Neue Wirkstoffe gegen Lungenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs

Unerwartete Wirksamkeit – Eine neue Wirkstoffklasse, so genannte SHP2-Inhibitoren (Hemmstoffe), könnten auch gegen aggressive und schwer therapierbare Tumore wie Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs wirken.

Wissenschaftlerin findet Wirkstoff gegen Krebs © Technical University of MunichKathrin Ciecielski untersucht mit sogenannten "Colony Formation Assays" die Wirksamkeit neuer Medikamente an Pankreas- und Lungentumorzellen.
(München – 08.06.2018) Ein Team der Technischen Universität München (TUM ) zeigte im Mausmodell und an Patientenproben, dass ein neuer Anti-Krebswirkstoff gegen mehr Krebsarten eingesetzt werden könnte, als bisher angenommen – nämlich auch gegen Lungenkrebs (Lungenkarzinom) und Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). In laufenden klinischen Studien mit diesem Wirkstoff sind diese Krebsarten bisher ausgeschlossen.

KRAS-Protein spielt eine Rolle in der Tumorbildung

Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebsarten werden auch als KRAS-Tumore bezeichnet, da sie einen Fehler im Erbgut gemeinsam haben. Diese sogenannte Mutation führt dazu, dass das KRAS-Protein – es ist auch für die Zellteilung verantwortlich – nicht mehr korrekt funktioniert und dauerhaft aktiv ist. Aus diesem Grund teilt sich die Zelle unkontrolliert – Tumore entstehen. Etwa ein Drittel aller menschlichen Tumore sind KRAS-Tumore. Allerdings ist das Protein auch in gesunden Zellen aktiv und wichtig, sodass man es sich nicht einfach ausschalten kann.

Deshalb sucht ein Team vom Klinikum rechts der Isar andere Angriffspunkte. „Man glaubte bisher, dass die KRAS-Mutation so starke Auswirkungen hat, dass Angriffe an anderen Stellen folgenlos bleiben würden.“, sagte Prof. Hana Algül, Mildred-Scheel-Professor für Tumormetabolismus und Leiter der Gastrointestinalen Onkologie der Medizinischen Klinik II am Klinikum rechts der Isar. Die Forscherinnen und Forscher bewiesen in ihrer neuen Studie aber das Gegenteil. Das regulatorische Protein SHP2 ist – entgegen der bisherigen Annahme– auch in KRAS-Tumoren ein geeignetes Ziel für Medikamente ist und die neuen SHP2-Inhibitoren (Hemmstoffe) wirken.

Protein SHP2 ist essentiell für Tumorwachstum

Das Team arbeitete unter anderem mit Mäusen, die ein fehlerhaftes KRAS-Protein hatten. Entfernten die Wissenschaftler zusätzlich das Protein SHP2 bei den Tieren, bildeten sich keine Tumore mehr. Das Forschungsteam konnte somit beweisen, dass SHP2 für die Tumorbildung essentiell ist und deshalb SHP2 auch in den aggressiven KRAS-Tumoren ein entscheidendes Ziel für Therapien sein könnte.

Die Ergebnisse bestätigten sich, als sie die neuen SHP2-Inhibitoren im Mausmodell einsetzten: Bestehende Tumore wuchsen unter Einsatz des SHP2-Hemmstoffs langsamer und konnten besser kontrolliert werden.
Forscher finden Wirkstoff gegen Krebs. © Technical University of MunichKathrin Ciecielski und Prof. Hana Algül (rechts) diskutieren Ergebnisse der Studie.

Wirkstoffkombination hilft gegen Resistenzen

Die Ergebnisse könnten auch ein weiteres Problem bei der Therapie von KRAS-Tumoren lösen: Die Krebsarten werden häufig resistent gegen Medikamente. Das Team testete den neuen Wirkstoff in Kombination mit MEK-Inhibitoren, die bereits therapeutisch eingesetzt werden. „Sie sind zwar wirkungsvoll, erzeugen aber bei vielen Patienten schon nach kurzer Zeit resistente Krebszellen“, sagt Katrin Ciecielski, Mitautorin der Studie. Der neue SHP2-Inhibitor machte die resistenten Krebszellen auch wieder zugänglich für die alten MEK-Inhibitoren. Eine Kombination beider Wirkstoffe könnte somit eine neue Therapiemöglichkeit bei resistenten Tumoren sein. „Wir zeigen, dass diese neue Wirkstoffklasse sowohl alleine als auch kombiniert Erkrankten künftig helfen könnte. Für viele Patientinnen und Patienten kann das lebensverlängernd sein.“, sagt Hana Algül.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.06.2018
  • Autor/in: vitanet.de; kw
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 29.05.2018: Unerwartete Wirksamkeit gegen aggressive Krebsarten. Neue Wirkstoffe auch gegen Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs einsetzbar.