Magenkrebs durch Helicobacter: Mechanismus erforscht

Helicobacterinfektionen sind ein Risikofaktor für Magenkrebs. Warum das so ist, war bisher unklar. Forscher konnten den Mechanismus nun entschlüsseln.

Forscher schaut durch Mikroskop © iStock
(Berlin – 22.08.2017) Eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori kann für die Entwicklung von Magenkrebs verantwortlich sein. Das konnten Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Kooperation mit Kollegen am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie und der Stanford School of Medicine zeigen. Die Studie stellt erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen der Infektion und einer beschleunigten Stammzellenregeneration innerhalb der Magendrüsen her. Unter dem Einfluss des Bakteriums erhöht sich die Anzahl der Zellen mit Stammzellpotenzial – und mit ihnen das Risiko für eine krankhafte Veränderung.

Mechanismus war bisher unbekannt

Helicobacterinfektionen sind weitverbreitet – gleichzeitig gelten sie als wichtigster Risikofaktor für das Entstehen von Magenkrebs. Nach einer Infektion kommt es zu einer vermehrten Zellteilung im infizierten Gewebe aufgrund eines bis dato unbekannten Mechanismus. Das Forscherteam konnte diesen Prozess nun erstmalig entschlüsseln. Die im Magen befindlichen Drüsen haben eine besonders hohe regenerative Kapazität. Alle ein bis zwei Wochen werden sie komplett ersetzt. Wie eine bakterielle Infektion unter diesen Umständen zu langfristigen Veränderungen führen kann, war bislang unklar.

Helicobacter pylori fördert die Produktion eines spezifischen Moleküls

„In der Basis der Drüsen finden sich jedoch langlebige Stammzellen, die stetig neue Zellen generieren“, erklärt Dr. Michael Sigal von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité. „Wir wollten sowohl ihre Identität bestimmen wie auch die Prozesse, die ihre Regeneration steuern.“  

Die Charakterisierung der Stammzellen hat gezeigt, dass es zwei unterschiedliche Stammzellarten im Magen gibt. „Wir haben herausgefunden, dass die Zellen, die sich direkt unterhalb der Drüsen befinden, ein spezifisches Molekül namens R-spondin 3 produzieren. Dieses beeinflusst die Funktion der Stammzellen maßgeblich. Es aktiviert die Zellteilung in einer Teilpopulation der Stammzellen und steigert dadurch die Regerationsgeschwindigkeit der gastrischen Drüsen“, so der Wissenschaftler. Eine Infektion mit Helicobacter pylori führt dazu, dass die Produktion von R-spondin ansteigt und die Stammzellaktivität zunimmt. Es ist zu vermuten, dass eine langfristig erhöhte Stammzellenteilung die Krebsentstehung direkt begünstigt.

Während lange bekannt ist, dass bestimmte Viren Krebs auslösen können, indem sie Gene in die Wirtszelle einschleusen, werden auch Bakterien als Auslöser von Krebserkrankungen untersucht, wobei die zugrundeliegenden Mechanismen weniger klar sind. Jetzt konnten die Forscher das bislang geltende Dogma überwinden, bakterielle Infektionen würden lediglich Zellen an der Oberfläche beeinflussen.

Erkenntnisse könnten Entwicklung neuer Behandlungsansätze ermöglichen

„Helicobacter pylori verursacht eine lebenslange Infektion und steigert die Anzahl der langlebigen Zellen mit Stammzellpotenzial in den Drüsen des Magens. Die Geschwindigkeit der Stammzellteilung ist erhöht, was letztlich in krankhaften Veränderungen des Epithels resultiert“, so Dr. Sigal. „Die Studie gibt uns einen besseren Einblick in die Mechanismen, die Magenkrebs auslösen können. Sie gibt uns auch allgemeinere Hinweise darauf, wie chronische bakterielle Infektionen die Gewebefunktion stören und so das Krebsrisiko erhöhen können“, sagt Prof. Dr. Thomas F. Meyer, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. Mit seinen Kollegen beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit den krankmachenden Eigenschaften des Bakteriums Helicobacter pylori und dessen Einfluss auf die Magenoberfläche. Auf lange Sicht können die aktuellen Erkenntnisse dazu beitragen, die Entwicklung verbesserter Behandlungsansätze voranzubringen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.08.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Charité – Universitätsmedizin Berlin: Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein