchung schiebt der Arzt einen dünnen Kunststoffschlauch über die Speiseröhre bis zu dem Objekt vor. Mithilfe der eingebauten Optik – kombiniert mit Zange, Schlinge oder Fangkorb – kann der Fremdkörper in eine günstigere Position geschoben oder sogar geborgen werden. Eine neue Leitlinie liefert Anhaltspunkte, welche Behandlung wann erforderlich ist – letztlich muss der behandelnde Arzt jedoch immer individuell entscheiden. „Gerade bei verschluckten Gegenständen ist es wichtig, dass Arzt und Patient aufmerksam sind und mögliche Symptome wie Würgereiz, Erbrechen, Schmerzen oder Unwohlsein erkennen und richtig einordnen“, sagt der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.08.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt: Verschluckte Nägel sicher bergen
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