Sport: eine effektive Zusatztherapie bei Krebs

Sport bekämpft Krebs – und die positiven Wirkungen zeigen sich nicht nur in Bezug auf die Lebensqualität, sondern auch für Therapieergebnisse, Mortalität und Rückfallraten. Wie Sport auf den krebskranken Körper wirkt und wie viel Sport Sie dann treiben sollten.

Sporttherapie bei Krebs © iStock
(Berlin – 08.04.2019) Diagnose und Therapie einer Krebserkrankung führen während der Behandlung, aber auch oft noch danach dazu, dass die Lebensqualität deutlich abnimmt. Meistens kommt es auch zu einer stark reduzierten körperlichen Aktivität. Bewegung, Sport und gezieltes Training sind jedoch zunehmend – nicht nur in Kombination mit der Therapie, sondern als zusätzliche, eigenständige Maßnahme – weltweit Gegenstand vieler Studien. Eine Übersichtsarbeit der aktuellen Studienliteratur belegt die positive Wirkung von Sport bei Krebs – nicht nur in Bezug auf die Lebensqualität, sondern auch für Therapieergebnisse, Mortalität und Rückfallraten.

Körperliche Aktivität bei Krebs kann die Mortalität senken

Beobachtungsstudien zeigen für verschiedene Krebsformen, dass körperliche Aktivität sowie gezieltes Training mit einem Rückgang des Krebsrückfall-Risikos und sogar der Mortalität einhergehen. Gleichermaßen scheint Bewegung und gezieltes Training die Wirksamkeit aller Krebstherapien zu verstärken, also der Chemo- und Immuntherapien sowie der Strahlentherapie.

Tumorwachstum: Sauerstoffmangel und Übersäuerung des Tumorgewebes

Die Krebsprogression (Tumorwachstum) und Metastasierung sind abhängig von der Bildung neuer Blutgefäße. Diese Blutgefäßbildung findet jedoch, anders als in gesunden Geweben, bei Krebs planlos und ungeordnet statt. Es entstehen sehr dünne, verknäuelte, unreife, teilweise undichte Gefäße und außerdem viele Kurzschlussverbindungen (sogenannte Shunts). Diese führen dazu, dass sich das sauerstoffreiche Blut nicht ausreichend im Tumorgewebe verteilen kann, sondern abfließt. Es kommt zu Sauerstoffmangel und Übersäuerung des Tumorgewebes. Ein Mikromilieu oxidativen Stresses im Tumor entsteht, was wiederum die tumoreigene Gefäßneubildung sowie die Aggressivität der Krebserkrankung anregt.

Das Tumor-Fatigue-Syndrom: Symptome und Behandlung

Eine weitere Begleiterscheinung dieses Mikromilieus ist das häufig auftretende Tumor-Fatigue-Syndrom. Es zeichnet sich durch eine allumfassende Erschöpfung, Kraft- und Antriebslosigkeit sowie ständige Müdigkeit aus, die sich durch Schlaf nicht bessert. Konzentrationsschwäche, Angst, Depressivität und weitere Symptome können hinzukommen und das tägliche Leben der Betroffenen stark einschränken. „Die Fatigue-Problematik gilt als eine Hauptursache einer reduzierten Lebensqualität und ist eine häufige Begleiterscheinung einer Tumortherapie und der Tumorbehandlung“, sagt Frau Prof. Dr. Stephanie Combs der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V. „Auch unter Strahlentherapie kann es zum Fatigue-Syndrom kommen.“

Es gibt derzeit keine Medikamente, die gezielt und nachweislich ein Fatigue-Syndrom heilen können. Allerdings gibt es wirksame Möglichkeiten, die Symptome zu bessern beziehungsweise aufzuhalten. Das sind: Bewegung beziehungsweise körperliche Aktivität und gezielte, sportliche Betätigung.

Welcher und wie viel Sport bei Krebs empfohlen wird

„Die Evidenz zu den positiven Effekten sportlicher Aktivität gilt heute als so stark – besonders bezüglich Fatigue und Lebensqualität, aber zunehmend auch hinsichtlich des Ansprechens von Chemo- und Strahlentherapien, einer Rückfallprophylaxe und dem Überleben, dass wir als Fachgesellschaft allen Bestrahlungspatienten/innen sportliche Aktivität empfehlen“, so Prof. Dr. Wilfried Budach, Düsseldorf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V. 

Grundsätzlich wird eine Kombination aus Ausdauer- und allgemeinem Krafttraining empfohlen. Es sollte eine individuell geeignete Sportart gefunden und das Anforderungsniveau allmählich gesteigert werden. Am besten geeignet ist ein Training unter Anleitung auf dem aktuellen Leistungsstand. Das kann zunächst ein täglicher 10-minütiger Spaziergang sein, aber auch dreimal wöchentliches Joggen. Natürlich können bestimmte Situationen Trainingspausen erfordern, wie frische Wundheilung oder Komplikationen wie Fieber oder Infektionen. Bei Knochenmetastasen besteht unter Umständen eine erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen durch ungeeignete Sportarten. Manchmal müssen bei und nach einer Bestrahlung spezielle Gegebenheiten berücksichtigt werden, denn starkes Schwitzen, reibende Kleidung oder Chlorwasser können die Haut zusätzlich reizen.

„Die Erkenntnisse zum positiven Einfluss von körperlicher Bewegung und Sport bei Krebspatienten sind ganz besonders wichtig bei der Patientenberatung. Leider raten einige Onkologen und Hausärzte noch immer eher zu körperlicher Schonung“, sagt Prof. Dr. Combs.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.04.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V. vom 25. März 2019: Sport als effektive Zusatztherapie zur Strahlentherapie bei Krebs