Wenn Brot Probleme macht

Experten gehen davon aus, dass Zöliakie – die Unverträglichkeit von Gluten – bei vielen Menschen nicht diagnostiziert wird. Und das kann Folgen haben.

Brot © Thinkstock
(Berlin – 20.06.2014) Mindestens vier von 1.000 Menschen in Deutschland leiden an Zöliakie. Dabei handelt es sich um eine angeborene Autoimmunerkrankung, bei der es zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut kommt. Der Auslöser: das Klebereinweiß Gluten, das in Getreideprodukten enthalten ist. Folge der Erkrankung können beispielsweise Durchfall, Nährstoffmangel, aber auch Müdigkeit, Depressionen oder zum Beispiel eine Migräne sein.  

Oft zeigen sich jedoch auch keine klar umrissenen Symptome. In ihrer Leitlinie „Zöliakie“ gehen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) von „einer hohen Anzahl an erkrankten, aber nicht diagnostizierten Personen“ aus.

Zahlreiche Krankheiten können mit Zöliakie einhergehen

„Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit einer Zöliakie einhergehen“, sagt Professor Dr.  Detlef Schuppan, Leiter der Zöliakie-Ambulanz am Universitätsklinikum Mainz, der gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Dr. Andreas Stallmach aus Jena die Erstellung der Leitlinie koordiniert hat. Hierzu gehören vor allem andere Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 oder autoimmune Schilddrüsenentzündungen. Aber auch unklare Leberwerterhöhungen, rheumatische Beschwerden, Migräne, Depressionen, eine leichte Blutarmut oder Osteoporose sind nicht selten mit einer Zöliakie verbunden. „Bei diesen Risikopersonen und nahen Verwandten von Betroffenen sollten Ärzte einen Zöliakie-Test empfehlen“, meint Schuppan. Häufig merken die so entdeckten Zöliakie-Patienten erst mit der glutenfreien Diät, dass es ihnen unter glutenhaltiger Ernährung deutlich schlechter gegangen ist.

Viele Patienten haben überhaupt keine typischen Symptome

Beim Kleinkind zeigt sich eine Zöliakie meist mit typischen Symptomen wie Durchfällen, einem aufgeblähten Bauch sowie Mangelerscheinungen. Darüber hinaus wachsen und gedeihen die Kinder nicht gut. Erwachsene klagen bei der erstmaligen Diagnose häufig über langbestehende Verdauungsbeschwerden, Erschöpfung und psychische Beeinträchtigungen. Viele Patienten haben auch überhaupt keine typischen Symptome. „Die Zöliakie kann in jedem Alter auftreten und hat sehr viele Erscheinungsformen. Wir nennen sie daher auch das ‚Chamäleon der Gastroenterologie‘ “, sagt Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena.

Blutuntersuchung gibt Aufschluss

Um eine Zöliakie nachzuweisen, untersuchen Mediziner das Blut auf die in der Regel erhöhten Autoantikörper gegen das Enzym Gewebetransglutaminase. Haben die Patienten sich bis zuletzt glutenhaltig ernährt, können die Ärzte damit die Erkrankung normalerweise von ähnlichen Leiden wie der Weizenallergie oder einer Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität unterscheiden. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, können genetische Risikomarker im Blut Aufschluss geben. Den Verdacht bestätigt dann die Untersuchung von Gewebeproben aus dem Dünndarm.

Therapie: Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel

Den Betroffenen hilft nur der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel aus Weizen, Dinkel, Gerste oder Roggen – zum Beispiel Brot, Nudeln, Pizza oder Bier. Hierzu gehören heutzutage auch die meisten verfeinerten Nahrungsmittel, denen häufig Gluten beigemengt ist. „Ärzte und Patienten müssen wissen, dass eine frühe Diagnose und die damit verbundene Empfehlung zur glutenfreien Diät Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen verhindern kann“, sagt Stallmach. Bleibt die Krankheit unentdeckt, erhöht dies unter anderem das Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen wie etwa Diabetes mellitus Typ 1.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.06.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften