Krafttraining vor Lungenkrebsoperation

Machen Patienten vor einer Lungenkrebsoperation Krafttraining, kann das den Klinikaufenthalt verkürzen und Komplikationsrisiken verringern.

Älterer Mann beim Training im Fitnesstudio © iStock
(Moers – 01.09.2017) Lungenkrebspatienten, die mindestens eine Woche lang vor der Operation einmal täglich Kraft- und Atemmuskulaturtraining machen, können früher aus der Klinik entlassen werden. Darauf macht der Verband Pneumologischer Kliniken (VPK) aufmerksam.

Training reduziert Risiko für postoperative Komplikationen

Wenn Lungenkrebs früh genug entdeckt wird, bietet eine Operation zur Entfernung des Tumors die besten Heilungschancen, bevor sich Tochtergeschwülste – sogenannte Metastasen – bilden. Eine solche Lungenoperation ist allerdings auch mit postoperativen Komplikationen verbunden – zum Beispiel Infektionen oder Belüftungsproblemen, weil ein Lungenabschnitt kollabiert. Jetzt weist eine Metastudie über Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCL) darauf hin, dass adäquates Kraft- und Atemmuskulaturtraining, das einmal täglich für die Dauer von mindestens einer Woche vor der OP durchgeführt wird, diese Risiken um 67 Prozent senken kann. „Oder anders ausgedrückt: Unter hundert Patienten mit NSCL, die vor der OP trainieren, treten bei sieben Personen postoperative Komplikationen auf – im Vergleich zu 22, die nicht trainiert haben“, erklärt Dr. Thomas Voshaar vom Verband Pneumologischer Kliniken (VPK).

Wer trainiert, ist auch nach der Operation fitter

„Außerdem können Patienten, die vor der OP trainiert haben, durchschnittlich vier Tage früher aus dem Krankenhaus entlassen werden, da die Wundheilung schneller geht – insofern kann auch die Entfernung der Brustkorb-Drainage im Schnitt drei Tage früher erfolgen als bei Patienten, die nicht vor der OP trainiert haben“, so der Experte. Insgesamt sind die trainierten Patienten auch nach der OP fitter: Beim 6-Minuten-Gehtest schaffen sie rund 18 Meter mehr als die untrainierten Patienten. „Diese Studienergebnisse sind erfreulich, wenn sie auch angesichts der geringen Stichprobe sicherlich zunächst noch mit Vorsicht zu betrachten sind, bis sie in einem größeren Rahmen bestätigt wurden. Schon jetzt zeichnet sich aber der Trend ab, dass der Erfolg einer Lungenkrebsoperation durch körperliches Kraft- und Atemmuskulaturtraining unterstützt werden kann“, sagt Dr. Voshaar. Anleitungen zu solchen Übungen erhalten Patienten in Lungensportkursen, von Physiotherapeuten oder durch speziell ausgebildete Atemtherapeuten, die es in fast jedem Lungenzentrum gibt.

Auch Rauchverzicht vor der OP ist ratsam

Vor einer OP wird den Patienten auch empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören, da Tabakkonsum nachweislich die Wundheilung erschwert und die Komplikationsrate nach Operationen erhöht. „Das liegt daran, dass Rauchen den Kohlenmonoxidgehalt im Blut erhöht, sodass das Hämoglobin weniger Sauerstoff transportieren kann. Dadurch verringert sich die Sauerstoffversorgung des Körpers, was sauerstoffverbrauchende Vorgänge wie die Wundheilung erschwert. Rauchen erhöht außerdem den Blutdruck und Puls und belastet daher das Herz. Während eine Narkose und die OP dem Kreislauf ohnehin schon zu schaffen machen, ist dies bei Rauchern noch stärker ausgeprägt – mit deutlichen Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung, was sich unter anderem in einer höheren postoperativen Komplikationsrate niederschlägt. Wer hingegen mindestens vier Wochen vor einer bevorstehenden Operation mit dem Rauchen aufhört, kann das für Raucher erhöhte Risiko einer schlechten Wundheilung halbieren“, so der Lungenfacharzt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.09.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Verbands Pneumologischer Kliniken (www.lungenaerzte-im-netz.de): Krafttraining vor Lungenkrebs-OP kann Klinikaufenthalt und Komplikationsrisiken verringern