Prostatakrebs: Hormonentzugstherapie kann verkürzt werden

Wird Prostatakrebs per Bestrahlung behandelt, folgt danach in der Regel eine lange und häufig belastende Hormonentzugstherapie. Eine neue Studie zeigt: Ihre Dauer kann verkürzt werden.

Älteres Paar lächelt. © iStock
(Berlin –  27.02.2019) Eine Möglichkeit, Menschen mit fortgeschrittenen oder Hochrisiko-Tumoren ohne Lymphknotenbefall oder Metastasen zu behandeln, ist die Strahlentherapie mit Langzeit-Hormonentzugstherapie. Während die Strahlentherapie relativ gut vertragen wird, treten bei vielen Patienten Probleme unter der Hormonentzugstherapie auf. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Therapie in diesen Fällen von 36 auf 18 Monate verkürzt werden kann – ohne, dass dadurch das Gesamtüberleben beeinträchtigt wird.

Prostatakrebs in Deutschland

Etwa drei von vier Prostatatumoren werden in einem frühen Stadium diagnostiziert. Doch bei einem Viertel der fast 65.000 Männer, die pro Jahr in Deutschland die Diagnose Prostatakrebs erhalten, ist der Tumor schon weiter vorangeschritten.

Therapieformen von Prostatakrebs

Personen mit fortgeschrittenen oder Hochrisiko-Tumoren ohne Lymphknotenbefall oder Metastasen können grundsätzlich zwischen zwei gleichwertigen Therapien wählen: Strahlentherapie kombiniert mit einer Hormonentzugstherapie oder Operation. Als Nebenwirkungen der Strahlentherapie können allerdings bei etwa drei von 100 behandelten Patienten schwere Blasen- oder Enddarmentzündungen auftreten. Der Nachteil der Operation ist das höhere Risiko, nach dem Eingriff impotent oder inkontinent zu bleiben. Dieses Risiko besteht zwar grundsätzlich auch nach der Strahlentherapie, ist aber deutlich geringer als nach der operativen Prostataentfernung.

„Die Strahlentherapie ist also verhältnismäßig sanft und mit weniger Langzeitfolgen verbunden", sagt Univ.-Prof. Dr. med. Stephanie Combs, Direktorin der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. „Der Grund ist, dass bei der Strahlentherapie das Bestrahlungsfeld millimetergenau an den Tumor angepasst wird. Das ermöglicht, dass der Tumor selbst mit hohen Strahlendosen behandelt werden kann, das umliegende Gewebe aber geschont wird. Man nennt das Verfahren intensitätsmodulierte Strahlentherapie, sie ist derzeit der Behandlungsstandard."

Hochrisikopatienten wird kombiniert mit einer Strahlentherapie immer eine Hormonentzugstherapie empfohlen. Bis dato gilt als Therapiestandard, diese medikamentöse Therapie nach Möglichkeit über 36 Monate, mindestens aber über 24 Monate durchzuführen.

Sehr häufig wird die Hormonentzugstherapie allerdings nicht gut vertragen. Denn sie kann zu Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen und vermindertem sexuellen Interesse/sexueller Aktivität durch den Testosteronabfall führen. Betroffene empfinden die Therapie dann im Hinblick auf die Lebensqualität als stark beeinträchtigend.

Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs verkürzen

Eine große randomisierte Phase-III-Studie zeigt nun, dass bei diesen Männern auch eine Verkürzung der Therapie erwogen werden kann. 630 Patienten erhielten zunächst vier Monate eine Hormonentzugstherapie und eine Strahlentherapie der Prostata und der Lymphabflusswege und wurden anschließend zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten eine Fortsetzung der Prostatabestrahlung und eine Hormonentzugstherapie – die eine Gruppe für weitere 32, die andere für weitere 14 Monate. Insgesamt dauerte die Hormonentzugstherapie 36 oder 18 Monate. Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie sich die verkürzte Hormonentzugstherapie auf das Gesamtüberleben und die Lebensqualität auswirkt.

Das Ergebnis: Die „Langzeit-Hormonentzugsgruppe" wies nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 9,4 Jahren kein höheres Gesamtüberleben auf. Auch im Hinblick auf das krankheitsspezifische Überleben zeigten sich keine signifikanten Unterschiede, jedoch waren in der Kurzzeitgruppe die PSA-Rückfälle signifikant häufiger. Die Lebensqualität dieser Gruppe steigerte sich allerdings: Es traten weniger körperliche Schwächen und Fatigue-Fälle auf, auch weniger Fälle von Pflegebedürftigkeit und signifikant weniger emotionale, soziale und sexuelle Beeinträchtigungen.

Zusammenfassung

„Das Ergebnis zeigt uns, dass wir bei Männern mit lokal fortgeschrittenem oder Hochrisiko-Prostatakarzinom die Therapiedauer der Hormonentzugstherapie auf 18 Monate verkürzen können, ohne ihre Überlebensprognose zu beeinträchtigen. Es muss aber festgestellt werden, dass junge Prostatakrebspatienten mit einer Lebenserwartung von deutlich über 10 Jahren von einer Langzeithormontherapie von mehr als 18 Monaten eventuell profitieren, da die Nachbeobachtungszeit von knapp 10 Jahren in der vorliegenden Studie für diese Patienten noch nicht ausreichend lang ist und die PSA-Rückfallrate nach 10 Jahren in der Gruppe der 18-monatigen Hormonentzugstherapie signifikant höher war. Die Lebensqualität als wichtiges Kriterium für die Bewertung von Krebstherapien wird durch eine Verkürzung der Behandlungszeit auf 18 Monate signifikant verbessert ohne das Überleben zu kompromittieren.“, sagt Priv. Doz. Dr. med. Dirk Böhmer, stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt der Klinik für Radioonkologie, Charité Universitätsmedizin, Campus Benjamin Franklin.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.02.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Nabid A, Carrier N, Martin AG et al. Duration of Androgen Deprivation Therapy in High-risk Prostate Cancer: A Randomized Phase III Trial. Eur Urol. 2018 Oct;74(4):432-441
  • Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V.: 18-monatige Hormonentzugstherapie nach Bestrahlung kann bei Hochrisiko-Prostatakrebs ausreichen